Wahlprogramm

Die IG Metall Fraktion im Wolfsburger Betriebsrat von Volkswagen hat sich Schwerpunkte für ihre Arbeit in den kommenden vier Jahren gesetzt. Das Unternehmen steht in der kommenden Wahlperiode des Betriebsrates (2018 bis 2022) vor erheblichen Herausforderungen. Nur ein Beispiel dafür sind der Wandel in der Automobilindustrie und der dadurch bedingte Umbau bei Volkswagen. Ein anderes sind die durch den Abgas-Skandal ausgelösten negativen Einflüsse auf Volkswagen. Die IG Metall bei Volkswagen hat das klare Ziel, sowohl die Zukunftsthemen Digitalisierung und Elektromobilität, als auch die stark schwankende Auslastung der Fabriken im Sinne der Beschäftigten zu gestalten. Es bleibt das oberste Ziel der IG Metall bei Volkswagen, die Arbeitsplätze zu sichern. Zugleich wird das Unternehmen aufgefordert, eine attraktive Personal- und Entgeltpolitik zu betreiben. Einer reinen Personalabbau- und Leistungsverdichtungsstrategie wird die IG Metall auf allen Ebenen des Standortes Wolfsburg weiter entschieden entgegentreten.

Die IG Metall im VW-Betriebsrat kümmert sich aktiv um die Belange der Beschäftigten. Sie nimmt Wünsche der Kolleginnen und Kollegen auf und stützt sich dabei zum Beispiel auf Dialog-Veranstaltungen und Mitarbeiterbefragungen. Vor diesem Hintergrund lehnt die IG Metall im Betriebsrat populistische Parolen ab, die einzig und allein dem Zweck dienen, Stimmungsmache bei Volkswagen zu betreiben. Sie dienen bestenfalls den Scharfmachern, helfen aber nicht der Belegschaft.

Stattdessen sind wir überzeugt davon, dass konstruktive Gespräche mit dem Management Probleme im Sinne der Kolleginnen und Kollegen lösen können. Das heißt nicht, dass dabei keine Konflikte entstehen. Wir stehen nicht nur für offene und ehrliche Worte, sondern im Ernstfall auch für entschiedene Maßnahmen und Aktionen, um berechtigte Interessen durchsetzen zu können. Dabei stehen wir hinter dem Grundsatz, dass es bei Volkswagen zwei gleichrangige Unternehmensziele gibt: Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit.

In unserer Arbeit sind wir dennoch einzig und allein der Belegschaft verpflichtet. Von ihr bekommen wir das Mandat und mit ihr im Rücken sind wir stark. Das bedeutet: Wir übernehmen auch bei schwierigen Sachverhalten Verantwortung und gehen Kompromissen nicht aus dem Weg, wenn sie im Sinne der Beschäftigten sind.

1. Produktion

Die Auslastung am Standort Wolfsburg bleibt in den kommenden zwei Jahren schwierig. Mit Stückzahlen unterhalb von jährlich 800.000 Fahrzeugen liegt der Schwerpunkt der Betriebsratsarbeit 2018 und 2019 weiterhin auf der Beschäftigungssicherung. Vor diesem Hintergrund ist der Zukunftspakt ein großer Erfolg. Mit ihm ist es der IG Metall gelungen, für die Stammbelegschaft eine Beschäftigungssicherung bis 2025 zu vereinbaren. Ein weiteres Beispiel für intelligente Lösungen im Sinne aller Beschäftigten ist die Produktion eines SUV der Marke SEAT in Wolfsburg. Mit der Planungsrunde im November 2017 hat die IG Metall zudem die Weichen für den Standort Wolfsburg wieder klar auf Wachstum gestellt. Mit der Entscheidung, dass die erste Welle der Elektrofahrzeuge am Standort Zwickau gebaut wird, ist klar: Wolfsburg wird ab 2020 die komplette Golf-Familie produzieren. Damit steigen die Stückzahlen in Wolfsburg wieder deutlich – in der Spitze der Folgejahre nach aktuellen Planungen auf über 900.000 Fahrzeuge. Bis dahin gilt: In der Produktion wird es unterschiedliche Auslastungsszenarien für Golf-, Tiguan- und Touran-Fertigung geben. Ziel der IG Metall ist es dabei, die Belastungen für die Kolleginnen und Kollegen so gering wie möglich zu halten.

Es versteht sich von selbst, dass die IG Metall bei Volkswagen weiter Druck macht, wenn es um Investitionen in unsere Fabriken geht. Dies gilt für die Infrastruktur wie für moderne Produktionsanlagen.

Besonders wichtig bleibt dabei für uns, dass das Unternehmen weiter in ergonomisch verbesserte Anlagen investiert. Zum Schutz der Gesundheit der Belegschaft – und, damit auch Kolleginnen und Kollegen mit gewandelter Leistung Arbeitsplätze in der Fertigung besetzen können. Denn Volkswagen muss auch seiner Verantwortung gegenüber leistungsgewandelten Kolleginnen und Kollegen gerecht werden. Überwiegend haben sie sich diese durch den jahrelangen Einsatz für das Unternehmen zugezogen. Deshalb muss das Unternehmen sie wertschätzend und wertschöpfend einsetzen. Hierzu gehören das Programm Work2Work ebenso wie Arbeitsplätze an der Westrampe, die für leistungsgewandelte Kolleginnen und Kollegen geschaffen wurden.

2. Leiharbeit

Wir wollen die Kolleginnen und Kollegen, die aktuell noch in Leiharbeit bei Volkswagen in Wolfsburg beschäftigt sind, so lange wie möglich an Bord halten. Wir werden weiterhin alles dafür tun, um bei Volkswagen Übernahmen in die Stammbelegschaft zu ermöglichen. Fakt ist: In den vergangenen Jahren hat Volkswagen auf stetigen Druck der IG Metall-Betriebsräte mehr als 17.000 Kolleginnen und Kollegen aus Leiharbeitsverträgen in feste Beschäftigung übernommen. Selbst in den kritischen letzten zwei Jahren konnten wir Kolleginnen und Kollegen der Autovision Perspektiven an anderen Standorten und Marken geben. Sogar Übernahmen mit auf zwei Jahre befristeten Arbeitsverträgen bei Volkswagen waren möglich, weil wir uns dafür stark gemacht hatten. Es bleibt dabei: Wir stehen als IG Metaller fest zu den Kolleginnen und Kollegen in Leiharbeit. Wir werden das Engagement für jeden Einzelnen fortsetzen.

Zur Wahrheit gehört: Die Produktionssituation am Standort Wolfsburg bleibt schwierig. Erschwerend hinzu kommt eine veränderte Sicht des Vorstands der Marke Volkswagen: Das hat dazu geführt, dass erstmals seit langer Zeit Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeiternehmer in Wolfsburg nicht in die Stammbelegschaft übernommen worden sind. Wir sagen dazu: Das ist nicht unsere Entscheidung und wir finden sie nicht richtig. Nur: Wir können als Betriebsräte der IG Metall das Management bei Volkswagen nicht dazu zwingen, Leiharbeitskräfte bei Volkswagen zu übernehmen. Das ist tragisch – und zwar in jedem Einzelfall.

Wichtig ist deshalb folgende Botschaft: Bei Volkswagen in Wolfsburg wird es auch in Zukunft keinen Drehtüreffekt bei der Leiharbeit geben. Wenn der Vorstand Zeitarbeitskräfte von Bord schickt, die die festgelegte Höchstdauer von 36 Monaten fast erreicht haben, dann werden die Betriebsräte der IG Metall es nicht zulassen, dass neue Leiharbeitskräfte zugeführt werden. Auch den ersatzweisen Einsatz von sogenannten Ferienarbeitern werden wir unterbinden.

Unser kurzfristiges Ziel bleibt es, dass Volkswagen möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen der Autovision eine Zukunftsperspektive gibt. Ginge es nach dem Management, dann würde es gar keine Übernahmen mehr geben. Statt Altersteilzeit für Festbeschäftigte anzubieten, die das Unternehmen Geld kostet, hätte man zuallererst alle Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen abgebaut. Die Betriebsräte der IG Metall waren es, die im Zukunftspakt den Vorschlag gemacht haben, den Personalabbau entlang der demographischen Kurve über Altersteilzeit zu organisieren. Ohne dieses Vorgehen wären die Übernahmen der vergangenen Monate überhaupt nicht mehr möglich gewesen. 

In der kommenden Wahlperiode werden wir Volkswagen auffordern, mit uns Gespräche darüber zu führen, wie das Unternehmen künftig generell mit Leiharbeit umgehen wird. Einem Vorstand, der Leiharbeitskräfte rein als Spielmasse sieht, mit der man Produktion flexibler gestalten kann, werden wir mit klaren Positionen gegenübertreten. Wir sind nicht mehr dazu bereit, überhaupt über den Einsatz von Leiharbeitskräften zu sprechen, so lange es keine verbindlichen Spielregeln im Unternehmen dazu gibt. Politisch haben wir als IG Metaller ohnehin eine klare Haltung: Wir halten Leiharbeit als Instrument der Personalplanung für unsozial und für unzulässig. Deshalb wollen wir mit dem Management darüber sprechen, ob wir in Zukunft komplett auf Leiharbeit verzichten und stattdessen sofort befristet einstellen. In jedem Fall muss für Leiharbeit bei Volkswagen nicht nur Equal-Pay und Equal-Treatment gelten. Es muss auch einen Risiko-Zuschlag und klar benannte Einsatzzeiträume geben. Nur so lässt sich aus Sicht der IG Metall im VW-Betriebsrat sicherstellen, dass es sich bei Leiharbeit tatsächlich – so wie ursprünglich vom Gesetzgeber gedacht – um eine kurzfristige Abdeckung von Produktionsspitzen handelt. Eine jahrelange Zitterpartie um eine feste berufliche Zukunft soll es jedenfalls nicht mehr geben.

3. Service Factory, Logistik und Komponente

Wir betonen auch an dieser Stelle noch einmal: Die IG Metall-Fraktion im VW-Betriebsrat bekennt sich klar zur Service Factory als Teil des Unternehmens. Der Vorstand wollte die Service Factory bei den Verhandlungen zum Zukunftspakt outsourcen. Dem haben wir einen Riegel vorgeschoben. „Ein Team – eine Familie“, das steht für uns nicht zur Diskussion.

Fest steht für uns auch, dass eine eigene Logistik gerade an den Schlüsselstellen unserer Produktion unverzichtbar ist. Eine Fremdvergabe, wie sie von Unternehmensseite immer wieder gefordert wird, lehnen wir ab. Selbiges gilt auch für alle anderen Bereiche, bei denen Gerüchte über eine angebliche Fremdvergabe immer wieder einmal die Runde machen. Dienstleister wie Feuerwehr, Küche, Werksicherheit oder der Mobilitätsservice gehören für uns aus guten Gründen fest zum Unternehmen.

Essentiell ist für uns auch eine weitere Stärkung der Konzern-Komponente, die mehr Handlungsfähigkeit erhält. Das war schon lange eine Forderung des Betriebsrates. Mit der 2017 eingeleiteten Neuaufstellung wird die Konzern-Komponente nach einem Jahr des Übergangs von 2019 an gleichberechtigt als virtuelle Marke neben Volkswagen Pkw und Volkswagen Nutzfahrzeuge stehen. Davon profitieren auch die Kolleginnen und Kollegen im Werk Wolfsburg. Unerlässlich ist es auf dem weiteren Weg, dass der Konzern die Mittel für die damit verbundenen Konzernstellen freigibt. Zudem fordern wir einen Zentralbereich im Personalbereich, damit die Betreuungsqualität für die Komponente stimmt. Ebenso nötig sind zusammenhängende Büros auf dem Werksgelände in Wolfsburg.

4. Personal

Das Personalwesen bei Volkswagen ist der direkte Ansprechpartner für die Belegschaften. Für die Kolleginnen und Kollegen in den operativ tätigen Personalservice-Centern zum Beispiel gilt, dass sie versuchen, Herausforderung bestmöglich gerecht zu werden. Doch ihnen fehlt es an Unterstützung. Aus Sicht der IG Metall mangelt es im gesamten Vorstand an Engagement und strategischer Weitsicht für eine moderne Personalarbeit.

Neue Ressourcen für Personalarbeit, bessere IT und Beratungscenter für die Beschäftigten
Wir erwarten, dass der Vorstand zur Unterstützung der Personalreferenten endlich in moderne und zukunftsfähige HR-Systeme investiert. Hierdurch könnten die operativ tätigen Personaler in ihrer täglichen Arbeit massiv entlastet werden und sie könnten die Zeit zur persönlichen Betreuung der Kolleginnen und Kollegen aufwenden. Dies wird gerade in der Zeit der Transformation des Unternehmens große Bedeutung haben. Der Erfolg oder Nicht-Erfolg eines internen Arbeitsmarktes wird maßgeblich davon abhängen, ob die Kolleginnen und Kollegen eine persönliche Beratung bekommen.

In diesem Zusammenhang fordern wir als IG Metaller, dass Volkswagen zusätzliche Ressourcen zur Verfügung stellt, um Beratungscenter für persönliche Gespräche zu schaffen. Ein interner Stellenmarkt, der nur aus einer Online-Börse besteht, ist uns zu wenig. Die Kolleginnen und Kollegen müssen ohne Hemmschwelle Beratung in Anspruch nehmen können. Auch um sich beispielsweise unkompliziert über Weiterqualifizierungen persönlich beraten zu lassen. In diesem Zusammenhang fordern wir, dass Volkswagen sein Engagement für zielgerichtete Weiterqualifizierungen deutlich erhöht. Die Transformation des Unternehmens befindet sich noch am Anfang. Bislang werden aus Sicht des Betriebsrates nur unzureichend Weiterqualifizierungen in Zukunftsfelder angeboten. Wir erwarten hier vom Unternehmen, dass wir jede Kollegin und jeden Kollegen mit auf den Weg in die automobile Zukunft nehmen. Lebenslanges Lernen und eine maßgeschneiderte Qualifizierung sind hierfür Grundvoraussetzungen. Dazu gehört es auch ganz klar, dass insbesondere den Kolleginnen und Kollegen im direkten Bereich Entwicklungsperspektiven geboten werden.

Vorausschauende Beschäftigungspolitik und beschäftigtenorientierter personeller Umbau
Die IG Metall erwartet vom Unternehmen die Einführung einer strategischen Mittel- und Langfristplanung zur nachhaltigen Sicherung der Beschäftigung im Volkswagen Konzern. Hierzu gehören Instrumente zur strategischen Personalplanung genauso wie Initiativen zur Schaffung von Beschäftigung in neuen Geschäftsfeldern. Neue Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts sind grundsätzlich auf ihre Beschäftigungswirkung zu prüfen. Personelle Umbauprozesse müssen unter Beachtung der Interessen der Beschäftigten und unter Berücksichtigung der vorhandenen und gegebenenfalls weiter zu entwickelnden Qualifikationen erfolgen.

Stärkung der Arbeitgeberattraktivität und Aufbau einer starken Arbeitgebermarke im Bereich IT und neue Geschäftsfelder
Nach der Dieselkrise und inmitten der digitalen Transformation muss der Volkswagen Konzern massiv an der Verbesserung seiner Arbeitgeberattraktivität arbeiten. Hierzu gehören nicht nur Initiativen und Maßnahmen, um verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen und das ramponierte Image auf den Bewerbermärkten zu reparieren. Ebenso wichtig sind konzertierte Ansätze, um bei Fachkräften und Hochschulabsolventen mit zukunftskritischen Qualifikationen punkten zu können. Hierzu muss das Unternehmen neue Kompetenzen aufbauen und auch zu monetären Zukunftsinvestitionen bereit sein.

Erarbeitung verbindlicher personalpolitischer Leitlinien im Sinne einer „Premium-Strategie“ bei Gesundheit, Ergonomie, Qualifizierung und lebenslangem Lernen
Die IG Metall erwartet vom Unternehmen eine klare Positionierung im Sinne einer personalpolitischen Ausrichtung, die Arbeitskraft nicht als bloße Ressource betrachtet, sondern ausgelegt ist auf langfristige Beschäftigungsfähigkeit, gute Qualifizierungsmöglichkeiten und gesunde Arbeit. Unternehmenszugehörigkeit bis zum Erreichen der Altersgrenze und „gesund in die Rente“ sind die Leitplanken dieser Grundausrichtung – weltweit.

Neue Konzepte für die Personalarbeit und optimale Betreuung der Beschäftigten / Umsetzungsfähigkeit der Personalarbeit stärken
Neue digitale Tools ermöglichen die Virtualisierung vieler Personalprozesse. Die IG Metall fordert eine konsequente Digitalisierung der Personalarbeit, auch durch die Einführung sogenannter Employee Self Services. Durch diese sollen die Beschäftigten mehr direkte Gestaltungsmöglichkeiten etwa bei der Abwesenheits- und Schichtplanung erhalten. Die Transparenz über die eigenen Daten soll erhöht werden. Voraussetzung hierfür ist die flächendeckende Einführung von „IT für alle“, also digitaler Zugangsmöglichkeiten auch für Mitarbeiter des direkten Bereichs über betriebliche Geräte beziehungsweise Anwendungen.

Konsequente Umsetzung der sogenannten „Empower to transform“-Strategie
Die IG Metall hat die Volkswagen Personalstrategie „Empower to transform“ (befähigen, etwas zu verändern) im Jahr 2016 mit erarbeitet. Sie fordert nun eine konsequente Umsetzung dieser Strategie sowie sichtbare und signifikante Aktivitäten in den fünf Zielfeldern „Exzellenter Arbeitgeber“, „Kompetente & engagierte Mitarbeiter“, „Zukunftsfähige Arbeitsorganisation“, „Vorbildliche Führungs- & Unternehmenskultur“ sowie „Erstklassige Organisation der Personalarbeit“. Ziel muss es sein, den Volkswagen Konzern auch im Bereich der Personalpolitik wieder als Innovationsführer zu positionieren. Momentan ist Volkswagen hier aus Sicht der IG Metall zurückgefallen.

Initiativen, um Kerngeschäft und neue Geschäftsfelder strategisch und organisatorisch miteinander zu verbinden
In der digitalen Transformation droht Volkswagen organisatorisch und strategisch eine Spaltung: in ein traditionelles Kerngeschäft einerseits sowie in primär digital ausgerichtete Innovationsbereiche andererseits. Die IG Metall strebt eine ganzheitliche Transformation des Unternehmens an. Das heißt, alle Teilbereiche sollen sich gemeinsam Richtung Zukunft entwickeln. Eine automobile „Bad Bank“ und einen zukunftsgerichteten Digitalbereich lehnen wir entschieden ab. Die IG Metall erwartet insbesondere vom Personalvorstand, den Transformationsprozess ganzheitlich zu managen. Hierfür ist unter anderem ein Ordnungsrahmen mit gemeinsamen Grundsätzen für Kerngeschäft und neue Geschäftsfelder mit uns zu verhandeln und in Form einer Gesamtbetriebsvereinbarung abzuschließen. Der personelle Austausch zwischen klassischem Automobilbereich und digitalen Zukunftsgeschäften ist auf allen Ebenen konsequent abzusichern.

Sicherung und Ausbau der Mitbestimmung
Mit Sorge blickt die IG Metall auf Versuche interessierter Kreise, die Mitbestimmung bei Volkswagen zu schwächen. Sie erwartet vom Personalressort ein klares Bekenntnis zu den Partizipationsrechten der Belegschaft und zur Gleichrangigkeit von Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung. Es bleibt dabei: Volkswagen ist nicht trotz, sondern wegen der Mitsprache der Beschäftigten so erfolgreich. Diese Stärke auszubauen und gemeinsam weiterzuentwickeln, das ist der gemeinsame Auftrag.

5. Technische Entwicklung

Die IG Metall bei Volkswagen tritt weiterhin dafür ein, dass die Technische Entwicklung und die Forschung am Standort Wolfsburg das Herz von Volkswagen bleiben. Hier befindet sich die leistungsfähigste und innovativste Technische Entwicklung des Konzerns. Die Kolleginnen und Kollegen in der TE sind das Rückgrat für den Erfolg unserer Produkte in den Weltmärkten. Sie sind es, die mit ihrem Engagement Volkswagen zum erfolgreichen Premium-Volumen-Anbieter in den Weltmärkten machen. Die Entwicklung des Modularen Elektrobaukastens (MEB) innerhalb kürzester Zeit unterstreicht die Leistungsfähigkeit des TE-Teams. 

Fakt ist: In der Technischen Entwicklung herrscht aufgrund der Vielzahl der Fahrzeugprojekte eine hohe Arbeitsbelastung. Hier darf es keine weitere Leistungsverdichtung auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen geben. Deshalb fordern wir für die Technische Entwicklung in punkto Arbeitsorganisation ein Konzept, das für die Beschäftigten höhere Flexibilität möglich macht. Ebenso erwarten wir, dass der Vorstand für den Top-Innovationsbereich von Volkswagen die Infrastruktur für eine moderne Arbeitswelt schafft. Agiles Arbeiten zum Beispiel sollte nicht die exotische Ausnahme bleiben.

Für die neue strategische Ausrichtung braucht es ein Qualifizierungsprogramm – mit Angeboten bis hin zum Ingenieur. Wir fordern ein integriertes Personalkonzept für Lohn und Gehalt, das mit dem Aufbau der Zukunftskompetenzen übereinstimmt.

Die IG Metall-Betriebsräte bei Volkswagen erwarten vom Unternehmen massive Investitionen in die Zukunftsfähigkeit und die Zukunftsfelder unserer Technischen Entwicklung. Wir begleiten die Transformation. Schwerpunkte wie Digitalisierung und virtuelles Konstruieren erfordern entsprechende Investitionen.

Neben einer zeitgemäßen Arbeitsorganisation, einer modernen Infrastruktur und Investitionen in digitale Entwicklungsprozesse wollen wir auch die Rahmenbedingungen in der Technischen Entwicklung weiter verbessern. Beispiel: Das Schlange stehen in den Werksrestaurants muss aufhören. Die Erweiterung des Westend-Betriebsrestaurants muss zeitnah kommen. Zudem fordern wir den Bau eines weiteren Betriebsrestaurants in der Halle 77A.

6. IT und Digitalisierung

Die IG Metall-Fraktion im Betriebsrat von Volkswagen bleibt bei ihrer Forderung: Volkswagen braucht ein eigenes Vorstandsressort für IT und Digitalisierung. In den kommenden Jahren wird die Digitalisierung in allen Geschäftsbereichen von Volkswagen massiv voranschreiten. Sowohl innerhalb des Fahrzeugs aber auch entlang der Geschäftsprozesse. Das muss für den Gesamtkonzern über Markengrenzen hinweg aus einer Hand gesteuert werden. Nur so können Synergien konsequent gehoben werden.

In der Marke Volkswagen fordern wir den Markenvorstand auf zu Gesprächen über eine gemeinsame Roadmap zur "Digitalisierung der Geschäftsprozesse". Hintergrund: Der Vorstand prüft aktuell, wo man mit modernen IT-Systemen Einsparmöglichkeiten heben kann. Dies wird vor allem in den sogenannten indirekten Bereichen den Druck auf die Sicherheit der Arbeitsplätze verstärken. Wir erwarten, dass die "Roadmap Digitalisierung" zwischen Betriebsrat und Vorstand der Marke Volkswagen entwickelt und abgestimmt wird. Wir erwarten zudem, dass dies im Einklang mit der bei Volkswagen vereinbarten Beschäftigungssicherung geschieht. Auch der gesamte Umgang mit dem Thema Künstliche Intelligenz und ihrem möglichen Einfluss auf die Arbeit bei Volkswagen muss in klare Zuständigkeiten überführt werden, bei denen die Mitbestimmung an allen relevanten Stellen ihre Rolle spielt.

7. Konzernstellen 

Der Konzernvorstand plant derzeit ein Effizienzprogramm für die Konzernstellen. Bereits für das laufende Jahr sind sechs Prozent Kürzungen in den Budgets der Konzernstellen unterstellt. Diese Maßnahme ist nicht mit dem Betriebsrat abgestimmt. Um weitere Alleingänge des Vorstands zu unterbinden, fordern wir als IG Metall bei Volkswagen den Konzernvorstand dazu auf, mit uns eine Strategie für die Konzernstellen vertraglich zu fixieren. Es muss von vornherein klar sein: Keine Kollegin und kein Kollege darf auf der Strecke bleiben.

8. Verkehr

Mobilität von Morgen ist stärker vernetzt und Themen wie autonomes Fahren und neue Antriebe gewinnen an Bedeutung. Dem Betriebsrat geht es allerdings nicht nur um Visionen. Genauso wichtig sind alltägliche Probleme, mit denen sich die Kolleginnen und Kollegen auf ihren Arbeitswegen konfrontiert sehen: Mängel in der Verkehrsinfrastruktur der Region sind dafür zumeist die Ursache. Der Betriebsrat hat deswegen vor knapp sechs Jahren eine TaskForce Verkehr mit Vertretern von Stadt, Volkswagen und Verkehrsexperten ins Leben gerufen. Diese hat überaus erfolgreich agiert und viel bewegt. Leuchtturm ist dabei ein bestens frequentierter Interner Busshuttle. Aber auch kürzere Staus auf den Straßen, bessere und mehr Zugverbindungen sowie ein dichteres Radwegenetz sind dafür nur einige Belege.

Dennoch bleibt viel zu tun: Der Lückenschluss der A 39, der sechsspurige Ausbau zwischen dem Kreuz Königslutter und Wolfsburg, eine vierspurige B188 zwischen Schlosskreuzung und Anschlussstelle Weyhausen sowie eine sanierte Heinrich-Nordhoff-Straße sind Straßenprojekte in und um Wolfsburg, die angegangen werden müssen, um einen neuen Verkehrsinfarkt zu verhindern.

Zu den wichtigen Verkehrsprojekten gehört aus Sicht des Betriebsrates auch der zweigleisige Ausbau der Weddeler Schleife zwischen Braunschweig und Wolfsburg. Denn nur mit ihm ist ein Halbstundentakt im Zugverkehr zwischen den beiden Städten möglich. Dabei hat der Betriebsrat mit seinem Engagement bereits dafür gesorgt, dass die ersten Weichen für das Projekt gestellt werden konnten.

Auch von Bedeutung: Vorhandene Infrastruktur muss aus Sicht des Betriebsrates effektiver genutzt werden: Smart Parking und ÖPNV-Systeme mit P+R-Möglichkeiten sind dabei nur zwei Ansätze.

Ein verbessertes Radwegenetz, Ladesäulen für Elektrofahrzeuge auf den Mitarbeiterparkplätzen, neue Shuttle-Angebote bleiben ebenfalls Thema. Und eine einheitlich logische Beschilderung an der Autobahn A39 zwischen dem Kreuz Königslutter und Wolfsburg würde zudem dafür sorgen, dass in die Irre geleitete ortsfremde Lkw-Fahrer nicht Verkehrsprobleme verursachen. Druck macht der Betriebsrat auch beim Diebstahlsschutz: Um die Zahl der Fahrraddiebstähle vor den Werkstoren zu senken, sind bereits erste Sicherheitszäune gezogen worden.

Kleinigkeiten und Großprojekte, schnelle Lösungen und gut durchdachte Strategien – Wolfsburg braucht aus Sicht des Betriebsrates beides, wenn sie Modellstadt für Mobilität werden will. Und genau davon sollen unsere Kolleginnen und Kollegen profitieren.