Arbeitsplatzsicherheit zentrales Thema der VW-Betriebsräteversammlung

04.04.2019

300 Betriebsräte - eine zentrale Botschaft: Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit bleiben bei Volkswagen gleichrangige Unternehmensziele!

Angesichts der aktuellen Situation des Unternehmens sehen Betriebsräte aus dem gesamten VW-Konzern ihre wichtigste Aufgabe in der Beschäftigungssicherung. Das ist das Ergebnis der Betriebsräteversammlung am Donnerstag in Wolfsburg. Die Versammlung gilt als das wichtigste Treffen der Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter von Volkswagen, Audi, Porsche, MAN und weiteren Konzerngesellschaften, zu der einmal im Jahr rund 300 Betriebsräte in Wolfsburg zusammenkommen.

„Unser Konzern Volkswagen ändert sich so schnell wie nie zuvor. Das macht vielen Kolleginnen und Kollegen Sorgen. Für uns Betriebsrätinnen und Betriebsräte steht darum in der laufenden Transformation die Sicherheit der Arbeitsplätze an erster Stelle“, sagte der Vorsitzende des VW-Konzernbetriebsrats, Bernd Osterloh.

Er machte klar, dass die Belegschaften verlässliche wirtschaftliche Konzepte vom Vorstand erwarten. „Experimente auf Kosten der Beschäftigten lehnen wir ab. Denn der Kunde muss unsere Produkte kaufen, damit wir weiter Arbeit haben “, sagte er.

Osterloh wies auch darauf hin, dass zahlreiche Fragen der Arbeitnehmerseite an den Vorstand immer noch unbeantwortet sind. „Was sind die wahren Kosten des Versagens bei WLTP, oder warum verlieren wir immer mehr Fahrzeuge wegen Versorgungsproblemen?“, fragte Osterloh in Richtung Vorstand.  

Mit dem Branchenexperten Professor Stefan Bratzel diskutierten die Betriebsrätinnen und Betriebsräte außerdem über den Übergang in die E-Mobilität: „Wir glauben schon, dass Volkswagen in den nächsten zehn Jahren die Chance hat, Marktführer in der Elektromobilität zu werden. Aber dieses Vorhaben bleibt sozusagen eine Wette auf die Zukunft, und die ist hochrisikoreich. Denn der Hochlauf ist extrem voraussetzungsvoll: Da geht es um zig Milliarden Investitionen allein in die Energienetze. Das können die Automobilhersteller niemals alleine leisten.“

Zum Beschäftigungsaspekt der E-Mobilität sagte Bratzel: „In einem optimistischen Szenario halten wir für das Jahr 2030 einen Elektro-Anteil von 50 Prozent bei den Neuwagenverkäufen für erreichbar. Das würde unseren Berechnungen zufolge Arbeitsplatzverluste zwischen 15 und 20 Prozent netto bedeuten. Der Abbau der Beschäftigung wird also kommen, fraglich ist nur das Tempo. Und diese Entwicklung muss man sozial abfedern. Dabei spielen Sie als Betriebsräte eine enorm wichtige Rolle“, sagte Bratzel.

Osterloh machte klar, dass die Arbeitnehmer bei Volkswagen voll hinter dem Ziel emissionsfreier Mobilität stehen. „Es muss aber klar sein, dass unabhängig vom technischen Weg dahin die Sicherung der Arbeitsplätze garantiert ist.“ Osterloh sagte weiter, dass die Kunden neben reinen Batteriefahrzeugen noch über Jahre auch Hybride und sparsame Diesel und Benziner nachfragen werden. „Diese Kunden dürfen wir nicht verlieren“, erklärte er.

In einer Onlineumfrage im Saal machten viele Betriebsräte klar, dass sie beim Umstieg in die E-Mobilität  Risiken sehen und forderten an dieser Stelle Solidarität unter Marken, Standorten und Gesellschaften. Außerdem sprachen sie sich für den Einstieg in neue Geschäftsmodelle aus.

Der Audi-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Mosch sagte: „Der Vorstand muss endlich aufhören, in der Öffentlichkeit die Marke schlecht zu reden. Denn Audi ist kein Sanierungsfall. Es werden immer noch ordentliche Gewinne erwirtschaftet. Die Belegschaft ist trotzdem verunsichert und macht sich Sorgen. Wir fordern endlich einen vernünftigen Plan des Vorstands zum Beispiel zur Werkbelegung und zum Heben der Konzernsynergien. Zur Zeit haben wir mehr Fragen als Antworten.“

Porsche-Betriebsratsvorsitzender Werner Weresch sagte: „Der Wind wird schärfer, das merken wir auch bei Porsche. Der Druck aus dem Vorstand auf die Kolleginnen und Kollegen nimmt immer weiter zu. Wir als Belegschaften müssen über die Marken zusammenhalten, damit der Konzernvorstand uns nicht gegeneinander ausspielen kann. Darum setzte ich mich auch dafür ein, dass wir bei künftigen Einstellungen in Stuttgart Stammbeschäftigte aus dem Konzern besonders berücksichtigen.“  

 

Der bei dieser Gelegenheit für die Trucksparte um MAN und Scania sprechende Konzernbetriebsratsvorsitzende der MAN SE, Saki Stimoniaris, sagte: „Die künftigen hohen Strafen bei der Überschreitung der CO2-Grenzwerte für schwere Lastwagen können zur Existenzgefährdung für unser Unternehmen werden. Darum hoffe ich, dass viele Kolleginnen und Kollegen zur Europawahl gehen und diejenige demokratische Partei wählen, die unsere Arbeitsplätze am ehesten sichert.“   

Mit dem Konzernvorstand besprachen die Arbeitnehmervertreter am Nachmittag ihre Einschätzung der aktuellen Lage der Automobilindustrie und Herausforderungen an den VW-Konzern und seine Marken.

Osterloh machte klar, dass nur ein erfolgreiches Unternehmen langfristig Arbeitsplätze sichert. Er betonte aber auch, dass bei Volkswagen Beschäftigung und Wirtschaftlichkeit schon immer gleich wichtig sind. „Wir erwarten vom Unternehmen, dass dieser Grundsatz auch in schwierigen Zeiten weiter Gültigkeit hat“, sagte Osterloh.