Bodner: "VW-Azubis liefern gute Argumente für 1400 Ausbildungsplätze"

08.04.2015 | JAV

Die Metaller bei Volkswagen haben in ihren unternehmenseigenen Tarifverhandlungen eine Erhöhung der Ausbildungsplätze auf 1400 sowie Beihilfen für Studierende durchgesetzt. Wir sprachen mit Felina Bodner, 20, Bürokauffrau und Vorsitzende der Gesamtjugend- und Auszubildendenvertretung (GJAV).

Im neuen Tarifabschluss habt Ihr die Anzahl der garantierten Ausbildungsplätze bei Volkswagen von 1250 auf 1400 im Jahr erhöhen können. Wie habt Ihr das geschafft?

Bodner: Möglichst vielen jungen Menschen eine sichere Zukunft zu ermöglichen, ist für uns ein ganz wichtiges Thema. Da das Unternehmen junge Fachkräfte braucht, hatte diese Forderung für uns einen hohen Stellenwert in den Verhandlungen. Am Ende haben wir das Unternehmen davon überzeugt und diese Forderung durchgesetzt. Auch, weil unsere Auszubildenden mit ihren Leistungen gute Argumente liefern. 

 

Und wo musstet Ihr Abstriche hinnehmen?

Bodner: Bei der Laufzeit hätten wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht. Wir wollten die 1400 Ausbildungsplätze eigentlich für fünf Jahre sichern. Jetzt sind es drei Jahre geworden. Wir haben aber jetzt schon verabredet, dass wir uns am Ende der drei Jahre wieder zu Verhandlungen treffen.

 

Außerdem konntet Ihr auch durchsetzen, dass VW den Semesterbeitrag der Dual Studierenden zahlt. Wie kam das?

Bodner: Wir hatten ja vorher schon durchgesetzt, dass das Unternehmen 500 Euro für die Studiengebühren unserer „Stips“ [Studierende im Praxisverbund, die Red.] zahlt. Auch wenn diese mittlerweile abgeschafft worden, entstehen für die „Stips“ Kosten für Semesterbeiträge wie Arbeitsmittel und Bahnfahrkarten. Hier muss klar sein: Auch 300 Euro Semesterbeitrag sind schwer zu stemmen. Das gilt besonders, wenn man mit dem Azubi-Gehalt eine eigene Wohnung finanzieren muss. Da das Geld versteuert wird, haben wir hier einen Pauschalbetrag in Höhe von 350 Euro je Semester ausgehandelt.

 

Beim Geld habt Ihr bei VW mit plus 3,4 Prozent die gleiche Tariferhöhung durchgesetzt wie im Metall-Flächentarif. Jedoch nichts bei der Altersteilzeit und der Bildungsteilzeit. Warum?

Bodner: Weil das bei uns weniger relevant war. Dazu gibt es bei VW bereits sehr gute Regelungen. Wir haben beispielsweise sehr viele verschiedene Freistellungsmöglichkeiten für Weiterbildungen ­­mit bis zu acht Jahre Rückkehrrecht. Dazu Modelle zur Weiterbildung neben der Arbeit, auf die Schichten angepasst und eine Studienförderung. Trotzdem wollen wir uns auch hier weiterentwickeln. Unser Tarifabschluss beinhaltet den „Zukunftsplan Gute Arbeit“. Dort haben wir verabredet, dass wir bis zum 30. Juni auch einen Zeitplan zum Punkt „innovativ ausbilden und qualifizieren“ entwickeln. Wir wollen dort unter anderem einen Sonderurlaub ins Gespräch bringen – fünf Tage im Jahr für Bildung.