Frauen organisieren zahlreiche Aktionen zum 8. März

Hand in Hand für den 8. März: Das Leitungsteam der IG Metall-Vertrauensfrauen hat ein großes Programm aufgestellt.
Frauenpower!
Nur gemeinsam stark!
Ina Stolzenburg.
02.03.2017 | Frauen

Schon gut 100 Jahre gibt es am 8. März den "Internationalen Frauentag". Mit Blick auf Deutschland und die Welt ist er derzeit aktueller denn je.

Auch in diesem Jahr organisieren die Frauen der IG Metall zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen zum "Internationalen Frauentag" am 8. März. Das ist seit vielen Jahren Tradition. Hier gibt es eine Übersicht zu Inhalten, Orten und Zeiten des Programms. Außerdem gibt es hier ein Interview zum Thema:

„Frauenpolitik ist kein Luxusthema in guten Zeiten“

Die Gleichberechtigung von Frauen ist eine alltägliche Aufgabe – und darf daher nicht nur an einem Tag im Jahr Thema sein. Ina Stolzenburg ist Mitglied der IG Metall-Vertrauenskörperleitung (VKL) für die Personengruppe Frauen. Ihr Team organisiert zum Internationalen Frauentag auch in diesem Jahr zahlreiche Aktionen. Im Interview berichtet Ina von den Zielen ihrer Arbeit.

Der 8. März steht seit mehr als 100 Jahren für den Kampf um mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft. Warum ist dieser Tag auch heute noch nötig?

„In politisch unruhigen Zeit ist es umso wichtiger, an diesem Tag weltweit an unsere Ziele zu erinnern. Denn wenn wir uns umschauen, müssen wir uns Sorgen machen um unsere Anliegen für mehr Gleichberechtigung, Frieden und Einhaltung der Menschenrechte. Wir müssen feststellen, dass sie an vielen Orten der Welt unter Druck stehen.“

Woran denkst Du da konkret?

„Der neue US-Präsident Donald Trump war noch nicht einmal eine Stunde im Amt, da waren die Themenseiten des Weißen Hauses zu Klimawandel, Gesundheitsvorsorge, Bürgerrechten und Rechten Homosexueller nicht mehr sichtbar. Das alles waren Anliegen, die seinem Vorgänger Barack Obama am Herzen lagen. Fast täglich hören wir von Handlungen oder Äußerungen des neuen US-Präsidenten, die uns Sorgen bereiten.“

Ist das nur ein Thema in den USA?

„Nein. Das russische Parlament hat Anfang des Jahres beschlossen, die Strafen für häusliche Gewalt zu lockern. Bislang galt häusliche Gewalt in Russland als Körperverletzung und wurde mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft. Unter bestimmten Umständen ist es jetzt nur noch ein Fehlverhalten und der Täter kommt mit einer Geldstrafe davon. Die konservative russische Abgeordnete Jelena Misulina, die das Gesetz initiiert hat, hält Schläge für ein adäquates Mittel zur Erziehung. Das entspräche der russischen Familientradition.
Massive Rückschritte gibt es auch in der Türkei. Dort hat Erdogans Regierungspartei AKP einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der vorsieht, dass Sexualstraftäter vom Gefängnis befreit werden, wenn sie ihr minderjähriges Opfer heiraten. Die Befürworter dieses Entwurfs sagen, das würde dem Schutz der Familie dienen.“


USA, Russland, Türkei – sind die Probleme dort nicht weit weg und unsere Einflussmöglichkeiten gering?

„Nur auf den ersten Blick. Entscheidend ist auch unser Verhalten hier und wie solidarisch wir uns zum Widerstand zeigen. Denn es ist ermutigend, dass es zum Beispiel durchaus offenen Widerspruch gegen einen US-Präsidenten gibt, der mit rassistischen und frauenfeindlichen Sprüchen an die Macht gekommen ist. So gab es am 21. Januar den „Women´s March“, also einen Marsch der Frauen, an dem sich weltweit rund fünf Millionen Menschen an über 670 Orten auf allen Kontinenten beteiligt haben. Bei der Demonstration in Washington sagte die US-Bürger- und Frauenrechtlerin Angela Davis: „Wir sind für unsere Geschicke verantwortlich. Die Geschichte kann man nicht einfach so ausradieren wie eine Internetseite.“ Wir lassen uns also nicht einfach so wegschieben. Wir treten nach wie vor für die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen an. Wir tun das auch dann, wenn es auf Widerstände stößt. Mehr noch: Wir tun das erst recht dann, wenn die Erfolge, die wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erzielt haben, wieder zurückgedreht werden sollen. Wir sagen ganz klar: Wir lassen uns das nicht nehmen! Wir wollen, dass unsere Rechte durchgesetzt werden! Da ist Geschlossenheit gefragt – Solidarität eben, egal ob in Wolfsburg oder Washington.“

Was steht denn in Sachen Frauenrechte hier in Deutschland besonders auf der Agenda?

„Dass Frauen die ersten Verlierer am Arbeitsmarkt sind, das passiert noch viel zu oft. Bei Veränderungen und Umstrukturierungen müssen wir die Frauen daher besonders im Fokus haben. Noch viel zu viele Hürden gibt es auch bei der Rückkehr aus Elternzeit oder beim Wechsel von Teilzeit in Vollzeit. Auch Themen wie die flexible Arbeitszeitgestaltung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf dürfen nicht zu Lasten der Kolleginnen gehen. Dabei geht es auch um Weitsicht: Frauenpolitik ist kein Luxusthema in guten Zeiten, denn gerade in Krisen beweisen Frauen immer wieder Weitsicht und Teamfähigkeit, von denen unsere Männer sich eine Scheibe abschneiden können. Aber auch fern von Krisen im Arbeitsalltag wären wir gut beraten, stärker auf den Erfolgsfaktor Frau zu setzen.“

Woran machst Du das fest?

„Wissenschaftlich ist der Grundsatz „Besser mit Frau(en)“ schon längst bewiesen. Etwa für die Arbeit in Teams. So hängt der Erfolg einer Gruppe erwiesenermaßen weniger stark am Intelligenzquotienten und an der Erfahrung der Mitglieder, sondern vielmehr an der Frage, ob auch Frauen dabei sind. Das gilt übrigens für alle Teams.“

Also auch für die Vorstandsetagen von Unternehmen?

„Das liegt nahe. Denn Studien zeigen: Dort wo Frauen in den obersten Etagen sitzen, läuft es wirtschaftlich einfach besser. Das ist ein Fakt und statistisch belegt. Ungeklärt ist allerdings bisher, wie groß der Anteil der weiblichen Kompetenz an diesem Phänomen ist. Eine Erklärung ist, dass Frauen für einen wirtschaftlichen Schub sorgen. Eine andere Erklärung wäre, dass in wirtschaftlich sowieso schon erfolgreichen Unternehmen einfach ein moderneres Klima herrscht, das Personalentscheidungen auch an der Managementspitze nicht vom Geschlecht abhängig macht. Sehr gut möglich, dass auch beide Erklärungen gleichermaßen richtig sind.“

Mal unabhängig vom 8. März: Welche Themen dürften Euch noch auf längere Sicht beschäftigen?

„Ich denke da etwa an Lohngerechtigkeit, Frauen in Führungspositionen, eigenständige Alterssicherung von Frauen, mehr Ganztags-Betreuungseinrichtungen für Kinder jeden Alters, kreative Ansätze für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder an ein Erziehungsgeld mit Lohnersatzfunktion. Es geht uns aber auch um familienfreundlichere und flexiblere Arbeitszeiten, um mehr Frauen in zukunftsorientierten Berufen und damit auch um eine Veränderung der traditionellen Geschlechterrollen. Und nicht zuletzt braucht es auch fortschrittliche Männer, die sich partnerschaftlich mit den Frauen die Familienarbeit teilen.“

P.S. Auch das jüngste Mitgliedermagazin der IG Metall Wolfsburg beleuchtet das Thema Frauentag. Und die metallzeitung widmet dem 8. März den Schwerpunkt ihrer aktuellen Ausgabe.