VW-Haustarif: Unternehmensseite spielt auf Zeit

Begrüßung zum Verhandlungsstart: Bernd Osterloh (links) und Martin Rosik beim Händeschütteln.
Reagierte enttäuscht auf das fehlende Angebot des Unternehmens: IG Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger.
11.12.2017

Es geht um 122.000 Menschen. Doch zum Auftakt der VW-Haustarifverhandlungen kam das Unternehmen mit leeren Händen.

In Hannover haben heute die Verhandlungen für den neuen Haustarif bei Volkswagen begonnen. Es geht um die Zukunft der tarifvertraglichen Regelungen für 122.000 Beschäftigte.

Die Forderungen der IG Metall liegen seit Wochen auf dem Tisch: 6 Prozent mehr Geld, eine tarifdynamische Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge durch Volkswagen, die Absicherung einer zukunftsfähigen Ausbildung und die Fortsetzung des Zukunftsplans "Gute Arbeit".

Das Unternehmen sah sich zum Start der Gespräche am Montag noch nicht in der Lage, in die eigentlichen Verhandlungen einzusteigen.

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh fand dazu klare Worte: "Volkswagen hat sich heute ernsthaften Gesprächen verweigert und ist stattdessen eine Hinhalte-Taktik gefahren. Das ist verantwortungslos vom Unternehmen und ein ganz schlechtes Signal an die Kolleginnen und Kollegen. Denn die Belegschaft hat mit harter Arbeit dafür gesorgt, dass es Volkswagen wieder besser geht. Darum sind unsere Forderungen auch nur fair und berechtigt. Und sie gehören endlich am Verhandlungstisch besprochen. Der Vorstand sollte sich jetzt genau überlegen, ob er diesen Kurs der Eskalation fortsetzt - oder vernünftig mit der Arbeitnehmerseite reden will. Wir sind dazu bereit."

IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger, Verhandlungsführer für das Haustarifgebiet der Volkswagen AG, reagierte ebenfalls mit Unverständnis: „Das Verhalten der Arbeitgeberseite ist enttäuschend. Dass Volkswagen sich trotz der Dieselproblematik so gut entwickelt, ist zum größten Teil der hervorragenden Mitarbeit der Beschäftigten zu verdanken. Das Unternehmen redet die eigene wirtschaftliche Entwicklung klein und verweist auf globale Risiken. Das haben die Beschäftigten nicht verdient! Es ist bedauerlich, dass das Unternehmen weder ein Angebot noch konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet hat."

Der Verhandlungsführer auf Unternehmensseite, Personalchef Martin Rosik, Leiter Personal der Marke Volkswagen, führte nach dem Ende der ersten Runde aus: "Wir haben die Forderung der IG Metall entgegengenommen, ihr unsere Position erläutert und ihr angeboten, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten." Rosik verwies auf eine angeblich angespannte Situation der Kernmarke. Die großen Herausforderungen der Zukunft rund um Elektromobilität und Digitalisierung forderten zur Zurückhaltung auf.

Osterloh hatte mit Blick auf den Verhandlungsauftakt gesagt: „Hinter den Kolleginnen und Kollegen liegen jetzt zwei Jahre Abgas-Skandal. Sie engagieren sich noch immer weit über das normale Maß hinaus. Dass die Kennziffern der Kernmarke Volkswagen wieder nach oben klettern, ist diesem starken Einsatz der Beschäftigten zu verdanken. Deshalb ist die Forderung nach 6 Prozent mehr Entgelt absolut gerechtfertigt. Richtig sind auch die weiteren Inhalte unseres Forderungspaketes: Volkswagen soll seinen Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge dauerhaft spürbar anheben, um den Kolleginnen und Kollegen ein anständiges Auskommen nach einem langen Arbeitsleben abzusichern. Außerdem muss die Zahl der Auszubildenden in den Zukunftsfeldern gestärkt werden, um die Herausforderungen des technischen Wandels bewältigen zu können.“

Die Haustarifverhandlungen laufen am 11. Januar weiter. Gröger mit Blick darauf: "Bis zum 11. Januar 2018 muss es deutliche Bewegung in Form eines verhandlungsfähigen Angebots geben.“ Am 31. Januar läuft der aktuelle Haustarifvertrag aus und es endet die Friedenspflicht.

Ausführlich hatte sich Osterloh am Montag auch in einem Zeitungsinterview mit der "Wolfsburger Allgemeinen" geäußert. Der Wortlaut findet sich hier.