Aktionskonferenz der IG Metall Niedersachsen

Die VKL war auch in Hannover dabei.
Bernd Osterloh bei der Diskussion.
25.09.2020

Auf einer Aktionskonferenz unter dem Motto „Zukunft sichern und gestalten“ in Hannover machten mehr als 300 Metallerinnen und Metaller aus ganz Niedersachsen und Sachsen-Anhalt deutlich: „Wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich.“ Mitglieder aus Tarifkommissionen, Vertrauenskörpern und Betriebsratsgremien debattierten mit dem Ersten Vorsitzenden der IG Metall, Jörg Hofmann und Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Thorsten Gröger, über die Zukunft ihrer IG Metall. „Ziel war es, sich mit Aktiven aus den verschiedenen Branchen darüber auszutauschen, wie es weiter geht: betrieblich, tariflich und politisch. Klar ist: Die Herausforderungen der IG Metall sind vielschichtig und unsere Ehrenamtlichen kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Nicht umsonst bedeutet das Erfolgsmodell der IG Metall: Solidarität macht uns gemeinsam stark“, erklärt Gröger.

Deutlich wird: Für die IG Metall gestaltet sich der rasante Wandel der Arbeitswelt als herausfordernd. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat keine Strategie, wie sie mit der sich verändernden Arbeitswelt umgehen wollen. Viele Berufsfelder verändern sich rasch. Und das oft alleine nur durch die Folgen der Digitalisierung. Weitere Effekte müssen mit einbezogen werden: Wie zum Beispiel die Transformation hin zu Elektromobilität oder der CO2-neutrale Umbau der Stahlindustrie. Hinzu kam die Corona-Krise, in der die Wirtschaft künstlich heruntergefahren werden musste, um die Pandemie einzudämmen.

Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, stellt heraus: „Gerade die letzten Monate haben gezeigt: In Krisenzeiten wie diesen ist die IG Metall gefragter denn je. Wir haben mit dafür gesorgt, dass Arbeitsplätze und Entgelte für die Beschäftigten gesichert blieben – trotz widriger Umstände. Diese Erfahrung gibt uns Rückenwind für die anstehenden Tarifrunden. Dabei muss es auch darum gehen, Antworten auf den Strukturwandel finden. Deshalb habe ich die Idee einer Vier-Tage-Woche als tarifliche Option ins Spiel gebracht. Denn Transformation darf nicht zu Kahlschlag, sondern muss zu guter Arbeit und Perspektiven für alle führen. Dazu gehört auch zwingend die Qualifizierung der Beschäftigten für die Arbeitswelt von morgen.“

Deutlich wird, die IG Metall will wieder an den großen Tariferfolg in 2018 anknüpfen. Hier hatte die Gewerkschaft für ein besseres Einkommen und mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit gekämpft. Durchgesetzt hatten das über 1,5 Millionen Metallerinnen und Metaller mit Warnstreiks und vielfältigen Aktionen. Und genau dieses Thema „Mehr Zeit zum Leben“ wird die IG Metall jetzt mit einer Vier-Tage-Woche wieder zum Dreh- und Angelpunkt in der Tarifauseinandersetzung machen.

„Wir werden mobilisieren“, so Bezirksleiter, Thorsten Gröger. Auch wenn die wirtschaftliche Lage in unserem Bezirk und die Beschäftigungssituation unserer Mitglieder höchst unterschiedlich ist. Es gibt Betriebe, die gut ausgelastet sind, in denen Beschäftigte Überstunden machen, um die vergangenen Monate aufzuholen. Viele Betriebe hingegen sind immer noch in der Kurzarbeit, die Aufträge bleiben aus und Arbeitslosigkeit droht. Die Lösung durch die Krise ist die Kurzarbeit. Wir brauchen aber auch Werkzeuge, um mittel- bis langfristig Unterauslastung im Strukturwandel ohne Massenentlassungen bewältigen zu können“, erläutert Gröger. Und genau an dieser Stelle greift die Idee der Vier-Tage-Woche von Jörg Hofmann. Wichtig ist Gröger in dieser ganzen Debatte: „Beschäftigte mit niedrigem Verdienst müssen es sich auch leisten können, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Deshalb werden die Arbeitgeber sich an der finanziellen Abfederung beteiligen müssen. Darüber, und natürlich auch über Entgelt, werden die Tarifkommissionen in den kommenden Wochen beraten.“