Arbeitnehmerseite wählt Mitglieder in den Aufsichtsrat der Volkswagen AG

(von links oben nach rechts unten): Jörg Hofmann, Daniela Cavallo, Conny Schönhardt, Matias Carnero, Peter Mosch, Dr. Arno Homburg, Daniela Nowak, Jens Rothe, Simone Mahler und Werner Weresch.
Für die Wahl: voll besetzter CongressPark
28.04.2022

Jörg Hofmann und Daniela Cavallo weiterhin an der Spitze

Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der Volkswagen AG hat am heutigen Donnerstag ihre Vertreterinnen und Vertreter für die künftige Besetzung des Kontrollgremiums gewählt.

Dazu erschien folgende Pressemitteilung:

Arbeitnehmerseite wählt Mitglieder in den Aufsichtsrat der Volkswagen AG

  • Über 900 Delegierte kommen in Präsenz zur Wahl in Wolfsburg zusammen
  • Jörg Hofmann und Daniela Cavallo führen die Arbeitnehmerseite weiterhin an
  • Gewerkschaft und Betriebsrat betonen klaren Kurs für Transformationsthemen
  • Neue Mandate greifen mit dem Ende der für Mitte Mai geplanten Hauptversammlung
  • 40 Prozent Frauenanteil bleibt auch künftig erhalten, gesetzliche Pflicht damit übererfüllt

Wolfsburg – Die Arbeitnehmerseite bei Volkswagen hat ihre zehn Mitglieder für den Aufsichtsrat des Konzerns gewählt. Bei der Wahl in Wolfsburg stimmten am Donnerstag mehr als 900 Delegierte aus rund 130 deutschen Betrieben des Konzerns mit eindeutiger Mehrheit für die Vertreterinnen und Vertreter aus dem Wahlvorschlag der Gewerkschaft IG Metall. Die zehn Gewählten – vier Frauen und sechs Männer – nehmen in dem Kontrollgremium von Europas größtem Mobilitätskonzern künftig die Interessen der Arbeitnehmerseite wahr. Dabei verteilen sich die zehn Sitze wie gewohnt auf drei Mandate der gewerkschaftlichen und sechs Mandate der betrieblichen Mitbestimmung – sowie auf einen Sitz für die Leitenden Angestellten. Die turnusmäßig alle fünf Jahre laufende Delegiertenwahl fand mit rund 1000 Beteiligten im CongressPark statt. Sie markiert das größte physische Treffen der Mitbestimmung bei Volkswagen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie vor gut zwei Jahren.

Hier das Wahlergebnis, das um 20.15 Uhr verkündet wurde:

Wie bereits bisher führen der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, sowie Volkswagens Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo die Arbeitnehmerbank an. Neben Hofmann zählen Conny Schönhardt (Unternehmensbeauftragte der IG Metall für Volkswagen) und Matias Carnero (Betriebsratsvorsitzender bei Seat in Martorell sowie Präsident der Gewerkschaft UGT Catalunya) zu den drei gewerkschaftlichen Aufsichtsratsmandaten. Neben Cavallo entfallen die fünf weiteren Sitze der Betriebsangehörigen auf Peter Mosch (Vorsitzender Gesamtbetriebsrat bei Audi), Werner Weresch (Vorsitzender Gesamt- und Konzernbetriebsrat bei Porsche), Daniela Nowak (Vorsitzende des Betriebsrates in Braunschweig), Jens Rothe (Vorsitzender Gesamtbetriebsrat bei der Volkswagen Sachsen GmbH) und Simone Mahler (Betriebsratsvorsitzende VW Financial Services). Außerdem wählten die Delegierten Dr. Arno Homburg als Vertreter der Leitenden Angestellten.

Neben der Liste der IG Metall hatte es für den Part der betrieblichen Mandate noch zwei weitere Wahlvorschläge gegeben. Sie erhielten aber gegenüber dem Wahlvorschlag der IG Metall nur in einem verschwindend geringen Maße Stimmen (2946 gegenüber 96 bzw. 27). Je nach Belegschaftsgröße des Standortes sind die Stimmen der zugehörigen Delegierten gewichtet. Die IG Metall hatte ihre Kandidatinnen und Kandidaten schon vor knapp einem Jahr im Mai 2021 aufgestellt.

Daniela Cavallo sagte: „Wir danken den Delegierten für ihr klares Votum, das uns den Rücken stärkt. Als Arbeitnehmerseite werden wir unsere Ansprüche weiter mit dem gewohnten Selbstbewusstsein vertreten: Die Transformation unseres Unternehmens muss fair ablaufen. Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung sind und bleiben gleichrangige Ziele. Wir wollen, gemeinsam mit Vorstand und Kapitalseite, das Beste für die Zukunftsfähigkeit und einen nachhaltigen Erfolg von Volkswagen. Dabei vertreten wir wie gewohnt alle Marken und Gesellschaften aus dem In- wie Ausland.“

Jörg Hofmann sagte: „Wir werden die Herausforderungen unserer Branche weiterhin zum Vorteil von Belegschaft und Unternehmen angehen. Das heutige Wahlergebnis bestätigt das eindeutige Mandat der IG Metall im Aufsichtsrat. Wir werden es nutzen, um den ökologischen Wandel in der Industrie auch entsprechend sozial gerecht abzusichern. Mögliche Konflikte mit Vorstand und Kapitalseite wollen wir auch künftig kooperativ bewältigen – aber bekanntermaßen wissen wir uns falls nötig auch gegen Widerstände durchzusetzen. Auch dafür steht das heutige Wahlergebnis.“

Die neuen Mandate entfalten ihre Wirkung mit Ablauf der Hauptversammlung (geplant für den 12. Mai). Neu im Aufsichtsrat werden sein: Simone Mahler, Daniela Nowak und Dr. Arno Homburg.

Simone Mahler (51) begann 1988 ihre Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der Volkswagen AG. Zwei Jahre später wechselte sie zu Volkswagen Financial Services (kurz VW FS) in Braunschweig. Dem berufsbegleitenden Fachabitur folgte, ebenfalls berufsbegleitend, der Abschluss zur staatlich geprüften Betriebswirtin. Dem Gemeinsamen Betriebsrat der VW FS AG und VW Bank GmbH gehört Mahler seit 25 Jahren an, seit 2019 leitet sie das aktuell 33-köpfige Gremium. Mahler ist unter anderem Mitglied im Aufsichtsrat der VW FS AG, im Beirat der VW FS Digital Solutions GmbH sowie Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission der Volkswagen AG.

Daniela Nowak (51) kennt das Komponentenwerk Braunschweig mit seinen mehr als 8000 Beschäftigten, seit sie dort als 16-Jährige ihre Ausbildung zur Werkzeugmacherin begann. Seit 28 Jahren ist Nowak Mitglied des Betriebsrates, unter anderem als Expertin für Arbeitszeitthemen und Personalbemessung. Im Mai 2021 hatte sie die Funktion des Vorsitzes von ihrem Vorgänger Uwe Fritsch übernommen. Nowak ist Mitglied im sogenannten Make-or-Buy-Komitee – ein Gremium, in dem der Konzern über Fremd- oder Eigenfertigung entscheidet. Für die Leitenden Angestellten folgt Dr.-Ing. Arno Homburg auf Dr. Hans-Peter Fischer, der dem Kontrollgremium seit 2013 angehört.

Der promovierte Jurist Fischer (62) hatte nach Stationen bei der Hannover Rückversicherung 1991 bei Volkswagen in der Rechtsabteilung begonnen, wo er 2002 Prokura erhielt. Von 2005 bis 2012 war er zudem Teamleiter für Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht bei Volkswagen – in jener Zeit spielte sich der Versuch der Übernahme des VW-Konzerns durch Porsche ab. Fischer wurde 2013 zum Vorsitzenden der Volkswagen Management Association (VMA) gewählt – das ist die Interessenvertretung der Führungskräfte des Konzerns. In dieser Funktion gibt Fischer den VMA-Vorsitz nun zum Mai an Nachfolger Homburg ab. Homburg, Jahrgang 1968, leitete zuletzt die zentrale Pilothalle der Kernmarke in Wolfsburg, wo Fahrzeugprojekte den entscheidenden Weg zur Serienreife nehmen. Homburg studierte Maschinenbau an der TU Braunschweig und promovierte bei VW zum Thema direkteinspritzende Otto-Motoren. Er war unter anderem verantwortlich für Konzern-Motorsport, die Gesamtfahrzeugentwicklung bei Bentley, das Luxuslimousinen-Projekt Phaeton und den Bereich Technische Konformität bei der Audi AG.

Das Kontrollgremium verlassen neben Fischer mit der Hauptversammlung auch Bertina Murkovic (VW Nutzfahrzeuge) und Ulrike Jakob (VW Kassel). Beide kamen 2017 bei der damaligen Wahl in den Aufsichtsrat. Murkovic (64) und Jakob (61) gehören den Betriebsräten bei VWN in Hannover beziehungsweise der Komponente in Kassel seit der jüngsten Wahl, wie geplant, nicht mehr an.

Cavallo sagte: „Ich möchte mich im Namen der Arbeitnehmerseite bei allen unseren bisherigen und auch künftigen Aufsichtsratsmitgliedern bedanken. Mit der Arbeit in dem Kontrollgremium sind viel Einsatz und eine große Verantwortung verbunden, die wir gemeinsam für die Belegschaft schultern.“

Mit der Delegiertenwahl im CongressPark endet für die Arbeitnehmerseite ein Superwahljahr. Dieses Frühjahr waren die Wahl für die Vertreterinnen und Vertreter im Aufsichtsrat mit den Wahlen für die Betriebsräte an den Standorten zusammengefallen. Das passiert nur alle 20 Jahre, weil der Betriebsrat für vier und die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat für fünf Jahre gewählt wird.

Im Aufsichtsrat der Volkswagen AG gibt es insgesamt 20 Sitze. Die Arbeitnehmerseite stellt die Hälfte, die anderen zehn Sitze entfallen auf die Anteilseigner. Die Grundlage für die Aufteilung in drei gewerkschaftliche Mandate, sechs Betriebsangehörige und einen Platz für die Leitenden Angestellten sind das Aktien- und das Mitbestimmungsgesetz. In Deutschland gilt seit 2016 für die Aufsichtsräte börsennotierter, paritätisch mitbestimmter Unternehmen wie Volkswagen eine verbindliche Geschlechterquote in Höhe von 30 Prozent. Bei Volkswagen erfüllen beide Bänke die Quote getrennt voneinander. Mit 40 Prozent übererfüllt die Arbeitnehmerseite diese Vorgabe, was auch mit der Neuwahl vom Donnerstag Bestand haben wird.