Auch Berechtigte in Teilzeit können künftig Geld in freie Tage wandeln

Susanne Preuk
Guido Mehlhop
04.07.2019

VW-Betriebsrat setzt Anspruch ab 2020 durch – Pflege wird für erweiterten Kreis möglich.

Mehr freie Tage statt mehr Geld: Zehntausende Kolleginnen und Kollegen in der Volkswagen AG haben sich dieses Jahr bereits dafür entschieden, die neue Tarifliche Zusatzvergütung („T-ZUV“) in sechs zusätzliche freie Tage umzuwandeln. Machen dürfen das besonders belastete Gruppen: nämlich Eltern kleiner Kinder, Pflegende und Beschäftigte in Schichtarbeit. Bisher war dabei allerdings Arbeit in Teilzeit für viele ein Ausschlusskriterium. Ab kommendem Jahr ist das vorbei.

Rückblick: Teilzeitler, die vor Januar 2019 in Teilzeit waren, blieben bisher ausgeschlossen. Wer erst ab 1. Januar 2019 in Teilzeit wechselte, wurde hingegen berücksichtigt. Nun haben sich Betriebsrat und Unternehmen darauf geeinigt, dass ab 2020 alle Kolleginnen und Kollegen in Teilzeit die Wahloption für freie Tage ziehen können – und zwar egal, seit wann sie in Teilzeit arbeiten. Voraussetzung ist natürlich auch hier, dass die Beschäftigten zu den Gruppen der Berechtigten zählen – also kleine Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder regelmäßig in Schicht arbeiten.

Und noch eine wichtige Änderung hat der Betriebsrat durchgesetzt: Der Kreis der Personen, für deren Pflege die Wahloption auf zusätzliche freie Tage greift, wird ab 2020 um die eigenen Geschwister und Großeltern erweitert. Wie sonst auch muss hier mindestens der sogenannte Pflegegrad 1 nachgewiesen werden.

Die Vorsitzende des Ausschusses für Gleichstellung, Chancengleichheit und Vereinbarkeit, Susanne Preuk, sagt: "Hier ist uns ein wichtiger Schritt gelungen: Die Option auf zusätzliche freie Tage gerade auch für belastete Kolleginnen und Kollegen in Teilzeit ist ein weiterer zentraler Baustein für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Denn besonders Erziehung, Pflege und die Herausforderungen familienunfreundlicher Arbeitszeiten in Schicht sollten Handlungsfelder für uns sein. Dabei steht es Volkswagen als Arbeitgeber gut zu Gesicht, sich hier auch gegenüber den Teilzeitbeschäftigten flexibler zu zeigen. Denn dass der Wunsch nach flexiblen Wahlmöglichkeiten zwischen Entgelt und Freizeit enorm groß ist, hat unsere Belegschaftsumfrage schon längst gezeigt."

Der für Tariffragen zuständige Betriebsratskoordinator Guido Mehlhop sagt: "Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen klar, dass die Wahloption enorm beliebt ist. Deutlich über 30.000 besonders belastete Kolleginnen und Kollegen haben sich bereits im ersten Jahr dafür entschieden, die Tarifliche Zusatzvergütung in freie Tage umzuwandeln. Ab nächstem Jahr gilt diese Möglichkeit dann endlich auch für Beschäftigte in Teilzeit, falls sie die Berechtigungskriterien erfüllen.“ Mehlhop blickt auf schwierige Verhandlungen mit dem Management. „Es gab lange zähen Widerstand. Aber wir haben das Argument nicht gelten lassen, wonach Teilzeitbeschäftigte angeblich allein wegen ihrer geringeren Arbeitszeit schon genug entlastet sind. Die neue Regelung ist fairer."

Alle Details zu der Neuerung stehen auf der Titelseite der aktuellen Betriebsrats-Zeitung MITBESTIMMEN! (intern im Werk erhältlich). Die vollen zusätzlichen sechs freien Tage stehen nur Berechtigten mit fünf Arbeitstagen pro Woche zu. Für Teilzeitbeschäftigte gibt es eine faire Formel zur Umrechnung, mit der Bruchteile von Freistellungstagen entstehen können. Die werden nicht gerundet. So ergibt sich eine stundenweise Freistellung ("Abbummeln") oder der Dezimalwert wird zusammen mit anderen Arbeitszeitguthaben als ganze Tage entnommen. Sollte dabei zum Jahresende etwas übrig bleiben, wird es als Tarifliche Zusatzvergütung ausbezahlt. Über die Details zu den Anträgen auf Wahloption für 2020 informieren Betriebsrat und Unternehmen rechtzeitig.