Betriebsrat fordert: Trinity-Produktion muss ins oder ans Stammwerk!

16.02.2022

Daniela: Nur als Cluster stärken Campus Sandkamp und Trinity die Transformation des Stammwerks

Trinity-Fabrik, Transformation, Halbleiter-Krise, Nachtschichten, Tarifbonus und Belegschaftsbefragung: Daniela Cavallo hat sich bei der ersten Betriebsversammlung des Jahres zu zentralen Fragen der Zukunft am Standort Wolfsburg geäußert. Dazu ist folgende Pressemitteilung erschienen. Danielas Rede selber ist am Fuße dieses Artikels als PDF verlinkt.

VW-Betriebsrat: Trinity-Fabrik muss direkt nach Wolfsburg und „auf dem Werksgelände oder in direkter Nähe zum Werk“ entstehen


• Cavallo: Nur als Cluster stärken Campus Sandkamp und Trinity die Transformation des Stammwerks
• Halbleiter-Mangel belastet weiter – Werk Wolfsburg verlor deswegen 330.000 Fahrzeuge in 2021
• Betriebsratsvorsitzende bekräftigt Forderung nach Teilausgleich für entfallende Schichtzuschläge
• Gespräche zum Tarifbonus laufen weiter, Cavallo fordert zur Verhandlung für neue Rechenbasis auf
• Erste Ergebnisse der Belegschaftsbefragung präsentiert: Riesenrückhalt für Rolle des Betriebsrats

Wolfsburg – In der Standortfrage für die geplante Trinity-Fabrik bei Volkswagen hat sich der Betriebsrat klar positioniert. „Wir kämpfen für die Trinity-Produktion direkt hier in Wolfsburg, das heißt entweder auf dem Werksgelände oder in direkter Nähe zum Stammwerk“, sagte die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo am Mittwoch bei der Betriebsversammlung in der Konzernzentrale. Cavallo sprach von einer klaren Favoritenrolle, die ein Standort im oder am Werk einnehme. Nur ein zusammenhängendes Cluster am Mittellandkanal bringe die Aspekte Kosten, Produktionseffizienz und Transformationsdruck am Standort Wolfsburg in Einklang. Der Anspruch Wolfsburgs als Leitwerk im Konzern stehe und falle mit einer engen Verzahnung der künftigen Produktentwicklungs-Herzkammer „Campus Sandkamp“, den Synergien des bestehenden Stammwerkes und einer direkt damit verbundenen Trinity-Fabrik. Nur so entstehe nämlich eine Lösung aus einem Guss, die Cavallo wörtlich als „die beste Entscheidung für das Unternehmen“ bezeichnete. Zum finalen Auswahlprozess sagte sie: „Wir werden uns weiterhin dafür starkmachen, dass unsere Argumente im Marken- wie Konzernvorstand und letzten Endes auch im Aufsichtsrat überzeugen.“ Das Kontrollgremium hatte in der Planungsrunde Ende vergangenen Jahres die Grundsatzentscheidung für eine Trinity-Fabrik in der VW-Heimat getroffen, die genaue Festlegung des Standorts ist aber noch nicht final entschieden. Damit zu rechnen ist noch im ersten Quartal.

Mit Blick auf die anhaltende Halbleiter-Krise betonte die Betriebsratsvorsitzende die Bedeutung der Beschäftigungssicherung bis 2029: „Sie bewahrt uns gerade davor, dass der Vorstand mit uns über ganz andere Maßnahmen spricht.“ Angesichts der Pläne von Unternehmensseite, die Nachtschichten an drei der vier Montagelinien zu streichen, nahm Cavallo die Vorstandsriege in die Pflicht und bekräftigte ihre Forderung, entfallende Schichtzuschläge finanziell abzufedern: „Sie, sehr geehrte Konzernvorstände, wissen genau, dass nicht nur die Marke Volkswagen besonders stark vom Halbleiter-Mangel betroffen ist, sondern vor allem auch unser Standort Wolfsburg und damit unsere Beschäftigten hier. Das sind Ihre Entscheidungen gewesen, das ist Ihre Verantwortung. Und deswegen sind Sie den Kolleginnen und Kollegen einen Ausgleich schuldig.“

Cavallo rechnete mit Verweis auf Unternehmensangaben vor, dass das Stammwerk im vergangenen Jahr wegen fehlender Halbleiter 330.000 Fahrzeuge verloren hat. Insgesamt kam das Werk 2021 nur auf knapp 400.000 Fahrzeuge, ein historischer Tiefstwert. Ein Großteil der fehlenden Halbleiter traf wegen spezifischer Plattformteile nur die Golffamilie und teils auch den Tiguan – Wolfsburg litt also besonders. Und, ganz wichtig: An andere Konzernmarken abgetretene, weil austauschbare Halbleiter bedeuten nicht immer zwangsläufig, genau deswegen das dazugehörige Fahrzeug verloren zu haben. Oft fehlten nämlich mehrere Halbleiter pro Fahrzeug, modellspezifische wie auch -unspezifische.

Auch angesichts der großen Solidarität der Kernmarke VW Pkw, viele Halbleiter zum Wohl des Konzerns an andere Marken abzutreten, bekräftigte Cavallo ihre Forderung nach einem Tarifbonus für die VW-Beschäftigten. Der müsse her – trotz der bekanntlich schwierigen Ertragslage. An diesem Anspruch ändere auch die bald fließende Corona-Beihilfe in Höhe von 500 Euro nichts. „Der Corona-Bonus hat nichts mit der Ergebnisbeteiligung zu tun. Natürlich kämpfen wir auch an dieser Stelle dafür, dass berücksichtigt wird, dass Ihr als Beschäftigte nichts für die Halbleiter-Situation könnt. Das habe ich bei der Belegschaftsinformation im November gesagt und das gilt weiterhin“, unterstrich Cavallo. Die Verhandlungen zum Tarifbonus liefen weiter, spätestens im März muss ein Ergebnis stehen.

Vor dem aktuellen Hintergrund sprach sich die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende auch für Verhandlungen aus, um die Grundlagen der Ergebnisbeteiligung grundsätzlich zu überarbeiten. Sie sagte in ihrer Rede: „Das Bonussystem muss auch insgesamt hinterfragt werden. Die aktuelle Regelung ist offensichtlich nicht mehr zeitgemäß. Ich erwarte deshalb vom Vorstand, dass er mit der IG Metall als Tarifvertragspartei die Gespräche aufnimmt: Lassen Sie uns gemeinsam eine faire Lösung finden, alle Beschäftigten am Erfolg von Volkswagen zu beteiligen. Die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig das ist.“

Bei der Betriebsversammlung gab es auch einen ersten Blick auf Ergebnisse der Belegschaftsbefragung, die der Gesamtbetriebsrat Ende 2021 gestartet hatte. Rund 33.000 Beschäftigte aus allen inländischen VW-Standorten hatten bis kurz vor dem Jahreswechsel an dieser Umfrage teilgenommen.

Demnach gibt es in der VW-Belegschaft einen enormen Zuspruch für die gestalterischen Erfolge der Arbeitnehmervertretung: 91 Prozent der Teilnehmenden halten den Betriebsrat „für eine wichtige Kraft, die Positives für das gesamte Unternehmen leistet“. 52 Prozent stimmen dabei „voll und ganz zu“, 39 Prozent „überwiegend“. Gänzlich anderer Meinung ist lediglich 1 Prozent (7 Prozent „stimmen weniger zu“). Der Gesamtbetriebsrat wird Details aus der Umfrage in den kommenden Wochen veröffentlichen.

Die Betriebsversammlung lief wegen der Pandemie diesmal rein digital. Daniela Cavallo sprach dabei aus dem Markenhochhaus per Live-Übertragung. Den Bericht des Unternehmens gab der Vorsitzende des Konzernvorstands Dr. Herbert Diess. Eine zeitlich befristete gesetzliche Ausnahmeregelung ermöglichte die digitale Übertragung der Versammlung. Die Wolfsburger Beschäftigten folgten den Reden online über das nur für die Belegschaft einsehbare 360° Volkswagen Net oder an Übertragungsstationen im Werk.

Hier geht es zu Danielas Rede.