BR-Spitzen von VW, BMW und Daimler fordern sachliche Debatte um Klimaziele

12.09.2019

Branchenkritiker wie "Sand im Getriebe" wollen den Fahrzeugbestand auf ein Zehntel schrumpfen - oder gleich ganz alle Autos abschaffen. Die Betriebsratsvorsitzenden der drei großen deutschen Automobilhersteller haben sich jetzt im "Handelsblatt" für eine Versachlichung der Diskussion starkgemacht.

Volkswagens Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh teilte der Zeitung mit:

„In der öffentlichen Diskussion bekommt man im Moment den Eindruck, das Auto sei nichts als ein einziges Risiko. In der Gefahrenskala liegt es irgendwo zwischen Ebola und nordkoreanischen Raketen. Manche sehen das Auto offenbar nur noch als eine überholte Technik von Leuten, die in der Vergangenheit leben.

Ich frage mich dann, wann diese Kritiker des Automobils zuletzt Neubaugebiete besucht haben: Bezahlbare Häuser und Wohnungen am Rand unserer Städte, und jede junge Familie dort hat ein Auto: damit man schnell zum Kinderarzt fahren kann, damit der Wochenendeinkauf nach Hause kommt, damit der spontane Besuch bei kranken Freunden und Verwandten möglich bleibt. Oder haben sich unsere Kritiker schon einmal mit dem Leben älterer Bürgerinnen und Bürger befasst: Senioren, die trotzdem noch in ihrem vor 50 Jahren gebauten Haus bleiben können, weil sie mit Hilfe des Autos ihr Leben weiterführen können. Oder wann waren unsere Kritiker zuletzt auf Campingplätzen an der Ostsee oder am Steinhuder Meer: voller Familien, die ihren Wohnwagen mit dem Auto an ein bezahlbares, aber trotzdem schönes Urlaubsziel gezogen haben.

Oder kennen unsere Kritiker vielleicht den Maurer aus Ostfriesland oder die Altenpflegerin aus dem Wendland, die wenig Geld verdienen und mit ihrem alten Golf jeden Morgen zur Arbeit kommen oder auch mal zur Nachtschicht?

Das Auto muss sich bewegen, das meine ich wörtlich, aber auch im übertragenen Sinn: Ja, unser Produkt muss CO2-frei werden, wir müssen unsere Autos noch sicherer machen, und wir können auch über die beste Raumnutzung unserer Gemeinden reden. Wer aber – wie unsere Kritiker es wollen – das Auto per Vorschriften und Gesetzen abschaffen will, nimmt uns Bürgerinnen und Bürgern einen Teil des guten Lebens. Sie wollen eine Einheitsgesellschaft, in der wir mündige Bürgerinnen und Bürger zum Beförderungsfall abgestuft werden. Das möchte ich nicht erleben.

Fakt ist doch das hier: Volkswagen meint es ernst mit der Elektromobilität und den Klimazielen. Mit unserem jetzt auf der IAA präsentierten ID.3 liefern wir. Wir investieren Dutzende Milliarden in die neue Antriebsform, holen eine eigene Zellfabrik in die VW-Heimat und bauen mit Zwickau, Emden und Hannover hierzulande ganze Werke um für E-Mobilität. Zehntausende Kolleginnen und Kollegen ziehen dabei entschlossen mit. Eine Verbotsdebatte, die an den Fakten vorbeigeht, können wir nicht gebrauchen. Wichtiger ist stattdessen konkrete Unterstützung aus der Politik.“

Der Artikel aus dem Handelsblatt ist online hier erhältlich (zeitweise hinter der Bezahlschranke). Darin äußern sich auch Manfred Schoch (BMW) und Michael Brecht (Daimler).