BV im Stammwerk: Roadmap, Details zur Altersteilzeit - und eine Foto-Botschaft

35 Stunden - jetzt erst recht, auch im Osten!
19.06.2019

Zur Betriebsversammlung gab es neben Lob für die Mannschaft und Details zur ATZ auch eine besondere Solidaritäts-Aktion.

Auf der Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg haben Volkswages Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh sowie Arbeitsdirektor Gunnar Kilian der Belegschaft für deren Einsatz in den zurückliegenden Monaten und Jahren gedankt. Außerdem gab es eine besondere Solidaritäts-Aktion per Fotogruß - nämlich für faire Arbeitszeiten bei den Kolleginnen und Kollegen im Osten.

Osterloh betonte: „Die Transformation unseres Unternehmens kann nur gelingen, wenn wir die ganze Mannschaft mitnehmen und ihnen Sicherheit geben. Mit der jetzt vereinbarten Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2029 — also für die kommenden zehn Jahre — muss sich niemand Sorgen machen, seine Arbeit bei Volkswagen zu verlieren.“

Kilian sagte vor mehr als 10.000 Beschäftigten: „Volkswagen steht heute mehr denn je für Aufbruch, Zukunft, Tatkraft. Mit dem Zukunftspakt haben wir Volkswagen auch wirtschaftlich deutlich voran gebracht. Wir haben erstklassige Fahrzeuge im Programm. Im Herbst feiern der ID.3 und der Golf 8 Weltpremiere. Kein anderer Hersteller treibt die Elektromobilität so voran wie Volkswagen. Und zugleich richten wir uns auch mit der Digitalisierung konsequent auf die Zukunft aus. Das alles ist nur möglich, weil die Volkswagen Mannschaft eine Topleistung bringt, weil sie den Kurs mitträgt und den wirtschaftlichen Erfolg mit absichert. Dafür dankt Ihnen der gesamte Vorstand.“

Osterloh sagte: „Wir bringen das bewährte Instrument der Altersteilzeit jetzt in die nächste Stufe: Nach dem Werksurlaub können alle Kolleginnen und Kollegen des Jahrgangs 1962, die einen Altersteilzeitvertrag mit einer sechsjährigen Laufzeit abschließen wollen — verbunden mit einem Renteneintritt mit 63 Jahren — auf ihre Personalreferenten zugehen. Dann werden die Verträge geschlossen. Für alle Kolleginnen und Kollegen, die kürzere Laufzeiten wollen, reicht dann auch ein Vertragsgespräch in 2020. Das ist für die Beschäftigten eine gute Nachricht.“

Für die Fotoaktion reckten Hunderte Kolleginnen und Kollegen in Halle 11 Plakate in die Höhe. Hintergrund: Vor 35 Jahren erkämpfte die IG Metall in der westdeutschen Metallindustrie zusammen mit den Belegschaften die - schrittweise erfolgte - Verkürzung der Arbeitszeit von 40 auf letztendlich 35 Stunden. Der Arbeitskampf mit Streik und Aussperrung dauerte fast sieben Wochen. In den neuen Bundesländern fehlt diese Regelung heute noch immer. Und Volkswagen produziert auch in Sachsen.

Bernd Osterloh erläutert dazu: "Dass wir als VW-Belegschaften solidarisch zusammenstehen, ist wichtig: Ich spreche von den Beschäftigten der Metallindustrie in Ostdeutschland, die im Moment um die Einführung der 35-Stunden-Woche ringen. Dazu gehören auch unsere Kolleginnen und Kollegen der VW-Sachsen mit den Standorten Zwickau, Chemnitz und Dresden. Die IG Metall fordert eine stufenweise Verkürzung von 38 auf 35 Stunden in der Woche bis zum Jahr 2030. In Westdeutschland gilt die 35-Stunden-Woche übrigens seit 1995, also seit 24 Jahren. Jetzt wird es endlich Zeit für Gerechtigkeit für die Kolleginnen und Kollegen im Osten."

Osterloh weiter: "Die IG Metall ist den Arbeitgebern in den Verhandlungen übrigens deutlich entgegengekommen. Die Arbeitgeber haben umgekehrt keine brauchbaren Vorschläge vorgelegt. Ihre Vorstellungen beschränken sich auf die Deregulierung der Arbeitszeit sowie die komplette Verlagerung auf freiwillige Regelungen im Betrieb. Ich bitte euch darum, dass wir heute ein Zeichen der Solidarität insbesondere an unsere Freundinnen und Freunde in den drei VW-Werken in Sachsen schicken.“

 

Kilian zog vor den Beschäftigten eine positive Zwischenbilanz: „Tiguan, T-Roc und T-Cross begeistern unsere Kunden, dasselbe gilt für den Touareg. Der neue Passat wird derzeit vorgestellt und kommt sehr gut an. Und für unseren ID.3 liegen bereits mehr als 21.000 Pre-Bookings vor. Zugleich treiben wir im Konzern einen gewaltigen Strukturwandel voran. Wir bekennen uns zum Pariser Klimaabkommen und haben uns auf den Weg zu CO2-Neutralität gemacht. Schon 2022 hat der Konzern weltweit E-Standorte, allein drei entstehen bei der Marke Volkswagen in Deutschland: Zwickau, Emden und Hannover.“ Weiter nannte Kilian die rund 900 Millionen Euro, die der Konzern in gemeinsame Batterieaktivitäten mit der Northvolt AB investiert, den erfolgten Aufbau des Centers of Excellence in Salzgitter und die Batteriefertigung in Braunschweig.

„So viel Veränderung gab es bei Volkswagen noch nie“, sagte Kilian. „Zugleich setzen wir weiter konsequent den Zukunftspakt von 2016 um: Wo Aufgaben entfallen sind, wurden schon mehr als 6.200 Stellen sozialverträglich abgebaut, mehr als 9.000 Beschäftigte haben Altersteilzeitverträge unterzeichnet, und im Gegenzug haben wir 3.200 Zukunftsarbeitsplätze geschaffen, die wir für alle diese Veränderungen auch dringend brauchen.

„Wir treiben den Kulturwandel, die Modernisierung und die Digitalisierung des Unternehmens voran“, sagte Kilian. „Wir machen Arbeit bei Volkswagen noch attraktiver, wir werden schneller, effizienter, wettbewerbsfähiger. In der ‚Roadmap Digitale Transformation‘ haben wir gemeinsam mit dem Betriebsrat die Eckpunkte festgelegt.“ Diese umfassen bis zu vier Milliarden Euro für Digitalisierungsprojekte vorrangig in der Verwaltung, mindestens 2.000 neue Arbeitsplätze mit Bezug auf Digitalisierung, Abbau von bis zu 4.000 Stellen, wo Aufgaben entfallen, und Erhöhung des Qualifizierungsbudgets auf 160 Millionen Euro. Die Transformation gelinge nur mit topqualifizierten Beschäftigten, so Kilian: „Begeistern Sie sich für neue Aufgaben und Arbeitsweisen! Digitalisierung bringt Entlastung von Unnötigem, vereinfacht Abläufe, verbessert die Zusammenarbeit und macht uns noch erfolgreicher.“

Osterloh hob hervor: „Die Digitaliserung geht uns alle an. Den Abbau von konkreten Arbeitsplätzen wird es allerdings nur geben, wenn das Management nachweist, dass über Digitalisierung, Effizienzsteigerung und Prozessoptimierungen tatsächlich Aufgaben entfallen. Zur Erreichung von Produktivitätszielen gehört dabei auch eine vernünftige Auslastung unserer Standorte. Und hier in Wolfsburg spreche ich damit in jedem Fall von 840.000 Fahrzeugen.“