Daniela im großen MITBESTIMMEN!-Interview vor dem WU

22.07.2021

Pünktlich vor dem Werksurlaub meldet sich die neue Vorsitzende noch einmal in der BR-Zeitung zu Wort.

Der Wortlaut des Gespräches ist hier wiedergegeben:

Daniela Cavallo wurde im April als neue Betriebsratsvorsitzende gewählt. Es folgten die Wahlen zur Gesamt- und zur Konzernbetriebsratsvorsitzenden sowie zur Präsidentin des Europäischen und Weltkonzernbetriebsrates von Volkswagen. Alle Entscheidungen für sie und ihren Stellvertreter Guido Mehlhop fielen einstimmig. Daniela folgt auf Bernd Osterloh, der seine Posten niedergelegt hat und nun Personalvorstand der Traton SE ist. Im großen MITBESTIMMEN!-Interview spricht Daniela über die ersten Monate in neuer Funktion, blickt nach vorn und gewährt auch einige persönliche Einblicke. 

Daniela, wie lautet Deine 100-Tage-Bilanz nach den ersten drei Monaten als Betriebsratsvorsitzende?

Ich bin dankbar für die breite Unterstützung und den großen Rückhalt. Es freut mich sehr, dass ich bei meinen Wahlen in allen unseren Gremien 100 Prozent Zustimmung erhalten habe. Aber das ist jetzt die Sicht aus unseren Betriebsratsstrukturen. Vor allem freut es mich, dass ich auch aus der Belegschaft so viele positive Rückmeldungen bekomme. Darunter sind auch viele Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich noch nicht zu tun hatte und die mich beglückwünschen. Das ist ein tolles Echo, das guttut. Viele Rückmeldungen an mich sind sehr persönlich. Mich freut das riesig. Die Reaktionen zeigen außerdem, dass die Erwartungen an die Mitbestimmung nach wie vor groß sind. Und das ist auch richtig und gut so. Wir haben schließlich gemeinsam noch viel vor. An was denkst Du da konkret? An sichere Beschäftigung und Qualifizierung, damit unsere Belegschaft auch in Zukunft die besten Autos entwickelt, baut und vertreibt und weiterhin alles leistet, was noch so dazugehört. Aber ganz aktuell denke ich auch an millionenschwere Investitionen für unsere Kolleginnen und Kollegen. Das musst Du bitte näher erklären. Das Unternehmen hat vor kurzem seine Strategie 2030 vorgelegt. Das ist auch unsere Strategie. Denn wir unterstützen den Kurs und die Ziele darin, die wichtig sind, um unseren Konzern für die Zukunft zu rüsten. Software und Digitalisierung werden unsere Produkte und die Arbeit dafür stark verändern. Aber genauso werden wir ein Unternehmen bleiben, in dem bestens qualifizierte Beschäftigte, zum Beispiel Facharbeiterinnen und Facharbeiter, und unsere Ingenieurskompetenzen den Unterschied zum Wettbewerb ausmachen. Das alles ist in der Strategie überzeugend angelegt. Und es wird an den Standorten sichtbar werden.

Wie genau?

Bei einer solchen Strategie geht es nicht nur um die Ziele, sondern auch um den Weg dorthin. Dabei haben wir uns entscheidend eingebracht und den Plänen unseren Stempel mit aufgedrückt – gemeinsam mit der Unternehmensseite. Bei der Transformation ist die Perspektive der Belegschaft maßgeblich berücksichtigt. Qualifizierung und Beschäftigungssicherung sind ein Markenkern der neuen Strategie. Ebenso enorme Investitionen in die Zukunft unserer Standorte: 125 Millionen Euro fließen in den nächsten fünf Jahren über einen neuen Modernisierungstopf in Verbesserungen unserer Arbeits-umgebung in den VW-Werken: für neue Teamräume, sanierte Waschkauen und agile Büroflächen. Das ist zusätzliches Geld, das es in den Planungen bisher nicht gab. Damit lässt sich richtig was gestalten. Mit rund 800 Millionen Euro entsteht hier in Wolfsburg der neue Campus Sandkamp für unsere TE. Das ist finanziell eine Größenordnung, mit der wir ansonsten eine komplett neue Fahrzeugfabrik hochziehen. Der TE-Campus wird also ein richtig großer Wurf. Zusammen mit unserem 200 Millionen Euro Qualifizierungsbudget, das die Beschäftigten für neue Aufgaben fit macht, reden wir hier von mehr als einer Milliarde Euro. Das ist Geld, was ausschließlich in die Kompetenzen und die Arbeitsumgebung der Beschäftigten fließt.

Im Zuge dieser Strategie hat Herbert Diess auch einen neuen Vertrag erhalten. Wie siehst Du das?

Um das zunächst klar zu sagen: Herr Dr. Diess musste sich erst an die Mitbestimmung gewöhnen. Aber ich wäre eine schlechte Betriebsratsvorsitzende, wenn ich damit nicht umzugehen wüsste. Fest steht auch: Die erfolgreiche strategische Ausrichtung des Unternehmens trägt maßgeblich die Handschrift von Herbert Diess. Es ist also nur konsequent, dass er diesen Kurs, den wir als Arbeitnehmervertreter voll unterstützen, als CEO nun auch fortsetzt. Und was die Zusammenarbeit angeht: Bei unterschiedlichen Auffassungen wird sich Herr Dr. Diess auch von mir Kritik gefallen lassen müssen.

Wie passiert das?

Mindestens genauso konsequent wie bei meinem Vorgänger. Aber im Stil sicherlich anders. Eigentlich ist das ganz einfach: Wo es nötig ist, kriegt Herr Dr. Diess unsere Unterstützung, und wo es nötig ist, zeigen wir ihm die Grenzen auf. Welcher Fall gerade vorliegt, das mache ich – zusammen mit unseren Gremien – an der jeweiligen Sache fest. Das gilt übrigens für den gesamten Vorstand so und nicht nur für Herrn Dr. Diess. Aktuell haben wir eine verlässliche Basis der Zusammenarbeit. In der kommenden Planungsrunde können wir gleich mal zeigen, dass das auch so bleibt. Indem wir zusammen auf unsere Ziele schauen und dabei Schnittmengen und mögliche Kompromisslinien ausloten. Und nicht zu lange die unterschiedlichen Positionen betonen. Ich bin übrigens gerne pragmatisch, wenn es der Belegschaft hilft.

Wo liegen die Schwerpunkte der Planungsrunde im Herbst?

Die Planungsrunde ist diesmal schon eine besondere. Wir schreiben nicht nur die Investitionsvorhaben um ein Jahr fort, sondern wir schauen auf die mittelfristige Planung in einem Jahrzehnt, in dem sich so viel ändern wird wie wohl nie zuvor. Das gilt einerseits für unseren Weg zum Tech-Unternehmen, in dem Software und Digitalisierung eine immer größere, entscheidendere Rolle spielen wird. Aber auch für die Antriebsseite unserer Produkte: Diesel und Benziner werden bis 2030 ihre aktuelle Dominanz verlieren und in den Anteilen kräftig sinken. Auf der anderen Seite steigt die E-Mobilität weiter mit großen Sprüngen an. Das schafft manche Unsicherheit in der Planung, denn es wird sich nicht überall eine konstante Linie ergeben. Flexibilität ist also entscheidend. Daher haben wir für VW und Audi auch schon verabredet, alle halbe Jahre in Klausuren mit den Vorständen auf die Lage an den einzelnen Standorten zu schauen, um falls nötig mit Maßnahmen einzugreifen. Und ganz generell gilt natürlich, dass die Auslastung an unseren weltweiten Standorten zur Beschäftigung dort passt und Verlässlichkeit bringt. Das ist Grundvoraussetzung dafür, dass unsere Kolleginnen und Kollegen wie gewohnt mitziehen und das Management auf sie zählen kann, so wie wir das bei Volkswagen kennen und seit Jahren unter Beweis stellen.

Und die aktuelle Lage im Unternehmen kurz vor dem Werksurlaub?

Die ist leider immer noch geprägt von Corona, ist doch klar. Ich möchte da stellvertretend für alle unsere Kolleginnen und Kollegen, die – egal wo – seit gut einem Jahr Ausnahmezustand einen Top-Job machen, zwei Aspekte hervorheben: Unser Gesundheitswesen ist echt Gold wert! Es arbeitet sonst ja eher im Hintergrund, aber die Pandemie hat die Leistungsfähigkeit jetzt allen vor Augen geführt. Schutzkonzepte, Prognosen, Impfzentren – die Kolleginnen und Kollegen dort haben Großartiges vollbracht. Und tun es immer noch. Ich hoffe wirklich, dass sich die Lage auch nach den Ferien weiter entspannt. Ebenso besonders ist die Leistung unserer Task Force Halbleiter und aller, die dabei helfen. Die Teams dort arbeiten jetzt seit gut einem halben Jahr 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Damit unsere Produktion alles leisten kann, was trotz der Versorgungs-Engpässe bei den Chips möglich ist. Ich weiß, dass es für die Belegschaft nicht einfach ist, keine Planungssicherheit zu haben. Wir versuchen natürlich weiterhin, so früh wie möglich zu informieren. Aber in Anbetracht der Situation ist es einfach schwierig. Und das wird auch nach dem Werksurlaub noch eine Zeit lang so bleiben.

Sonst noch Helden im Hintergrund?

Ganz wichtig ist mir auch: Das Personal-wesen wird gerne mal vergessen in diesen Zeiten. Aber auch dort herrscht Ausnahmezustand, ein Riesenaufriss, den kaum einer sieht. Allein die ganzen Abstimmungen wegen der Kurzarbeit. Übrigens: Wir dürfen alle nicht vergessen, dass wir bei Volkswagen bei allem Stress und manchen Unzulänglichkeiten immer noch super abgesichert sind. Wir haben trotz der größten wirtschaftlichen Krise seit der Nachkriegszeit eine Beschäftigungssicherung bis 2029. Uns ist im Frühjahr eine super Tarifrunde gelungen. Unser Konzern hat im ersten Halbjahr mehr verdient als im gesamten vergangenen Jahr und auch mehr als im Vergleichszeitraum des ersten Halbjahres 2019, wo wir auf Rekord-niveau lagen. Klar, vieles kann aus Sicht der Belegschaft auch noch besser werden. Aber wir sollten manchmal vielleicht auch stärker auf die Habenseite schauen. Wir müssen uns um unsere Arbeitsplätze nicht sorgen. Das ist in der Branche echt keine Selbstverständlichkeit.

Mal ein Blick in die Büros: Wie geht es weiter mit der Mobilen Arbeit?

Die Pandemie hat uns gezeigt, dass das restriktive Vorgehen so mancher Führungskräfte bei der Mobilen Arbeit überholt ist. Wir haben schon eine sehr gute Betriebsvereinbarung seit 2016, die weit mehr zulässt, als es vor der Pandemie Realität war. Wir als Betriebsrat setzen uns daher dafür ein, dass es künftig eine höhere Flexibilisierung gibt, um die Aufgaben auch mobil zu erledigen. Den Beweis, dass das gelingt, hat der indirekte Bereich jetzt corona-bedingt im großen Flächenversuch erbracht. Dennoch: Als Betriebsrat führen wir natürlich auch noch einige Debatten. Wegen der Pandemie haben wir so einiges übers Knie brechen müssen, was wir jetzt grundlegend regeln müssen, um eine solide Basis zu bekommen. Dabei müssen wir die Beschäftigten beteiligen! Das ist nichts fürs stille Kämmerlein.

Worum geht es im Detail?

Um Themen wie Desk-Sharing, Arbeits-verdichtung, ergonomische Arbeitsplätze und Ausstattung auch bei der Mobilen Arbeit im Home-Office, um neue Büroraumkonzepte. Wir sind da sehr offen für alle Gespräche – mit einigen Ausnahmen. Der Betriebsrat sieht 100 Prozent Mobile Arbeit über sehr lange Zeiträume, also über Monate, sehr kritisch. Außerdem gilt: Wer ins Büro will, muss das jederzeit können. Und: Es gibt eine Verantwortung, die Entgrenzung der Arbeitszeit zu stoppen. Termine mit Tarifbeschäftigten können nicht mal eben um 18.30 Uhr star-ten. Ebenso müssen Pausen möglich sein. Es kann nicht angehen, dass sich bis zum Feierabend eine Teams-Sitzung an die nächste reiht und sogar die Mittagspausen mit Terminen zugepflastert werden. Da brauchen wir Spielregeln! Ebenso wichtig ist mir bei diesen Diskussionen aber: Gute Bedingungen muss es für alle Kolleginnen und Kollegen geben, natürlich auch im direkten Bereich. Gute Teamräume, gute Infrastruktur und eben auch mehr Flexibilität. Dafür haben wir erste Piloten, Stichwort Agile Organisation im Lack und an der Montagelinie 1.

Wo wir gerade beim direkten Bereich sind: Alle reden von Trinity, aber was genau steckt dahinter?

Ich freue mich sehr auf dieses zukunftsweisende Projekt in Wolfsburg, die komplett neue E-Limousine. In Sachen Trinity haben wir angefangen, mit Ralf Brandstätter und seinem Team in die Projektstrukturen zu gehen. Dort sind wir gut eingebunden, um mitzugestalten. Aber wir stehen noch sehr am Anfang. Das liegt nicht an Verzögerungen oder so, sondern das ist im Moment halt zunächst die Startphase. Fest steht aber: Wir werden frühzeitig sehen, welche Veränderungen anstehen, damit wir das Thema Qualifizierung richtig absichern. Ich weiß, dass in der Belegschaft großer Infobedarf ist, weil ja pressemäßig schon Reizwörter wie „radikal neue Produktionsansätze“ und Ähnliches die Runde machen. Aber die menschenleere Fabrik wird es auch bei Trinity nicht geben. Wichtig ist: Wir begrüßen ausdrücklich, dass Trinity nach Wolfsburg kommt! Das ist ein Meilenstein für das Stammwerk. Das Fahrzeug wird die neuste Software und die neueste E-Architektur haben und das automatisierte Fahren in die Breite tragen. Das ist nicht irgendein Projekt. Sondern Zukunft und somit ein entscheidender Schritt für Wolfsburg. 

Stichwort Zukunft: Welche Botschaft hast Du für unsere Auszubildenden?

Für unsere Ausbildung ist die Pandemie eine ganz besondere Herausforderung. Deswegen haben wir dem Thema auch völlig zu Recht den Titel unserer vorherigen MITBESTIM-MEN!-Ausgabe gewidmet. Wichtig ist mir, dass unsere Auszubildenden wissen, dass zum Beispiel die Talentprogramme nicht hinten runterfallen – im Gegenteil, das Thema treiben wir weiter voran. Niemand soll Nachteile haben, weil nun einmal Corona in die Ausbildungs-zeit fiel.

Und das Thema „Level Freeze“, also dass Einstellungen von außen nur sehr eingeschränkt möglich sind?

Das ist angesichts der Situation derzeit nachvollziehbar. Aber was nicht geht, ist, dass die internen Wechsel nicht weiterlaufen. Die finden weiter statt, so haben wir es verabredet. Wir ziehen die ja vor die externen Einstellungen. Das Problem ist, dass nicht alle Fachbereiche verstanden haben, dass der Volkswagen Weg weiter gilt, wenn Stellen frei werden. Entweder entfällt dort die Arbeit nachhaltig oder es muss eben nach-besetzt werden. Arbeitsverdichtung kann nicht die Lösung sein, Level Freeze hin oder her. Und: Der weitgehende Einstellungsstopp ist eine Maßnahme für die Liquiditäts-sicherung in Zeiten der Pandemie, aber kein Dauerzustand. Im zweiten Halbjahr werden wir darüber reden müssen, wie wir mit dem Thema Anfang 2022 weiter umgehen.

Was lässt sich eigentlich mit Blick auf den Zustand des Stammwerkes sagen?

Ja, das ist auch ein Thema für das Trinity-Projekt. Wer gegen Tesla in Grünheide antritt, kann das kaum in einem Werk machen, in dem öfter mal die Bausubstanz bröckelt und das Wasser manchmal nicht mehr aus dem Wasserhahn kommt, dafür aber aus der Steckdose. Ich habe ja schon den Modernisierungstopf erwähnt. 125 Millionen für die VW-Werke werden uns natürlich auch in Wolfsburg helfen, die Dinge entschieden anzupacken. Das ist aber unabhängig von Trinity. Ich habe schon die Erwartungshaltung, dass die hohen Ansprüche an Trinity sich auch in der Fabrik widerspiegeln, die das Projekt umsetzt.

Wir hätten jetzt noch ein paar Fragen, die uns auch immer wieder in unseren internen Info-Formaten erreichen, wie etwa dem BR-Dialog. Eine davon: Was hältst Du eigentlich von den Greenpeace-Aktionen in Emden und im Münchner Fußballstadion?

Für viele Ziele von Greenpeace habe ich durchaus Sympathien. Aber für diese beiden Aktionen – Schlüsseldiebstahl bei unseren Produkten und Menschen gefährden mit einem waghalsigen Gleitschirm-Flug – dafür habe ich absolut null Verständnis. Damit hat sich Greenpeace ins Abseits gestellt. Ich halte es für richtig, dass das Unternehmen auch Anzeige erstattet hat wegen Emden. Jeder, der sich hier im Werk falsch verhält, muss schließlich auch die Konsequenzen tragen. Klar ist aber auch: Wir sind generell immer zum Dialog bereit. Doch den mit Greenpeace haben wir jetzt zurückgestellt. Die sollen sich erstmal sortieren und zeigen, wie sie es demnächst halten mit ihren Aktionen und wie es um ihre Seriosität als vermeintlich ernstzunehmende Organisation bestellt ist.

Du hast zuletzt kritisiert, dass es auf dem Weg zu mehr Frauen im Management Schwierigkeiten gibt, weil es an der konkreten Umsetzung hakt. Wie ist da der Stand?

Wenn wir bei der Geschlechtergerechtigkeit in dem Tempo weitermachen wie bisher, sind wir in den 2070er Jahren dort, wo wir hinwollen. Das ist kein Scherz. Das würde tatsächlich noch rund 50 Jahre dauern. Die Prozesse in den Bereichen wurden jetzt aber noch einmal geschärft. Zusammen mit Arbeitsdirektor Gunnar Kilian, Arne Puls vom Personal Management und Elke Heitmüller von der Konzern Diversity und Frauenförderung haben wir das auf einen guten Weg gebracht. Wichtig ist, über die gesamten Ebenen gezielter auf weibliche Talente zu achten. Das heißt nicht, dass wir Frauen bevorzugen, die es weniger verdient hätten als die männlichen Mitbewerber. Das wird ja gerne mal unterstellt. Es geht einfach darum, dem Thema Frauenanteil mehr Aufmerksamkeit zu schenken: bei externen Einstellungen, bei Berufungen, aber vor allem auch bei der Entwicklung und Förderung von Talenten. Das will ich gerne nicht nur für das Management hervorheben: Das gilt ebenso für Facharbeiterinnen, Meisterinnen und auch schon für unsere Auszubildenden. Diverse Teams liefern nun einmal bessere Qualität – und zwar nicht nur in Bezug auf das Geschlecht, sondern auf die vielen weiteren Dimensionen von Diversität wie Alter, Erfahrungen, kulturelle und soziale Herkunft und vielem mehr. Es geht einfach um das Thema Chancen. Und da gibt es bei den Frauen Nachholbedarf.

Hast Du Deine Antrittsbesuche eigentlich schon alle durch?

Bei unseren großen Marken fehlt nur noch Porsche. Das mussten wir aus Termin-gründen auf nach dem Werksurlaub schieben. Für mich sind die Besuche ein wichtiges Thema: Ich will unbedingt auch so viele unserer Gremien wie möglich persönlich kennen lernen, zumindest, wenn das nach Corona auch wieder besser möglich ist. Ich kann natürlich am Anfang nicht alle Standorte unserer Marken bereisen. Aber für mich ist es schon entscheidend, mir auch jetzt in meiner neuen Rolle ein Bild vom gesamten Konzern zu machen. Den Anspruch habe ich übrigens auch für Wolfsburg. Und ich habe auch schon so viele Einladungen aus so vielen Ecken hier im Stammwerk. Ich will das alles nach und nach möglich machen. Aber ich bitte um Verständnis, dass das halt alles seine Zeit braucht.

Jetzt steht Dein erster Werksurlaub als Betriebsratsvorsitzende an. Wie läuft der ab?

Wenn es Corona zulässt, fahre ich mit meiner Familie nach Italien – dorthin, wo meine Eltern herkommen, also nach Kalabrien ganz im Süden und auch in die Heimat-regionen meiner Schwiegereltern: Apulien und Kampanien. Wir machen also eine kleine Rundreise. Im vergangenen Jahr haben wir, wie so viele, keinen richtigen Urlaub machen können. Da war nur eine Woche Rügen drin. Ich hoffe sehr, dass Italien diesmal klappt. Ich höre von vielen, dass sie mal wieder weiter weg wollen. Wir haben uns alle sehr eingeschränkt, um der Pandemie zu begegnen. Jetzt ist es uns allen hoffentlich wieder möglich, mal einen Tapetenwechsel zu haben, richtig wegzufahren, den Kopf freizukriegen und abzuschalten. Um dann wieder den Blick frisch nach vorne zu richten. Ich hoffe auch sehr, dass wir spätestens in den ersten Monaten 2022 wieder eine echte Betriebsversammlung haben können in Halle 11, alle zusammen, so wie wir es kennen.

Daniela, wir haben noch ein paar Steckbrief-Fragen für Dich.

Muss das unbedingt sein?

Wir dachten uns, ja. Nicht, weil es so in unserem Handbuch der PR steht. Sondern einfach, um in unserer Betriebsratszeitung ein paar Dinge zu vermelden, die vielleicht selbst Leute noch nicht wissen, die Dich besser kennen.

Na, okay.

Dein erstes eigenes Auto?

Ein Lupo.

Immerhin ein VW.

Na, was denn sonst! Ich gebe zu, während der Abi-Zeit habe ich einen Fiat Panda gefahren.

Farbe? Also vom Lupo?

Schwarz.

Wir würden jetzt ehrlich gesagt Gewerkschafts-Rot besser finden …

Nein, richtig Schwarz. Mit dem bin ich damals auch nach Italien.

Auslandsurlaub machst Du wohl nur in Italien?

Das stimmt nicht. Ich fahre gerne in den Süden, ans Meer. Aber nicht nur Italien. Türkei, Spanien, Portugal, Griechenland … ach, eigentlich alles. Sonnenscheingarantie ist dabei immer gut. Ich lerne gerne Neues kennen. Mit einer Besonderheit.

Welcher?

Ich fahre nirgends zweimal hin. Außer natürlich nach Italien, das ist ja schließlich eine Art Home Base für mich.

Echt, außer Italien nirgends zweimal, so aus Prinzip?

Doch, Kuba. Da würde ich gerne nochmal hin! Aber dann dort auf die andere Seite, damit ich wieder was Neues sehe.

Wir haben gehört, Du hegst und pflegst einen Oldtimer-Golf, kennen aber noch keine Details …

Golf I Cabrio, Baujahr 1992. Eine Ausführung für den US-amerikanischen Markt mit Ledersitzen und Sitzheizung, was damals echt besonders war. Ein tolles Auto! Mit dem sind wir übrigens auch schon einmal nach Italien. Er läuft und läuft und läuft, ist ja klar. Ein echter VW Golf halt.

Hat der wenigstens die Farbe Rot?

Schwieriges Thema. Original war Weiß. Jetzt ist er Blau lackiert. So ein Baby-Blau. Ich würde ihn lackmäßig gerne wieder in den Originalzustand versetzen.

Letzte Frage: Lieblingsessen?

Sushi. Und ansonsten natürlich Pasta in allen Variationen.