Daniela macht in ihrer Rede klar: "Wandel gibt es nur mit VW-Kultur"

Daniela bei ihrer Rede.
Halle 11.
Auch Stephan Weil sprach zur Belegschaft.
Klare Botschaften auch auf den Plakaten.
04.11.2021

Die Betriebsratsvorsitzende skizziert Zukunftsbild für das Stammwerk des Konzerns

Erstmals seit fast zwei Jahren hat der Betriebsrat die Belegschaft wieder direkt aus Halle 11 informiert. Dabei sprach die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo vor einigen Tausend Beschäftigten in der Halle, mehr als 40.000 weitere waren über das Intranet zugeschaltet.

Zu der Veranstaltung hat der Betriebsrat folgende Pressemitteilung veröffentlicht. Außerdem folgt am Fuße dieser Seite ihre Rede.  

Daniela Cavallo macht klar: „Wandel gibt es nur mit VW-Kultur“


• Erstmals seit Corona informiert der VW-Betriebsrat in Wolfsburg wieder direkt aus Halle 11
• Dabei skizziert die Belegschaftsvertretung das Zukunftsbild für das Stammwerk des Konzerns
• Cavallo stellt vor Tausenden Beschäftigten klar: „Hier ist nicht ein Mensch zu viel an Bord“
• Die BR-Vorsitzende sagt auch: „Es geht uns nicht um einzelne Personen, sondern um Lösungen“


Wolfsburg – Der VW-Betriebsrat hat zusammen mit Tausenden Beschäftigten im Stammwerk Wolfsburg einen weiterhin konsequenten wie mutigen Kurs beim Umbau des Konzerns gefordert. „Der Betriebsrat will den Wandel, die Belegschaft will den Wandel, Wolfsburg will den Wandel!“, sagte die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo am Donnerstag vor Tausenden Beschäftigten rund um Halle 11 im Herzen der Autofabrik. Tausende Kolleginnen und Kollegen verfolgten die Rede zudem im VW-Intranet. Cavallo betonte die aktive Rolle der Belegschaftsvertretung als einen unverzichtbaren Teil für die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens und machte in Richtung des Konzernvorstands unmissverständlich klar, dass das auch nicht verhandelbar ist: „Den Wandel gibt es nur mit VW-Kultur.“

Themen wie der Zukunftspakt 2016 und die Roadmap Digitale Transformation 2019 seien nur eine kleine Auswahl an Beispielen für die Schlagkräftigkeit eines gemeinsamen Vorgehens, bei der Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung gleichrangige Ziele bleiben. Zu den Spekulationen über einen Stellenabbau sagte die Betriebsratsvorsitzende: „Hier ist nicht ein Mensch zu viel an Bord. Nicht eine Stelle können Sie zusätzlich mit uns verhandeln! Wir haben hier schon unsere Hausaufgaben gemacht.“ Das gelte für den Konzernvorstand und dessen Vorsitzenden Dr. Herbert Diess offensichtlich nicht: „Sie versorgen uns zwar regelmäßig mit netten Fotos von Ihren Ausflügen, nur mit Halbleitern leider immer noch nicht. Und schon gar nicht mit konkreten Lösungsvorschlägen“, betonte Cavallo und nahm den CEO mit Blick auf das Werk Wolfsburg persönlich in die Pflicht: „Die Wahrheit ist doch, dass unser Konzernvorstand, für den Sie die Verantwortung tragen, Herr Dr. Diess, es nicht schafft, für die Auslastung unseres Werkes zu sorgen! Also hören Sie auf mit Spekulationen über Stellenabbau und erarbeiten Sie mit uns gemeinsam Lösungen!“

Zu den Eckpunkten für die Zukunftsvorhaben im Stammwerk betonte Cavallo, dass es nur auf Druck des Betriebsrates in dieser Woche endlich ein Auftaktgespräch zum Zielbild für Wolfsburg gab: „Zielbild heißt nicht Stellenabbau. Und mehr noch: Es ist ein offener Prozess und der Betriebsrat wird ihn vorantreiben.“ Neben Cavallo sprachen in Halle 11 auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann und Dr. Herbert Diess zur Belegschaft.

In ihrer Rede skizzierte Cavallo folgendes Zukunftsbild für Wolfsburg: „Hier ist unsere Konzernzentrale, unser Stammwerk und das Herz der technischen Entwicklung. Was unsere Marken geschafft haben, wo sie heute stehen, dazu hat Wolfsburg wesentlich beigetragen. Und mein Anspruch ist, dass unser Stammwerk auch in Zukunft der Motor für den Konzern ist.“ Die Eckpfeiler dafür: Die modernste Produktion, das beste Personal und der größte Pioniergeist. In der Fertigung müssten Effizienz und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen, an deren Ende die größten Stückzahlen des Konzerns stehen. Dafür ist ein weiteres Elektro-Modell für Wolfsburg deutlich vor Trinity und 2026 essenziell. In Wolfsburg müssen Testläufe für moderne Arbeitsmodelle stattfinden „und das nicht nur für den indirekten Bereich, sondern auch für die Produktion“, so Cavallo. Die ersten beiden Voraussetzungen ermöglichen dann auch das dritte P: „Den größten Pioniergeist, mit dem wir aus Wolfsburg heraus den Takt für den Konzern vorgeben!“

Mit Blick auf die jüngsten Spekulationen, wonach die Arbeitnehmerseite kein Vertrauen mehr in die Spitze des Konzerns habe, sagte die Betriebsratsvorsitzende: „Es geht hier nicht um einzelne Personen. Das Einzige, was uns interessiert, sind Lösungen für die anstehenden Herausforderungen. Denn die werden wir nur bewältigen, wenn wir alle gemeinsam und konzentriert arbeiten.“ Cavallo stellte jedoch auch klar, dass in diesen bewegten Zeiten Vertrauen gut sei, Kontrolle aber besser: „Ich habe keine Lust, mich weiter auf Zusagen des Konzernvorstands zu verlassen, die am Ende eh nicht eingehalten werden. Und mehr noch: Wir können es uns auch nicht leisten! Der Aufsichtsrat hat eine Strategie 2030 verabschiedet und die darf nicht nur für Aktionäre und Analysten sein. Sie muss auch mit Leben erfüllt werden!“ Statt Panikmache zu den Stellen müssten Perspektiven und konkrete Ideen her, sagte Cavallo und versprach: „Sie können sicher sein: Wir als Betriebsrat wissen, was wir uns für Wolfsburg vorstellen. Hören Sie vor allem auch Ihrem eigenen Management zu, denn es gibt immens viele Konzepte, die auf ihre Umsetzung warten und voll auf die Strategie einzahlen.“

Die sogenannte Belegschaftsinformation aus Halle 11 am Donnerstag war die erste Veranstaltung dieser Art seit fast zwei Jahren. Die letzte Betriebsversammlung hatte es im Dezember 2019 gegeben.

__________________

Hier geht es zu Rede, über dieses PDF.