Einschätzung des BR zur aktuellen Lage

Daniela Cavallo und Gerardo Scarpino beim Webcast des Betriebsrats.
02.03.2022

Der Betriebsrat äußert sich ausführlich zur aktuellen Lage in der Ukraine, den Auswirkungen des Krieges für Volkswagen und ruft zur Unterstützung für die Belegschaftsspende auf.

Nach zwei Jahren Corona-Pandemie und Halbleiter-Mangel, die der Belegschaft viel abverlangt haben, steht nun die nächste Krise bevor. Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo hat sich im Webcast des Betriebsrats am Dienstag ausführlich zum Krieg in der Ukraine und dessen Bedeutung für die Volkswagen-Belegschaft geäußert: „Unsere Friedensordnung in Europa ist bedroht. Quasi über Nacht sind wir in einer Welt aufgewacht, die eine andere ist. Das alles zehrt an unserer Energie. Das alles macht etwas mit uns. Dazu möchte ich drei Dinge betonen.

Erstens: Frieden ist die Grundlage unserer Freiheit und unseres Wohlstandes in Europa. Frieden ist auch die Grundlage für unseren Volkswagen Konzern. Wie Willy Brandt sagte: Ohne Frieden ist alles nichts.

Zweitens: Wir müssen die Dinge beim Namen nennen. Die Ukraine ist ein souveräner Staat. Putins großangelegter Angriff dort ist Krieg und er bricht das Völkerrecht. Unser internationales Gremium, der Europäische- und Weltkonzernbetriebsrat, hat sich dazu klar und früh positioniert. Trotz aller Klarheit dürfen wir aber eines nicht vergessen: Die Perspektive unserer Belegschaft auf die Situation in der Ukraine ist sehr unterschiedlich. Weil die Betroffenheit sehr unterschiedlich ist.

Unsere Kolleginnen und Kollegen in Polen und in Tschechien. Viele Hundert Beschäftigte dort sind Ukrainerinnen und Ukrainer. Sie sind Teil unserer Belegschaft. Mit unseren Aktivitäten in Kaluga und Nischni Nowgorod sowie in St. Petersburg und Moskau haben wir auch eine Betroffenheit in Russland, auch die russischen Kolleginnen und Kollegen sind Teil unserer Belegschaft.

Deswegen ist meine dritte Botschaft: Bitte respektiert diese verschiedenen Betroffenheiten, die wir in unserer großen Volkswagen-Familie haben. Und bitte bleibt respektvoll untereinander.“

Lage in Wolfsburg
Durch den Krieg in der Ukraine sowie betroffenen Regionen und den anhaltenden Folgen des Coronavirus gibt es verstärkt Versorgungsengpässe und gestörte Lieferbeziehungen, die weiterhin zu Kurzarbeit führen. Die Situation hat auch Folgen für unsere deutschen und andere europäische Standorte. Bei Volkswagen in Sachsen herrscht bereits Kurzarbeit und auch in Wolfsburg wird es erneut zu Kurzarbeit kommen. Dazu hat das Unternehmen am Dienstag informiert.

Gemeinsam mit VW-Arbeitsdirektor Gunnar Kilian und Einkaufsvorstand Murat Aksel habe ich mich zudem in einem Brief an die Belegschaft gewandt.

Hier ist unser Schreiben im Wortlaut:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Krieg in der Ukraine bestürzt uns alle. Wir sehen in den Nachrichten und sozialen Netzwerken Bilder von großem Leid der Menschen und sind zutiefst erschüttert. Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hofft Volkswagen auf eine schnelle Einstellung der Kampfhandlungen und eine Rückkehr zur Diplomatie. Wir sind davon überzeugt, dass eine nachhaltige Lösung des Konflikts nur auf Grundlage des internationalen Rechts erfolgen kann.

Unmittelbar nach Ausbruch des Krieges haben wir seitens des Konzernvorstands der Volkswagen AG einen Krisenstab eingerichtet, der fortlaufend die möglichen Auswirkungen des Krieges auf unsere Geschäftstätigkeit ermittelt. Im Zuge der ersten Kriegshandlungen verschärfte sich auch die Lage unserer in der Ukraine ansässigen Zulieferer, was Lieferengpässe zur Folge hat. Daher mussten wir die MEB-Produktion in Zwickau und Dresden in dieser Woche vorübergehend einstellen. Die Produktion in unserem Stammwerk in Wolfsburg läuft in dieser Woche weitgehend planmäßig. Produktionseinschränkungen erwarten wir ab der kommenden Woche gestuft auf verschiedenen Linien – in der Kalenderwoche 11 werden wir in Wolfsburg, Stand heute, nicht fertigen können. Zudem gehen wir ferner davon aus, dass es im Werk Hannover ab der Kalenderwoche 10 zu Produktionsstillständen kommt; im Werk Emden befinden wir uns noch in Ausplanung. Ebenso betroffen sind unsere Komponentenwerke. Aufgrund der marken- und regionsübergreifenden Lieferverpflichtungen ergibt sich ein differenziertes Bild, so dass die jeweiligen Fertigungsbereiche separat ausgeplant werden müssen.

Unsere Taskforce arbeitet weiterhin bereichs- und markenübergreifend an Lösungen. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Kolleginnen und Kollegen, die in den vergangenen Tagen rund um die Uhr an Lösungen gearbeitet haben, für ihren Einsatz in dieser herausfordernden Zeit bedanken.

Was wir zudem besonders betonen möchten: Unser Konzern will Hilfe leisten, wo wir können und den Opfern dieses völkerrechtswidrigen Krieges beistehen. Deshalb hat der Konzernvorstand beschlossen, dass der Konzern und seine Marken in einem ersten Schritt eine Million Euro für die Nothilfe der UNO-Flüchtlingshilfe, dem nationalen Partner des UN-Flüchtlingshilfswerkes (UNHCR) spenden. Und dabei wird es nicht bleiben: Der Welt- und Konzernbetriebsrat bereitet aktuell gemeinsam mit dem Unternehmen alle Voraussetzungen für eine Spendenaktion der Belegschaften vor.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir hoffen gemeinsam mit Ihnen und Euch auf eine schnelle Rückkehr zum Frieden. Über die aktuellen Entwicklungen werden wir regelmäßig informieren.“

Ab jetzt kann gespendet werden
In den vergangenen Tagen gab es zahlreiche Nachfragen aus der Volkswagen-Belegschaft zu Spenden und anderen Formen der Unterstützung für die Menschen in und aus der Ukraine. Nach der Spende über eine Million Euro für die UNO-Flüchtlingshilfe, die das Unternehmen bereits vor ein paar Tagen beschlossen hat, haben viele Volkswagen-Beschäftigte ihre eigene Spendenbereitschaft zum Ausdruck gebracht. Der Konzernbetriebsrat und der Konzernvorstand haben deshalb die Möglichkeit für eine Belegschaftsspende geschaffen, um Geld für Geflüchtete aus der Ukraine zu sammeln.

Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sagt dazu: „Ich bin froh, dass es nach den zahlreichen Solidaritätsbekundungen für die Ukraine in den vergangenen Tagen nun eine konkrete Möglichkeit bei uns zur Unterstützung gibt. Die Volkswagen-Belegschaft zeigt in dieser Situation einmal mehr ihre überwältigende Hilfsbereitschaft, das merken wir so stark wie vielleicht nie zuvor. Viele Kolleginnen und Kollegen kommen auf uns zu und fragen, wie sie selbst aktiv helfen oder wo sie am besten spenden können. Jetzt gibt es eine Möglichkeit und ich bitte jede und jeden, mitzumachen. Gemeinsam können wir damit Hilfe leisten, wo sie dringend benötigt wird. Dabei helfen uns alle Beiträge - egal in welcher Höhe.“

Hier könnt Ihr spenden per Überweisung, Lastschrift, Kreditkarte oder PayPal.

Viele Beschäftigte von Volkswagen fragen zudem nach Unterstützung für Geflüchtete: Für Fragen rund um die Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten aus der Ukraine, hat die Stadt Wolfsburg ein zentrales E-Mailpostfach eingerichtet: ukrainehilfe(at)stadt.wolfsburg.de