Gesamtbetriebsausschuss berät über Sicherung der Beschäftigung bei VW

Im Sitzungssaal in Hustedt.
Bernd Osterloh
Bertina Murkovic
Uwe Fritsch
Markus Bieber bei einer Präsentation.
21.07.2020

Die im Gesamtbetriebsausschuss (GBA) vertretenen Betriebsratsvorsitzenden der deutschen VW-Werke haben zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise wieder in einer Präsenzsitzung über die Lage der Marke diskutiert. In der zweitägigen Tagung in der Heimvolkshochschule Hustedt sprachen die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Belegschaft unter anderem über Belegungspläne der Werke für die kommende Planungsrunde und über die aktuelle Beschäftigungssituation bei VW. Eine große Rolle spielte auch die Krise der gesamten Automobilbranche.

Dazu Gesamtbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh: „Wir sind uns im GBA völlig einig, dass die Beschäftigungssicherung bei VW gerade heute von überragender Bedeutung ist. Erst im Zukunftspakt und dann in der Roadmap Digitale Transformation hatte der Betriebsrat Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2029 für die Belegschaften der VW AG vereinbart. Dass diese Beschäftigungssicherung ein ganz konkreter, echter Schutz ist, merkt jeder, der sich heute in der Automobilbranche umsieht. Da werden bei anderen Firmen nämlich gerade zehntausende Stellen gestrichen und Personal entlassen.“

Die GBA-Mitglieder sprachen konkret über Möglichkeiten zur Auslastung der einzelnen Standorte. Aus dem Motorenwerk Salzgitter berichtete Betriebsratsvorsitzender Dirk Windmüller über den Aufbau des Geschäftsfeldes Batteriezelle. „Aber auch unsere Rotor/Stator-Fertigung geht nach dem Werksurlaub in den Dreischichtbetrieb und sichert so 120 Arbeitsplätze“, sagte er. Für das Werk Emden machte Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulff klar, dass für eine gute Auslastung der Produktionsanlagen der vom Vorstand zugesagte elektrische Aero als Limousine und Variant zentral ist. „Mit diesem Auto wird die Beschäftigung meiner Kolleginnen und Kollegen gesichert“, sagte er.

Für den Standort Hannover machte Vorsitzende Bertina Murkovic deutlich, dass der frisch erneuerte Transporter T 6.1 sehr gut bei den Kunden ankommt. „Auch daran merkt man, mit wieviel Einsatz und Sorgfalt die Kolleginnen und Kollegen in Hannover die Fahrzeuge auf die Räder stellen. Diese Erfahrung mit großen Fahrzeugen sollte VW noch viel stärker nutzen, denn wir Hannoveraner können große Autos“, sagte sie.

Uwe Fritsch, Betriebsratsvorsitzender in Braunschweig fordert beim Stopp von Investition mit Augenmaß vorzugehen: „Es hilft nichts, wenn Investitionen in die Zukunft, die zur Beschäftigungssicherung  notwendig sind, kurzfristigen Zielen geopfert werden. Ich denke hier zum Beispiel an Kapazitätserweiterungen für PHEV Batteriesysteme oder den Wiedereinsatz von Batterien als Stromspeicher in Häusern.“

Im Standort Kassel zeichnet sich ab, dass es zu wenig Beschäftigte für das anstehende hohe Arbeitsvolumen zur Getriebeproduktion gibt. „Eine Lösung dafür ist die Übernahme von Kolleginnen und Kollegen mit befristeten Verträgen“, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob.  

Am Standort Wolfsburg mit rund 40.000 Bürobeschäftigten wird die Zukunft der mobilen Arbeit zur Zeit viel diskutiert: „Viele Kolleginnen und Kollegen schätzen eine hohe Flexibilität bei der Entscheidung für oder gegen mobiles Arbeiten. Diese Möglichkeiten hat der Betriebsrat durch die Regelungen zum Schutz vor Corona mitgestaltet. Wie es in Zukunft weitergeht, müssen wir nach dem Werksurlaub in der Belegschaft besprechen“, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo. Außerdem machte sie klar, dass die Auslastung des Stammwerks mit zusätzlichen Modellen eine der wichtigsten Aufgaben für die Zeit nach dem Werksurlaub ist.

Auch Betriebsratsvorsitzende Simone Mahler von der FSAG betonte die Bedeutung der mobilen Arbeit. „Für uns Betriebsrätinnen und Betriebsräte ist beim Thema mobile Arbeit auch wichtig, dass wir Arbeitsschutz und Ergonomie nicht außer Acht lassen. Wir haben jahrelang für ergonomische Arbeitsplätze gekämpft, diese Erfolge sollten wir nicht leichtfertig verspielen“, sagte sie

Die GBA-Mitglieder diskutierten außerdem über die aktuelle Corona-Lage und den Erfolg der zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten vereinbarten Regelungen.  Zu diesem Thema war auch Arbeitsdirektor Gunnar Kilian dazugekommen. Ebenfalls auf der Tagesordnung: Eine Diskussion über die aktuelle politische Lage im Bund und in der EU, und vor allem die Auswirkungen auf die Automobilindustrie.

Nach anderthalb Tagen intensiver Diskussionen stellte Bernd Osterloh fest: „Ein direktes Treffen Auge in Auge hat eine ganz andere Qualität als Besprechungen über Skype. Darum war es gut, dass sich der GBA wieder persönlich getroffen hat, und bei vielen Fragen Fortschritte erarbeitet hat. Trotzdem werden wir natürlich auch weiter mit Skype arbeiten, wie alle anderen Kolleginnen und Kollegen auch.“