Guter Tarifabschluss für die Sitech!

29.07.2020

Die Verhandlungskommissionen von IG Metall und Sitech Sitztechnik

GmbH haben ein Verhandlungsergebnis erzielt: Es ist eine

Reaktion auf die Herausforderungen der Corona-Krise und soll einen

Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze der rund 2.300 Kolleginnen und

Kollegen leisten. Gleichzeitig wurden Neuerungen zur Verbesserung der

Arbeitsbedingungen durchgesetzt. Die Mitglieder der IG Metall-Tarifkommission

haben in einer schwierigen Zeit Verantwortung übernommen

und das Gesamtpaket einstimmig bewilligt.

Das sind die wichtigsten Punkte aus dem Abschluss:

Entgelte: Die aktuellen Entgelttarifverträge gelten bis zum 31. Dezember 2020 weiter.

Umstellung Leistungsbeurteilungsbonus (LBB) mit dem Ziel: Entkopplung der Zahlung von der individuellen Leistungsbewertung. Die Mitarbeitergespräche sollen aber nicht entfallen. Einzelheiten werden zwischen den Tarifvertragsparteien bis zum 31. Oktober 2020 ausgehandelt. Beginn der Neuregelung: 1. Januar 2021.

Tarifliche Freistellungszeit bei Kinderbetreuung und Pflege: Zukünftig gilt ein tariflicher Freistellungsanspruch für die Betreuung von Kindern bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres, statt bisher des 10. Lebensjahres. Bei Kinderbetreuung und Pflege sind statt bisher zwei Freistellungen pro pflegebedürftigem Angehörigen/Kind zukünftig fünf möglich. Der Anspruch ist fünf Jahre in Folge realisierbar. Freistellungen für 2020 zählen hierbei nicht mit.

»Meine Auszeit – Lebensphasen- orientiertes Wertguthabenkonto«: Eine Pilotphase über zwei Jahre startet ab 1. Januar 2021. Für Beschäftigte besteht die Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen, ohne vorher Zeit auf einem Konto angespart zu haben. 1. Phase: Freistellung von der Arbeit unter Fortzahlung von 75 Prozent des Bruttoentgeltes. 2. Phase: Volle Arbeitszeit bei weiterhin 75 Prozent des Bruttoentgeltes, bis das »Darlehen« vollständig zurückgezahlt ist. Beispiel: 6 Monate Freistellung und anschließend 18 Monate volle Arbeitszeit mit Rückzahlungsverpflichtung. Einzelheiten wie Freistellungszweck oder Anspruchsberechtigung werden in einer Gesamtbetriebsvereinbarung geregelt.

Aufzahlung für von Kita- oder Schulschließungen betroffene Eltern bei staatlicher Entschädigung nach Infektionsschutzgesetz (IFSG): Sofern Eltern von staatlich angeordneten Schließungen außerhalb der Ferien betroffen und nicht in Kurzarbeit sind, steht ihnen unter bestimmten Voraussetzungen ein staatlicher Entschädigungsanspruch zu, der über den Arbeitgeber ausgezahlt wird. Der gesetzliche Entschädigungsanspruch beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens, maximal 2.016 Euro für Eltern mit Kindern, die das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder behindert und auf Hilfe angewiesen sind. Besteht keine andere Betreuungsmöglichkeit und kann kein Zeitguthaben aus Flexikonten, Gleitzeit oder Resturlaub genutzt werden, greift diese Regelung für bis zu 10 Wochen pro Elternteil, für Alleinerziehende bis 20 Wochen. Zukünftig wird es hier einen tariflichen Aufzahlungsanspruch geben, der die gesetzliche Entschädigung auf 85 Prozent des entstandenen Verdienstausfalles aufstockt. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Zuschuss nicht auf den staatlichen Entschädigungsanspruch angerechnet wird.

Mobiles Arbeiten: Grundsätzlich ist »Mobiles Arbeiten« in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Wie in der Metall- und Elektroindustrie und bei Volkswagen wurde nun die Möglichkeit geschaffen, die Ruhezeit beim »Mobilen Arbeiten« von 11 auf 9 Stunden unter bestimmten Voraussetzungen zu verändern. Dies gilt aber nur, wenn jede so verkürzte Ruhezeit an anderer Stelle innerhalb von 6 Monaten entsprechend verlängert wird und der Beschäftigte das Ende seiner Arbeitszeit am betreffenden Tag oder den Beginn der Arbeitszeit am Folgetag selbst bestimmen kann. Im Übrigen gelten daneben alle tarifvertraglichen Bestimmungen wie zum Beispiel die Zuschlagsregelungen.

Hier findet ihr das Flugblatt der IG Metall mit mehr Infos.