Jens Rothe wird Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrates

Bilden das Präsidium des Aufsichtsrates (von links oben nach rechts unten): Daniela Cavallo, Jens Rothe, Peter Mosch, Jörg Hofmann (für die Arbeitnehmerseite) sowie Hans Dieter Pötsch, Stephan Weil, Dr. Wolfgang Porsche und Dr. Hans Michel Piëch (für die Kapitalseite).
Jens Rothe.
Das Luftbild zeigt das VW-Werk in Zwickau. Der sächsische Standort ist die erste Automobilfabrik in Europa, die komplett auf Elektromobilität umgestellt ist. Der erste ID.3 lief dort bereits im November 2019 von der Montagelinie.
12.05.2022

Gesamtbetriebsratsvorsitzender der VW Sachsen GmbH folgt auf Bertina Murkovic.

Zwickau/Wolfsburg – Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen in Sachsen, Jens Rothe, ist neuerdings Mitglied im wichtigen Aufsichtsratspräsidium der Volkswagen AG. Dieses achtköpfige Gremium gilt als die zentrale Schaltstelle innerhalb des Kontrollgremiums Aufsichtsrat. So bereitet das Präsidium beispielsweise die Aufsichtsratssitzungen vor und legt vorab inhaltliche Weichenstellungen fest.

Jens Rothe ist seit Oktober vergangenen Jahres Mitglied des Konzern-Aufsichtsrates – als erster ostdeutscher Vertreter auf der betrieblichen Mitbestimmungsseite überhaupt. In das Präsidium zieht er mit Wirkung zum heutigen Donnerstag ein. Der Aufsichtsrat wählte Rothe in einer Sitzung nach der heutigen Hauptversammlung aus der Mitte seiner 20 Mitglieder in das Spitzengremium.

Als neues Präsidiumsmitglied folgt Jens Rothe (51) auf die langjährige Betriebsratsvorsitzende der Volkswagen Nutzfahrzeuge, Bertina Murkovic (64), die wie geplant in den Ruhestand geht und deren Aufsichtsratsmandat damit endet.

Zu Rothes Berufung in den Aufsichtsrat im vergangenen Herbst schrieb das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL:

Die Personalie ist Ausdruck eines stärkeren Zusammenwachsens von VW in Ost und West gut 30 Jahre nach der Wende. Die Sachsen GmbH, zu der unter anderem die Gläserne Manufaktur in Dresden gehört, soll Teil der Volkswagen AG werden. Die bislang schlechtergestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden schrittweise den Haustarifvertrag erhalten. Auch strategisch hat Ostdeutschland für VW zuletzt an Bedeutung gewonnen. Das Werk in Zwickau war der erste Produktionsstandort, der komplett auf E-Mobilität umgestellt wurde, dort entstehen die Elektroautos ID.3 und ID.4.

Jens Rothe wurde am 17. Mai 1970 in Zittau im Kreis Görlitz geboren. Zur Wendezeit musste er, bedingt durch familiäre Gründe, sein Studium der Elektrotechnik abbrechen und begann 1990 in der Fahrzeugmontage beim damaligen VEB Sachsenring in Zwickau. Seit 1991 ist er bei der Sächsischen Automobilbau GmbH beziehungsweise der späteren Volkswagen Sachsen GmbH beschäftigt. Im selben Jahr wurde er in den ersten Betriebsrat des Unternehmens am Standort Zwickau-Mosel gewählt. Seit April 1996 ist er dort Vorsitzender und darüber hinaus auch Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Volkswagen Sachsen GmbH sowie seit 31. August 2007 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der VW Sachsen GmbH.

Rothe wohnt in Glauchau, vier Kilometer Luftlinie vom Werk Zwickau entfernt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. In seiner Freizeit läuft er, fährt e-Bike und drückt dem FSV Zwickau die Daumen.

Die bislang eigenständige Volkswagen Sachsen GmbH wird mittels Stufenplan bis 2027 vollständig in die Volkswagen AG integriert. Damit greifen dann für die derzeit mehr als 12.000 Kolleginnen und Kollegen in Chemnitz, Dresden, und Zwickau unter anderem der VW-Haustarifvertrag sowie sämtliche Betriebsvereinbarungen aus der Volkswagen AG. Unter den Haustarifvertrag fallen bisher die westdeutschen Standorte der Volkswagen AG: Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter und Wolfsburg sowie die Volkswagen Financial Services, die Immobilien und die Vertriebsbetreuungsgesellschaft.

In der Pressemitteilung zu dem Stufenplan für die Verschmelzung mit der AG vor genau einem Jahr hatte Rothe gesagt:

„Mehr als 30 Jahre nach der Wende ist dieser Schritt überfällig. Daher ist es nur richtig, dass wir bei Volkswagen auch an dieser Stelle Verantwortung zeigen und mit gutem Beispiel vorangehen. Mit ihrer Arbeit und Flexibilität beweisen unsere Kolleginnen und Kollegen in Sachsen schon seit Jahrzehnten, dass es keinen Unterschied mehr gibt zwischen Volkswagen West und Volkswagen Ost. Damit ist es einfach nur fair, dass unsere Beschäftigten endlich auch Teil der Volkswagen AG werden und die tarifliche Gleichstellung beginnt.“

Die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sagte damals:

„In der Mitbestimmung sind Ost und West schon seit vielen Jahren eng zusammengewachsen, nun folgt auch unternehmensseitig die Verschmelzung mit der Volkswagen AG. Das ist nicht nur für die Volkswagen-Familie ein bedeutender Schritt, sondern auch ein gesellschaftspolitisch längst überfälliger Schritt.“

Im Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG sitzen je vier Mitglieder der Arbeitnehmer- und der Kapitalseite. Es sind für die Gewerkschaft beziehungsweise für den Betriebsrat: Jörg Hofmann (Erster Vorsitzender der IG Metall), Daniela Cavallo (Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende), Peter Mosch (Gesamtbetriebsratsvorsitzender AUDI) und Jens Rothe. Für die Seite der Anteilseigner sind es: Hans Dieter Pötsch (Aufsichtsratsvorsitzender), Dr. Hans Michel Piëch (Großaktionär), Dr. Wolfgang Porsche (Großaktionär) und für den Großaktionär Land Niedersachsen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Die Arbeitnehmerseite hatte Ende April per Delegiertenversammlung drei neue Aufsichtsratsmitglieder gewählt und die übrigen bisherigen, darunter Jens Rothe, bestätigt. Neu in Kontrollgremium vertreten sind Simone MahlerDaniela Nowak und Dr. Arno Homburg (Details siehe hier). Die Neubesetzungen greifen mit Ablauf der heutigen Hauptversammlung.

Die Kapitalseite wählt ihre Vertreterinnen und Vertreter über die Hauptversammlung. Sie bestimmte heute für den Großaktionär Katar Mansoor Ebrahim Al-Mahmoud als Nachfolger von Dr. Hussain Ali Al Abdul-la.