MAN-Konzernbetriebsrat kündigt Widerstand gegen geplanten Jobkahlschlag an

Saki Stimoniaris
11.09.2020

"Konzepte aus der Mottenkiste": Die Arbeitnehmervertreter der VW-Konzernmarke MAN rücken Sparpläne des Vorstands ins rechte Licht.

Neues Konfliktpotenzial beim Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN: Der MAN-Konzernbetriebsrat hat Widerstand gegen die geplante Arbeitsplatzvernichtung bei dem Nutzfahrzeughersteller angekündigt. Saki Stimoniaris, Konzernbetriebsratsvorsitzender bei der MAN Truck & Bus SE und der TRATON SE, sagte am Freitag: „Es kann nicht sein, dass Stellenabbau und Standortschließungen die einzigen Lösungsansätze sind, die dem Vorstand einfallen. Das sind Management-Konzepte von tief unten aus der Mottenkiste. Auch die Corona-Krise ändert nichts daran, dass Sparprogramme nach der Rasenmähermethode mit uns nicht zu machen sind. Wir werden dem Vorstand jetzt unsere Vorstellungen vorlegen und erwarten, dass hier die Bereitschaft besteht, bessere Lösungen für die Menschen und unsere MAN zu finden.“

Stimoniaris reagiert damit auf Pläne des Unternehmens, bis zu 9.500 Stellen abbauen zu wollen. Das Vorhaben der Unternehmensleitung stellt damit beinahe jeden zweiten Beschäftigten in Deutschland und Österreich in Frage. Die Pläne hatte der Vorstand am Freitagmorgen vor Börsenstart bekanntgegeben.

An den insgesamt sechs deutschen und österreichischen MAN-Standorten arbeitet mit Stand Ende August eine Gesamtbelegschaft (inklusive Leiharbeit) von etwa 25.000 Menschen, davon knapp 20.000 in Deutschland. Hinzu kommen viele weitere Arbeitsverhältnisse, die indirekt davon abhängen. Stimoniaris betonte, weder sei die Belegschaft für die jahrelange Misswirtschaft der Unternehmensleitung verantwortlich, noch könne sie etwas für die Corona-Krise.

Stimoniaris weiter: „Seit 2010 war die Konjunktur wieder gut. In zehn Jahren haben es verschiedene Vorstände nicht geschafft, für ausreichend Rendite zu sorgen, um eine Krise wie die jetzige zu überstehen. Darauf haben wir immer wieder hingewiesen. Für die roten Zahlen können wir MANlerinnen und MANler jetzt genauso wenig wie für Corona. Doch für beides sollen wir nun büßen. Aber diese Krise kann nicht auf unserem Rücken ausgetragen werden.“

Der Konzernbetriebsratsvorsitzende, der auch im Aufsichtsrat der Volkswagen AG sitzt, machte klar, dass die Transformation nur mit der Belegschaft und nicht gegen sie gelingen kann. Es müsse darum gehen, Jobs zu sichern und gleichzeitig das Unternehmen nach vorne zu bringen. Stimoniaris: „Hier muss man innovativ denken und Lösungen finden, die allen eine Zukunftsperspektive geben. Dabei sind der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sowie die mit uns vereinbarten Investitionen in unsere Standorte und Forschung und Entwicklung Grundvoraussetzung für die Aufnahme von Gesprächen mit dem Unternehmen.“