Manager und Meister gedenken spektakulärer Auschwitz-Flucht vor 80 Jahren

Plakataktion zur Erinnerung an eine der wohl spektakulärsten Fluchten aus Auschwitz (v.l.): Sebastian Westermann (BS), Florian Albrot (WOB), Andrè Popp (EMD), Olaf Stindl (WOB), Andreas Zenk (H), Oliver Reimann (WOB), Jens Melsa (WOB), Matthias Roelfsema-Martini (EMD), Dietrich Schneider (KS), Dirk Naumann (WOB), Ines Doberanzke-Milnikel (WOB) und Christoph Heubner (IAK).
21.06.2022

Häftlinge brüllten sich 1942 in SS-Uniformen verkleidet mit deutschen Befehlen in die Freiheit

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz hat mehr als einer Million Menschen den Tod gebracht. Fluchtversuche - so die Häftlinge überhaupt in der Lage dazu waren - endeten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich. Mit ganz wenigen Ausnahmen. Die Erinnerung an einen besonders spektakulären und waghalsigen Ausbruchsversuch ist jetzt zum Thema geworden für eine Gruppe VW-Beschäftigter aus Braunschweig, Emden, Hannover, Kassel und Wolfsburg.

Die zehn Meister und Manager, die sich derzeit mit Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee zu einem Seminar in der Gedenkstätte Auschwitz aufhalten, haben in dieser Woche nämlich einer der spektakulärsten Fluchten aus dem Lager gedacht. Sie trug sich vor 80 Jahren zu, am 20. Juni 1942:  Gemeinsam mit drei Mitgefangenen hatte sich der polnische Häftling Kazimir Piechowski Uniformteile aus der Kleiderkammer der SS "organisiert". An besagtem 20. Juni gelangten Kazimir Piechowski, Stanislaw Jaster, Jozef Lempart und Eugeniusz Bendera in ihren SS-Uniformen in das Auto des SS-Hauptsturmführers Paul Kreuzmann, ein Steyr 220. Sie fuhren los und erreichten am Lagertor durch gebrüllte deutsche Befehle die Durchfahrt in die Freiheit.

Der SS setzte diese dreiste und erfolgreiche Flucht monatelang zu, die Häftlinge im Lager wurden durch die Bloßstellung der SS und die Tapferkeit der Geflüchteten über viele Tage ermutigt.

Spontan entschlossen sich die Manager und Meister aus den Volkswagen-Standorten zum 80. Jahrestag sowohl die Tapferkeit der Geflüchteten als auch den Mut und den Lebenswillen aller Auschwitz-Häftlinge zu ehren. Mit ihrer Plakataktion im Stammlager Auschwitz I, unweit der Stelle, an der die Flucht stattgefunden hat, wollen sie aber auch Stellung beziehen gegen Rassismus und antisemitischen Hass heute, der immer noch viele Köpfe vergiftet. So betont André Popp aus dem Werk Emden: "Gerade in der jetzigen Zeit ist unsere Haltung gefragt und notwendig." Und Dirk Naumann aus Wolfsburg fügt hinzu: "Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau führt uns vor Augen, wie wichtig die Erinnerung an das hier Geschehene gerade angesichts der politischen Entwicklung in vielen Ländern ist." Dietrich Schneider aus Kassel sagt: "Auch deswegen bin ich froh, dass sich Auszubildende von Volkswagen hier in Oswiecim aktiv für die Erhaltung der Gedenkstätte Auschwitz engagieren können."

Hintergrund der Fahrt nach Auschwitz: Volkswagen engagiert sich seit mehr als drei Jahrzehnten für den Erhalt der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Das Engagement begann vor fast 35 Jahren, im Dezember 1987, als Seminar mit Wolfsburger VW-Auszubildenden in Auschwitz. Was seither daraus erwuchs, ist einzigartig in der deutschen Unternehmenslandschaft. Inzwischen haben Tausende deutsche und polnische Jugendliche in Hunderten Projekten gemeinsam für und in der Gedenkstätte gearbeitet. Seit rund 15 Jahren sind auch die Meister und Manager dabei – Hunderte von ihnen waren seit 2007 in Dutzenden Projekten in Auschwitz unterwegs und haben sich für Erinnerung und Verantwortung eingesetzt - so wie die Gruppe auf dem Foto zu diesem Artikel hier.

Zu sehen sind darauf (v.l.): Sebastian Westermann (BS), Florian Albrot (WOB), Andrè Popp (EMD), Olaf Stindl (WOB), Andreas Zenk (H), Oliver Reimann (WOB), Jens Melsa (WOB), Matthias Roelfsema-Martini (EMD), Dietrich Schneider (KS), Dirk Naumann (WOB), Ines Doberanzke-Milnikel (WOB) und Christoph Heubner (IAK).