Mehr als 20.000 Menschen zeigen: Die AfD ist in Braunschweig nicht willkommen!

#wirsindmehr
97 Nationalitäten im VW-Stammwerk: Bernd Osterloh steht in der ersten Reihe der Demo mit dem Plakat, das er auch bei seiner Rede zeigte.
#fckafd
30.11.2019

Braun? Schweig! Mit einem breiten Bündnis sind am Samstag tausende Menschen auf den Schlossplatz in Braunschweig gezogen. Sie zeigten der AfD eindrucksvoll: Wir sind mehr!

Die sogenannte Alternative für Deutschland hat sich am Samstag in Braunschweig für ihren Bundesparteitag versammelt. Rund um ihren Versammlungsort, der auf Initiative des VW-Betriebsrates an dem Wochenende nicht mehr "Volkswagen Halle" hieß, bewiesen mehr als 20.000 Menschen, dass die AfD nicht willkommen ist und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung die Positionen der Partei ablehnt.

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz trat Volkswagens Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh als einer der Redner ans Mikrophon.

Hier ist das Manuskript seiner Rede dokumentiert:

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Liebe Braunschweigerinnen und Braunschweiger,
liebe Bürgerinnen und Bürger aus der Region,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

was ich hier heute sehe, ist ein starkes Zeichen!

Hier stehen locker 15.000, wahrscheinlich eher 20.000 Menschen - vielleicht sogar noch mehr. Und zwar als wirklich breites Bündnis, quer durch die Gesellschaft!

Auf dem Weg hierher habe ich sehr viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gesehen.

Aber auch Politikerinnen und Politiker aus der Region sind hier, Verbandsvertreter und Organisationen. Viele mit Fahnen und Plakaten.

Hier sind Kulturschaffende, Schülerinnen und Schüler, Sportvereine. Und viele andere.

Das ist echt stark!

Das macht mich stolz!

Denn hier zeigen heute tausende Menschen gemeinsam:

Die AfD ist in Braunschweig nicht willkommen!

Ich spreche hier heute als Vertreter des Betriebsrats von Volkswagen, als Sozialdemokrat und als IG Metaller.

Ich spreche aber auch als Sohn dieser Stadt und als jemand, der in dieser Region zuhause ist.

Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg – das ist eine Region, die von Volkswagen geprägt ist. Und damit auch von den Werten unseres Unternehmens.

Ich habe hier etwas mitgebracht.

Das ist eine Weltkarte.

Auf ihr ist folgendes zu sehen:

Allein bei uns im Werk Wolfsburg arbeiten 97 Nationalitäten zusammen.
Sieben – und – neunzig !

Von überall auf der Erde.

Allein schon deshalb ist Vielfalt eine der Stärken bei Volkswagen.

Und eine Stärke unserer Region!

Und das hat Volkswagen auch zu dem gemacht, was das Unternehmen heute ist.

Die AfD steht für das Gegenteil. Die AfD steht nicht für Vielfalt.

Die AfD behauptet, dass Vielfalt schlecht sei für Deutschland.

Die AfD befeuert Ängste vor Geflüchteten und anderen Menschen in Not, die aus dem Ausland zu uns kommen. Sie schürt Ängste vor dem Islam.

Diese Menschen passen angeblich nicht hierher und nehmen uns etwas weg, sagt die AfD.

Wir bei VW haben da ganz andere Erfahrungen.

Diese Hetze aus der AfD überrascht einen aber nicht mehr.

Wir als Betriebsrat haben uns in der Debatte um die Nutzung der Volkswagen Halle eindeutig positioniert.

Wir stehen für Werte wie Respekt, Toleranz, Vielfalt und partnerschaftliches Miteinander.

Und die AfD?

Hetze, Angstmacherei und platte Antworten ohne echte Lösungen – das gehört zum Programm dieser Partei.

Dazu passt, dass die Spitze der AfD ganz offen sagt, Rechtsextreme hätten einen Platz in der Mitte der Partei.

Jene Rechtsextreme, die meinen, dass nicht alle Menschen gleich viel wert sind.

Rechtsextreme, die meinen, dass man Menschen nach irgendeiner Wertigkeit sortieren könnte.

Zum Beispiel nach Herkunft, Hautfarbe oder Religion.

Danach, wen sie lieben. Oder ob sie eine Behinderung haben oder nicht.

Auch das, Kolleginnen und Kollegen, richtet sich gegen unsere Grundwerte bei Volkswagen.

Volkswagen steht für Toleranz.

Die Menschen dieser Region stehen für Toleranz.

Wir lassen uns von Hetze und Intoleranz nicht spalten!

Es gibt noch einen Punkt, an dem wir bei Volkswagen klare Kante gegen die AfD zeigen.

Und das ist unsere Erinnerungskultur.

Aus der Spitze der AfD heißt es:

Hitler und die Nazis seien angeblich nur ein Vogelschiss in der deutschen Geschichte.

Ein Vo – gel – schiss.

Kolleginnen und Kollegen,
liebe Bürgerinnen und Bürger,

in der Zeit von Hitler und den Nazis hat Volkswagen seine Wurzeln.

Und deswegen gehören Erinnerung und Verantwortung bei VW zur Unternehmenskultur.

Darauf bin ich stolz!

Wir pflegen diese Kultur seit über drei Jahrzehnten.

Unser Management fährt nach Auschwitz.

Unsere Meisterinnen und Meister fahren dorthin.

Und besonders unsere Auszubildenden.

Denn für uns bei Volkswagen sind Hitler und die Nazis kein Vogelschiss.

Und das gilt auch für die überwältigende Mehrheit in Deutschland!

Unsere Geschichte ist für uns Verpflichtung, sich zu erinnern und Verantwortung zu tragen.

Und zwar jeden Tag.

Für uns bei VW gehört das zur Unternehmenskultur.

Und zu der gehören auch Vielfalt, Respekt und Toleranz.

Das ist für uns ein moralischer Kompass!

Politiker, die sich offen gegen diese Werte stellen, die haben bei uns nichts verloren.

Und daher hat die AfD in einer Volkswagen-Halle nichts verloren.

Und deshalb heißt sie dieses Wochenende auch nicht mehr so.

Weil wir uns dafür starkgemacht haben.

Der Reflex der AfD war absehbar:

Sie behauptet jetzt mal wieder, das Opfer zu sein.

Die AfD fühlt sich ausgegrenzt. Ausgerechnet die Ausgrenzer-Partei AfD.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
Kolleginnen und Kollegen,

um das hier ganz klar zu machen:

Die AfD ist nicht verboten.

Das mag einem passen oder nicht.

Und der AfD ist es nicht verboten, die Grenzen in unserer Demokratie auszutesten.

Ich will hier nicht über alle Wählerinnen und Wähler der AfD urteilen. Ich will sie schon gar nicht über einen Kamm scheren.

Aber Fakt ist: Führende Funktionäre der AfD wollen die Grenzen in unserer Gesellschaft verschieben.

Grenzen zwischen Meinungsfreiheit und Volksverhetzung!

Und solchen Politikerinnen und Politikern müssen wir klare Kante zeigen.

Eine Demokratie muss das leisten.

Neben der Zivilgesellschaft sind dabei auch die anderen Parteien gefragt.

Die anderen Parteien müssen stärker überzeugen.

Wir bei Volkswagen müssen es uns dabei auch gefallen lassen, dass diese Partei im politischen Wettbewerb zum Boykott unserer Produkte aufruft.

Aber erpressen lassen wir uns davon nicht!

Generell gilt: Wir wollen eigentlich immer jeden Kunden von unseren Fahrzeugen überzeugen. Egal, welche Partei er wählt.

Da sind wir grundsätzlich unpolitisch.

Aber diese Neutralität hat ihre Grenzen.

Weil wir nämlich nicht gleichgültig sind!

Und daher sage ich ganz klar:

Herr Höcke von der AfD meint, dass wir uns mit dem Holocaust-Denkmal in Berlin ein „Denkmal der Schande“ ins Herz der Hauptstadt gepflanzt haben.

Und für Herrn Gauland von der AfD sind Hitler und die Nazis sowieso nur ein Vogelschiss.

Und Herr Gauland meint auch, dass Herr Höcke in der Mitte der Partei steht.

Ich weiß ja nicht, welche Autos diese beiden Herren fahren und welche sie vielleicht noch kaufen wollen.

Aber ich weiß: Wenn ich ein VW-Autohaus hätte, dann wäre für mich klar:

Auf solche Kunden würde ich bestimmt verzichten!

Die könnten mir mal gestohlen bleiben!

Und daher heißt es für uns heute und in Zukunft:

Überall dort, wo sich die AfD nicht klar abgrenzt gegen extreme Positionen aus ihren Reihen, da werden wir das übernehmen.

Deshalb gilt für Volkswagen, heute und in Zukunft:

Wer mit rechtsextremen Parolen andere ausgrenzen will, dem zeigen wir seine Grenzen auf!

Das machen wir bei uns, innerhalb des Werkszaunes.

Und auch außerhalb. So wie heute hier!

Ohne Wenn und Aber.

Dankeschön!

Danke für das klare Zeichen hier heute!