Tarifverhandlung für die Zukunft

27.01.2015

Hartwig Erb, Erster Bevollmächtigter, IG Metall Wolfsburg: Wolfsburg - Die Forderungen der IG Metall in den laufenden Tarifverhandlungen für die 115 000 Beschäftigten der Volkswagen AG und Financial Services liegen auf dem Tisch: 5,5 Prozent mehr Geld, die Zahl der Auszubildenden soll auf 1400 erhöht werden und die Gewerkschaft fordert zudem den Gesprächsbeginn für einen „Zukunftsplan Gute Arbeit“.

Tarifverhandlungen gehören zu den ureigensten Aufgaben der Gewerkschaft.  Niedrige Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen und kaum eine Perspektive für die Zukunft waren die Wurzeln der Arbeiterbewegung. Freiwillig haben die wenigsten Fabrikbesitzer in vorigen Jahrhunderten etwas zur Verbesserung der Situation der Arbeiter geleistet – der Profit stand im Vordergrund. Das sehen viele Unternehmer, Manager und Aktionäre vom Grundsatz her auch heute noch so – das sollten wir bei allem Wohlstand nicht vergessen.

Heute hat sich sicher einiges geändert, das muss ich euch nicht sagen. Aber ich möchte daran erinnern, dass Gewerkschaften treibende Kraft waren und sind: Ob es um eine faire und gerechte Bezahlung geht, um  Arbeitszeitverkürzung, den Urlaubsanspruch, die Gesundheit am Arbeitsplatz, die Qualifizierung und und und ….

Wir alle wissen, die Arbeitsbedingungen bei Volkswagen sehen in vielen Punkten besser aus als in anderen Unternehmen – der Gewinn sieht aber auch besser aus als in vielen anderen Unternehmen! Das hat viel mit eurer Leistung zu tun und die soll angemessen honoriert werden. Das gilt nicht nur für die Bezahlung.

Wenn wir heute Gespräche für einen „Zukunftsplan Gute Arbeit“ einfordern, dann hat das gute Gründe.Selbstverständlich sprechen wir jederzeit mit der Arbeitgeber-Seite auf allen Ebenen über gute Arbeitsbedingungen. Doch in einer Zeit, in der demografischer Wandel, Digitalisierung und Globalisierung Schlüsselwörter für die Zukunft der Arbeitswelt sind, hat die Verpflichtung zur Erarbeitung eines Zukunftsplanes noch einmal ein ganz anderes Gewicht.

Ich möchte daran erinnern: Ohne Gewerkschaft gäbe es keine Mitbestimmung. Wer würde eure Interessen vertreten? Die kleinen Spartenvertretungen mit wenigen Mitgliedern? Die Splittergruppen ohne weittragendes Programm und ganz ohne Mitglieder? Oder gar jeder Einzelne für sich selbst?

Täuscht euch nicht  – ohne einen starken Betriebsrat mit einer starken IG Metall im Rücken wäre Volkswagen kein so attraktiver Arbeitgeber. Ob von Politikern oder Wirtschaftswissenschaftler, immer wieder wird zu Recht betont, dass der Erfolg des Unternehmens Volkswagens ohne starke Mitbestimmung nicht vorstellbar wäre.

Doch eine Gewerkschaft kann immer nur so stark sein wie ihre Mitglieder. Die IG Metall Wolfsburg ist mit mehr als 87 000 Mitgliedern die größte Verwaltungsstelle Deutschlands. Diese Stärke müssen wir dem Unternehmen gegebenenfalls demonstrieren.  Dazu hat uns der Gesetzgeber das Recht auf Warnstreiks gegeben.

Sollte Volkswagen kein akzeptables Angebot vorlegen, dann werden wir, die IG Metall, nach dem Ende der Friedenspflicht zum Warnstreik aufrufen – im Fall von Volkswagen endet die Friedenspflicht am 1. März. 

Ich hätte nichts dagegen, wenn wir keine Warnstreiks organisieren müssen – aber dann muss das Angebot stimmen. Es geht bei dieser wie bei allen Tarifverhandlungen nicht nur um mehr Geld, es geht immer auch um die Zukunft, um eine starke Mitbestimmung,  die eure Interessen gut vertreten kann.