US-Belegschaft stimmt knapp gegen UAW - Osterloh kritisiert Management

Eine der vielen Anti-UAW-Werbungen in Chattanooga.
15.06.2019

Die Beschäftigten im US-Werk Chattanooga werden nicht von der Gewerkschaft UAW vertreten. Die Wahl dazu verlief allerdings unter äußert unerfreulichen Vorzeichen.

Die Kolleginnen und Kollegen im US-Werk Chattanooga haben sich mit knapper Mehrheit gegen eine Vertretung durch die Gewerkschaft UAW entschieden. Sie stimmten mit 833 zu 776 Stimmen gegen den Vorschlag, sich künftig am Standort Chattanooga (Tennessee) von der UAW repräsentieren zu lassen. Damit fehlten 29 Stimmen für eine Mehrheit. Das sind 1,8 Prozent der Wählerschaft.

Chattanooga bleibt damit das einzige VW-Werk ohne eine betriebliche Interessenvertretung für die Belegschaft. Im Vorfeld der Wahl hatte es eine massive gewerkschaftsfeindliche Kampagne gegen die UAW gegeben. Außerdem erhielt der vom Weltkonzernbetriebsrat entsandte Wahlbeobachter Johan Järvklo keinen Zutritt ins Werk.

Bernd Osterloh, Konzernbetriebsratsvorsitzender und Präsident des VW-Weltkonzernbetriebsrates, hat mit folgender Stellungnahme auf das Wahlergebnis und die Ereignisse der vergangenen Tage reagiert:

„Die Wahl der Kolleginnen und Kollegen in Chattanooga lief unter äußerst unerfreulichen Vorzeichen ab, die überhaupt nicht zu Volkswagen und zu unserer weltweit gelebten, fairen Mitbestimmungskultur passen. Interessierte Kreise haben gezielt Stimmung gemacht gegen die UAW. Sie haben die Belegschaft mit Schauermärchen eingeschüchtert und Ängste geschürt. Diese Art der Politik mag vor dem Werkstor eine Sache sein, allerdings hat sich diese Negativatmosphäre auch im Werk fortgesetzt. Und dazu sage ich ganz klar: Das Management hat es einfach nicht im Griff gehabt, in Chattanooga die nötige Neutralität für eine faire Wahl zu gewährleisten. Dass unser Wahlbeobachter Johan Järvklo als Organmitglied und zuständiger Generalsekretär nicht einmal einen Fuß ins Werk setzen durfte, zeigt dabei nur die Spitze des Eisbergs. Wir analysieren jetzt in Ruhe die Unzulänglichkeiten und werden daraus Konsequenzen ziehen. Fest steht aber schon jetzt: Heute ist ein schlechter Tag für die Volkswagen-Familie und ihre Kultur.“