Wie geht es bei VW und in Deutschland wegen Corona nun weiter?

Kurzarbeit: Ruhe vor Tor Nord.
24.03.2020

Die Herausforderung unserer Gesellschaft durch das Coronavirus stürzt viele Menschen in Sorge darüber, was kommt. Auch bei uns bei Volkswagen ist die Sicht nach vorne undeutlich.

Klar ist, dass die Produktion und Teile des indirekten Bereichs bis einschließlich 5. April in Kurzarbeit sind. Und dass mehrere zehntausend Kolleginnen und Kollegen im Home Office arbeiten.

In den letzten Tagen haben einige wichtige Vertreter von VW, aus der Politik und aus der Wissenschaft Einschätzungen dazu abgegeben, wie sie die Krise und die weitere Entwicklung beurteilen. Hier eine Übersicht:

Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh in der „Braunschweiger Zeitung“

„Die Situation könnte für die Unternehmen noch dramatischer werden als in der Finanzkrise 2008 und 2009…Dieses Mal wird es nicht einfach, das ist nicht allen klar.“

Vorstandschef Herbert Diess in einem Brief an Belegschaft

„Die meisten unserer Werke schließen in diesen Tagen zunächst für 2 Wochen, in einigen Regionen für 3 Wochen. Es ist wahrscheinlich, dass die Maßnahmen länger andauern werden. Die Ausbreitung des Virus wird voraussichtlich auch in mehreren Wochen nicht zum Stillstand gekommen sein, sodass wir uns darauf einstellen müssen, dass wir noch lange mit der Bedrohung leben müssen - bis wirksame Medikamente oder eine Impfung verfügbar sein werden.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil auf Bild.de

„Gelingt es uns, die Infektionszahlen runterzubekommen, können wir vielleicht nach Ostern anfangen, wieder langsam und stufenweise die Systeme hochzufahren. Wir werden uns herantasten“, sagte Weil am Montag in „BILD live“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vergangenen Woche in der „Süddeutschen Zeitung“

"Das wird eher viele Monate so gehen als viele Wochen", sagte Spahn vor allem mit Blick auf den Schutz von Älteren und Schwächere: "Da müssen wir klar miteinander sein in der Gesellschaft." Was die Dauer der Einschränkungen des öffentlichen Lebens angeht, verwies Spahn darauf, dass etwa die Schließung von Kitas, Schulen und Geschäften gerade erst wenige Tage in Kraft sei. "Bis sich das in den Statistiken überhaupt bemerkbar machen kann, braucht es eher 10, 14 Tage als weniger." Mit den Bundesländern sei abgesprochen, dass nach Ostern gemeinsam geschaut werde, wie es mit den Einschränkungen weitergehe.

Der Virologe Christian Drosten in der ZEIT

„Wir müssen vielleicht davon ausgehen, dass wir gesellschaftlich ein Jahr im Ausnahmezustand verbringen müssen. Aber man wird wahrscheinlich nicht alle Maßnahmen genauso weiterführen, wie man sie jetzt gestartet hat. Man wird nachjustieren können und müssen. Man muss dann einzelne Dinge zurückfahren. Aber während der ersten Phase von jetzt bis zur Woche nach Ostern muss man wirklich konsequent handeln und gleichzeitig die Fallentwicklung beobachten.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler

„Wir haben ein exponentielles Wachstum. Wir sind am Anfang eine Epidemie, die noch viele Wochen und Monate unterwegs sein wird.“

Der Virologe Alexander Kekulé von der Uniklinik Halle in seinem Podcast

Mit Blick auf China, wo in Wuhan zuletzt keine Neuinfektionen festgestellt worden war, erklärte er, das zeige, dass man die Coronavirus-Erkrankung mit „klassischen antiepidemischen Maßnahmen in den Griff bekommen“ könnte.

Also durch Einreisebeschränkungen, die Isolation von Kranken und Quarantäne von Kontaktpersonen. Maßnahmen, die auch Deutschland trifft. „Und das kriegen wir schneller hin als die Chinesen“, sagte Kekulé. Und weiter: „Vielleicht schaffen wir, das in sechs Wochen hinzukriegen. … Das ist natürlich eine Schätzung. Aber ich würde mal sagen, wenn wir erfolgreich (mit diesen Maßnahmen) sind, könnte es sein, dass wir das Ding in sechs Wochen im Griff haben.“

Der Aktienanalyst und VW-Experte Frank Schwope von der NordLB in der Fachzeitschrift „Der Aktionär“

“Letztlich gilt die Hoffnung, dass der Höhepunkt der weltweiten Krise spätestens im Sommer erreicht ist und in der zweiten Jahreshälfte Aufholeffekte möglich sind. Immerhin wird in China die Produktion in den Werken vieler Automobil-Konzerne sukzessive wieder hochgefahren.”