Wir sind die VW-Familie

Bundesweite Protestaktionen der IG Metall-Vertrauensleute und Betriebsräte im VW-Konzern

09.07.2026 | Unter dem Motto „Vereint für unsere Zukunft kämpfen" haben Vertrauensleute und Betriebsräte der IG Metall an allen Standorten des Volkswagen-Konzerns in ganz Deutschland ein gemeinsames Zeichen gegen vorstandsgetriebene Debatten um Werksschließungen und Job-Kahlschlag gesetzt.

Fotos: Heiko Stumpe

Daniela Cavallo spricht zu den Protestierenden.

In Wolfsburg beteiligten sich rund 500 Metallerinnen und Metaller an der Aktion. Arbeitnehmervertretungen der Kernmarke Volkswagen sowie bei Audi, Porsche, MAN, CARIAD und weiteren Unternehmen unter dem Dach des Konzerns positionierten sich damit klar gegen die in den vorausgehenden Wochen über die Medien bekannt gewordenen Brutalo-Pläne der Konzernspitze.

Auslöser der bundesweiten Aktionen waren Berichte über das Ausmaß der Vorstandspläne: Bis zu 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze weltweit sollen laut übereinstimmenden Medienberichten dem Sparkurs der Konzernspitze um Vorstandschef Oliver Blume zum Opfer fallen – ein Volumen, das selbst das vorherige Sparprogramm noch einmal deutlich übersteigen würde. Vier deutsche Werke – Emden, Hannover, Zwickau und Neckersulm sollen demnach zudem geschlossen werden.

Daneben sorgt ein weiterer Punkt der Vorstandspläne für erhebliche Unruhe in den Belegschaften: Berichten zufolge erwägt die Chefetage um Oliver Blume, die Kernmarke Volkswagen und Teile der Komponentenfertigung aus der bestehenden Konzernstruktur der Volkswagen AG herauszubrechen und in eigenständige Gesellschaften zu überführen. Das wäre ein beispielloser Versuch, die besonderen Mitbestimmungsrechte und die Sperrminorität des Landes zu unterlaufen, die im VW-Gesetz verankert sind.

In Wolfsburg sprach während der Aktion auch die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner: „Im ganzen Land haben die Kolleginnen und Kollegen heute die klare Ansage gemacht: So nicht! Sie haben geackert, sie haben Zugeständnisse gemacht. Statt sich diese Leistung zum Vorbild zu nehmen, konfrontiert der Vorstand die Beschäftigten mit neuen Abbauplänen. Die Wut und Verunsicherung, die dadurch entsteht, ist verständlicherweise groß. Es braucht neue Ideen und Konzepte, wie die Werke ausgelastet werden. Synergien zwischen den Marken müssen endlich ausgeschöpft werden, Produkte zukunftsfest geplant werden. Die Politik wiederum muss mit konsequenter Industriepolitik und Schutz vor unfairem Wettbewerb für die besten Voraussetzungen sorgen.“ 

Die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo erklärte: „Zehntausende Kolleginnen und Kollegen bei uns haben Angst um ihre Zukunft. Und zwar ganz konkret darum, wie es mit dem eigenen Arbeitsplatz weitergeht, aber auch um die Zukunftsfähigkeit von Volkswagen. Für sie reiht sich mit Blick in die Medien seit Wochen eine Negativ-Schlagzeile an die andere. Fast immer geht es dabei nur um Werksschließungen und einen Stellenabbau von historischem Ausmaß. Das macht etwas mit der Seele der Belegschaft. Der Konzernvorstand lässt all das laufen, anstatt sich vor die Belegschaft zu stellen und mit guter eigener Arbeit endlich mal dafür zu sorgen, dass die Öffentlichkeit Volkswagen als Antrieb für die Mobilität der Zukunft begreift und nicht als Totengräber für die eigenen Standorte. Umso dankbarer bin ich für die Aktionen vom heutigen Donnerstag, die als Signal der Geschlossenheit von all unseren Standorten ausgehen: Betriebsräte und Vertrauensleute stehen bereit, um den Vorstand wo nötig in die Schranken zu weisen und zusammen mit der Belegschaft an seine eigentlichen Aufgaben zu erinnern.“

Thorsten Gröger, IG Metall-Verhandlungsführer für den Volkswagen-Haustarifvertrag, untermauert: „Die Kommunikation des Vorstandes ist ein Desaster. Die Belegschaften unmittelbar vor dem Werksurlaub mit solcher Unsicherheit alleine zu lassen, ist verantwortungslos und unanständig. Die bestbezahlten Vorstände des Landes sollten sich an ihren eigenen Worten messen lassen: Es gibt klügere Lösungen als Werksschließungen. Wir pochen auf die Einhaltung von Investitionszusagen, innovative Produkte, die besten Modelle am Markt, weniger Bürokratie in Entscheidungsprozessen und echte Synergien im Konzern. Das Signal des heutigen Tages ist klar: Wir werden uns mit aller Kraft gegen jeden Angriff auf die Mitbestimmung, die Belegschaften des Volkswagen-Konzerns und unsere Werke wehren. Unsere stärkste Marke ist die Solidarität – ein Angriff auf einen von uns ist ein Angriff auf uns alle!“

Die IG Metall betont, sie habe sich sinnvollen Effizienzmaßnahmen nie verweigert. Seit Jahren fordert die Gewerkschaft klügere, markenübergreifende sowie eine stringentere Konzernsteuerung. Erneut geführten Werksschließungsdebatten erteilt die Gewerkschaft eine klare Absage. Die Beschäftigten der Marken quer durch den Konzern haben in den vergangenen Jahren bereits durch anteiligen Tarifverzicht Milliardenbeträge an Kosteneinsparungen mitgetragen. 

Die Gewerkschaft wird den Druck in der zweiten Jahreshälfte notfalls weiter erhöhen, sollte der Vorstand an seinen Plänen festhalten. Ein heißer Herbst steht bevor.

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