Oberste Metallerin macht Ansage

Christiane Benner: "Eine Anerkennungsprämie muss her!"

12.02.2026 | Diskussion um wundersame Geldvermehrung und Boni bei VW - Erste Vorsitzende der IG Metall positioniert sich

Christiane Benner.

In der Debatte um die wundersame Geldvermehrung bei Volkswagen und die damit verbundene Boni-Gerechtigkeit hat sich nun die oberste Vertreterin der IG Metall zu Wort gemeldet: “Vorstand und Management kassieren und die Beschäftigten verzichten? Auf keinen Fall!”, sagte die Erste Vorsitzende von Deutschlands größter Gewerkschaft, Christiane Benner, am Donnerstag. Sie argumentiert: "Wenn Geld für Boni da ist, müssen auch die Beschäftigten angemessen beteiligt werden. Sie haben geliefert, geleistet, geschwitzt, dafür haben sie Anerkennung verdient – und zwar finanziell. Eine Anerkennungsprämie muss her!“

Mit dieser unmissverständlichen Forderung reiht sich die IG Metall-Chefin ein in die Argumentation des VW-Gesamtbetriebsrates (wir berichteten). Dessen Vorsitzende Daniela Cavallo hatte betont: "Wenn jetzt alle gemeinsam in Sachen Kostendisziplin derart gut abgeliefert haben, dass der Netto-Cashflow stimmt, ist eine Anerkennungsprämie nur fair. Die fordern wir für alle Haustarifbeschäftigten – Sachsen inklusive.

Hintergrund: Bei Volkswagen schwelt ein Konflikt um die Folgen eines Ende 2025 überraschend hohen Netto-Cashflows. Diese Bilanz-Kennziffer gibt vereinfacht gesagt Auskunft über einen Kassensturz zum laufenden Geschäft. Der war zum Jahreswechsel mit plötzlich 6 Milliarden Euro Plus erstaunlich hoch ausgefallen - der VW-Konzern hatte zuvor in Aussicht gestellt, nur ungefähr die Nulllinie zu erreichen, also 6 Milliarden Euro weniger. Brisant: Am Netto-Cashflow (kurz NCF) hängen Teile der erfolgsabhängigen Extrazahlungen (Boni) für Vorstand und Management. Für die Bezahlung der VW-Haustarifbeschäftigten ist die Kennzahl dagegen irrelevant. Ihr Tarifbonus hängt vom Gewinn der Kernmarke VW Pkw und vom Gewinn der VW Nutzfahrzeuge ab. Allerdings sieht der Tarif-Kompromiss von Ende 2024, mit dem die Arbeitnehmerseite Werksschließungen und Massenentlassungen abwendete, vor, dass ein Teil des VW-Tarifbonus dieses Jahr entfällt.

Diese tarifliche Sonderzahlung besteht aus zwei Teilen: Einer knapp 1900 Euro hohen Vorauszahlung jeden November und einem erfolgsabhängigen Teil Nummer zwei, der normalerweise im Mai fließt. Im Mai diesen und nächsten Jahres muss dieser Teil zwei aber entfallen, so regelt es der Tarif-Kompromiss. Ab 2028 steigt die Mai-Zahlung dann wieder schrittweise an, bis sie 2031 wieder komplett auf 100-Prozent-Niveau ist.

Zwar verzichten auch Vorstand und Management in den kommenden Jahren auf Geld, das regelte der Kompromiss aus Dezember 2024 ebenfalls. Allerdings ist der Netto-Cashflow nun ein Treiber für einen Teil dieser Boni. Wie hoch die Boni für Vorstand und Management insgesamt ausfallen, ist unklar. Denn diese Summen hängen in ihrer Berechnungsgrundlage bei weitem nicht nur vom NCF ab. Es gibt mehrere weitere Stellschrauben, zum Beispiel die Umsatzrendite (RoS), deren Wert aber anders als der NCF bisher unveröffentlicht ist. Zum NCF hatte Volkswagen Ende Januar eine Pflichtmitteilung an die Finanzwelt schicken müssen (siehe hier), daher ist das Ergebnis für den NCF bekannt. Die übrigen Zahlen des VW-Konzerns werden für den 10. März erwartet, wenn das Unternehmen seine Bilanzpressekonferenz macht. 

Christiane Benner kennt Volkswagen gut. Bei Europas größtem Automobilhersteller sitzt sie als Vize-Vorsitzende im Aufsichtsrat. Hier in diesem Artikel äußert sie sich allerdings in ihrer Funktion als oberste Gewerkschafterin. Auch die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo ist im Aufsichtsrat des Konzerns vertreten. Dort sitzt auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der in dem Kontrollgremium auf der Kapitalseite das Bundesland vertritt, das einer der VW-Ankeraktionäre ist.

In seiner Funktion als Ministerpräsident hatte der SPD-Politiker Olaf Lies am Mittwoch Medien gegenüber gesagt: “Ich habe Verständnis für das Anliegen der Belegschaft. Volkswagen lebt vom Engagement seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn über Vergütungssysteme diskutiert wird, gehört für mich auch dazu, dass Leistung und gemeinsamer Erfolg anerkannt werden. Die konkrete Ausgestaltung ist Sache der Betriebsparteien. Ich bin zuversichtlich, dass auch hier eine verantwortungsvolle Lösung gefunden wird.”
 


Zusammenfassend lässt sich zum Stand der Dinge also inzwischen sagen:

Daniela Cavallo fordert: “Eine Anerkennungsprämie ist nur fair!”
Christiane Benner betont: “Eine Anerkennungsprämie muss her!”
und Olaf Lies ist zuversichtlich für “eine verantwortungsvolle Lösung”.

 

Und was sagt der Vorstand von Volkswagen? Einer der Sprecher dort hatte am Mittwoch auf Medienanfragen mitgeteilt: "Wie gewohnt diskutieren wir das Thema zunächst mit allen Beteiligten intern. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns bis dahin nicht weiter dazu äußern.“

Und was hält die Familie Porsche und Piëch von der ganzen Sache, die als mit Abstand größter VW-Hauptaktionär regelmäßig auch den größten Anteil der Dividende kassiert, die aus dem Cashflow gezahlt wird? Das ist noch nicht bekannt, Stellungnahmen gegenüber den Medien sind bisher noch nicht aufgetaucht …
 


Hier noch die Quelle zum Benner-Statement.

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