15.05.2026 | Das Trio mit den Spitzen von Betriebsrat und IG Metall tritt den Spekulationen über deutsche Standorte entgegen.
Wolfsburg/Hannover/Frankfurt - Die Spitzenvertreter der Arbeitnehmerseite bei Volkswagen haben sich gemeinsam zur Situation der deutschen VW-Standorte geäußert. Anlass sind die anhaltenden Spekulationen über das angeblich geplante Aus für mehrere Fabriken und weitere, vermeintlich verschärfte Sparvorhaben des Vorstandes - bis hin zu Gedankenspielen über einen Einstieg chinesischer Partner in die Fertigungskapazitäten deutscher VW-Fabriken.
In der gemeinsamen Stellungnahme erklärt das Trio, bestehend aus
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall,
Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG,
und Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie Verhandlungsführer des VW-Haustarifs,
das Folgende:
"Die Tarifvertragsparteien bei Volkswagen haben sich Ende 2024 auf einen umfangreichen Tarifkompromiss geeinigt, wie es ihn im Unternehmen seit rund 30 Jahren nicht gegeben hatte. Bekanntermaßen verknüpft diese Einigung mehrere Kernelemente: Einerseits sind da für die Belegschaft weitreichende Perspektiven mit Zukunftsprodukten an den deutschen VW-Standorten in Verbindung mit einer unkündbaren Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 sowie andererseits für die Arbeitgeberseite milliardenschwere Entlastungen bei den Arbeitskosten.
Der Kompromiss verlangt beiden Seiten viel ab. So ist er für die Kolleginnen und Kollegen mit spürbaren, wenn auch überwiegend nur temporären finanziellen Einschnitten verbunden. Die Arbeitgeberseite dagegen musste von den ihrerseits bis zum Ende der Verhandlungen favorisierten Werksschließungen und Massenentlassungen vollständig Abstand nehmen. Seit der Einigung sind dennoch insbesondere bei den Fabrikkosten und beim Stellenabbau Fortschritte erzielt worden, die die Ergebnisse aus ähnlichen Effizienzprogrammen wie etwa dem Zukunftspakt im Jahr 2016 weit in den Schatten stellen.
Gleichzeitig wahrt der Dezember-2024-Abschluss die unverrückbare Volkswagen-DNA, wonach Beschäftigungssicherung und Wirtschaftlichkeit gerade auch in heftigen Krisenzeiten gleichrangige Unternehmensziele sind, auf die die Betriebsparteien gleichermaßen einzahlen. Und selbstverständlich ist diese Einigung jetzt nicht infrage zu stellen. Das macht auch der Vorstand nicht. Denn an der Grundlage hat sich aktuell nichts geändert - ebenso wenig wie an den roten Linien der Arbeitnehmerseite, die für die Zukunft weiter Bestand haben: Werksschließungen wird es mit uns als Gesamtbetriebsrat und IG Metall nicht geben! Natürlich bleiben alle Standorte erhalten. Und falls die Geschäftsmodelle dafür absehbar nicht mehr vollständig tragen sollten, müssen eben neue her.
Wobei auch dann völlig klar wäre: Neue Geschäftschancen in anderen industriellen Feldern kommen für uns nicht infrage, um damit bestehende Zusagen aus der 2024er-Einigung zu ersetzen. Es könnte dabei allenfalls um Ergänzungen gehen - als zusätzliche neue Standbeine für unsere Standorte. Sollten sich derartige Felder auftun - sei es unter Konzerndach oder mit externen Partnern - wird die Arbeitnehmerseite das ergebnisoffen prüfen. So wie sie es immer schon tat. Beispiele wie die MAN/Scania-Integration, Teilbörsengänge bei Traton und Porsche oder auch Verkäufe einzelner Unternehmensteile beweisen immer wieder, dass Betriebsrat und Gewerkschaft bei Volkswagen keine ideologischen Scheuklappen haben. Unsere Leitplanken sind stets dieselben: gute Arbeit, Zukunftsperspektiven und sichere Beschäftigung für unsere Kolleginnen und Kollegen. Was darauf einzahlt, hat unsere vollste Unterstützung. Was dem zuwiderläuft, werden wir auch in Zukunft mit aller Härte bekämpfen."
Zu den Szenarien für einen Export von VW-Modellen aus China nach Europa oder für eine Kooperation mit chinesischen Partnern in deutschen VW-Fabriken hat sich zudem jüngst VW-Markenchef Thomas Schäfer bei einem Kongress der "Financial Times" geäußert. Dort sagte er sinngemäß, dass eine derartige Konstellation aktuell wegen der starken Position und der starken Produktpalette der VW-Kernmarke auf dem Heimatkontinent keinen Sinn ergäbe - und dass zudem bisher auch keine Gespräche über VW-Fabrikkapazitäten mit Interessenten aus China liefen.