27.09.2026 | VW-Betriebsratsvorsitzende fordert in Rede bei DGB-Aktionstag Kurskorrektur von Vorständen und Politik
Mit unserer Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzenden Daniela Cavallo hat sich eine VW-Stimme an den Reden beim bundesweiten Aktionstag des Deutschen Gewerkschaftsbundes beteiligt. Daniela sprach am Samstag vor rund 15.000 Menschen in Hannover. Die Kundgebung in der niedersächsischen Landeshauptstadt war Teil einer insgesamt 15 Großstädte umfassenden Aktionstags-Reihe, mit der der DGB gegen Sozialabbau mobilisierte. 175.000 Menschen waren dabei auf der Straße. Der bundesweite Aktionstag stand unter dem Motto “Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.”
Daniela sagte anlässlich des Aktionstages in Hannover: "Auch bei uns – vom Hersteller bis zum Zulieferer – fährt die Arbeitgeberseite längst massive Angriffe auf Beschäftigte und Mitbestimmung. Ihre giftige Rhetorik stempelt unsere Kolleginnen und Kollegen ab als zu teuer, zu faul, zu oft krank – oder gleich alles zusammen. Das muss enden! Egal ob Pflege, Handwerk, Bildung, Dienstleistung oder Industrie: Wir abhängig Beschäftigten halten das Land am Laufen! Eine Korrektur braucht es daher nicht für unsere Sozialstandards, sondern für den Kurs der Unternehmensspitzen und der Politik. Dafür lasst uns alle gemeinsam kämpfen!"
Hier geht es zur Pressemitteilung des DGB Niedersachsen, hier zur Gesamtschau des DGB auf den bundesweiten Aktionstag.
Unter dem folgenden Link entzaubert der DBG neun Mythen über den angeblich zu teuer gewordenen Sozialstaat:
→ Starker Sozialstaat mit starken Sozialversicherungen | DGB
Hier noch einige Auszüge aus Danielas Rede in Hannover:
“Ich habe also eine Botschaft an uns alle. An uns alle, die wir als abhängig Beschäftigte täglich unser Bestes geben. Und die dafür ein paar Dinge, verdammt noch mal, verdient haben: Nämlich Wertschätzung, Respekt, anständige Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen! Und verdammt noch mal nicht das Gegenteil. Nämlich von Arbeitgeberseite als zu teuer, zu faul, zu inkompetent und zu oft krank beschimpft zu werden. Euch allen möchte ich heute die Botschaft zurufen: Ihr habt es Euch verdient, dass dieses Land sich wieder stärker um Euch dreht. Dass Ihr wieder stärker im Mittelpunkt steht!”
(…)
"Ihr werdet das alle mitbekommen haben: Im VW-Konzern haben wir es mit einer Kampfansage von Vorstand und Kapitalseite zu tun. Es geht um Werksschließungen, um riesigen Stellenabbau und um Angriffe auf praktisch alles, was wir uns bei Volkswagen an tariflichen und sozial Standards über Jahrzehnte erkämpft haben."
(…)
"Eigentlich müsste man sich als Arbeitgeberseite in solchen Krisenzeiten auf die Sozialpartnerschaft besinnen. Man müsste sich vor Augen halten, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland immer dann am besten durch stürmische Zeiten gekommen sind, wenn sie sich zusammengerauft haben. Ein echter Standortvorteil war das lange. Bei Volkswagen erleben wir derzeit eine Abkehr von dieser jahrzehntealten Spielregel. Und wir sind damit nicht alleine. Landauf, landab ist das so. Nur ein Beispiel noch aus unserer Branche: Bei unseren Kolleginnen und Kollegen von Mercedes drohen die Arbeitgeber völlig unverhohlen damit: Entweder, die Belegschaft leistet in Zukunft dauerhaft unbezahlte Mehrarbeit – oder der Vorstand macht hierzulande halt zwei Werke dicht. Bei uns im VW-Konzern ist das eigentlich ganz ähnlich: Der Vorstand bedroht vier Fabriken mit dem Aus: Das Nutzfahrzeug-Werk hier in Hannover-Stöcken, aber auch die VW-Fabriken Emden und Zwickau und das Audi-Werk in Süddeutschland in Neckarsulm. Egal, ob Mercedes oder VW, das Prinzip ist überall dasselbe: Im Strudel der Krise will man mal eben unsere Rechte als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aushebeln, Standards senken, Erkämpftes schleifen und am liebsten Wertschöpfung ganz ins Ausland verlagern. Und im politischen Berlin stößt das bei vielen Abgeordneten auf Gegenliebe. Die denken sich: Na, ist doch ein perfektes Umfeld, um mal ein paar Dinge zurückzudrehen. Daher läuft hier inzwischen ein Angriff auf unsere Errungenschaften, Kolleginnen und Kollegen, der ein Angriff auf uns alle ist. Egal, welche Branche. Egal, welcher Beruf. Egal, welche Gewerkschaft die Interessen vertritt. Es geht um einen Angriff auf unsere Arbeitszeiten, unsere Arbeitsbedingungen, auf unsere Gesundheit, auf unser Entgelt-Niveau und auf unsere Rente. Und das macht mich wahnsinnig wütend, Kolleginnen und Kollegen.
Es macht mich so wütend, weil ich es als einen echten Verrat empfinde. Ich muss das so klipp und klar sagen. Weil es genau das ist. Die Arbeitgeberseite hat den Anstand verloren. Und große Teile der arbeitgebernahen Politik klatscht Beifall dabei! Da kommt ein ganz hässliches Gesicht zum Vorschein! Das ist beschämend! Und es lässt nur eine einzige Reaktion zu, Kolleginnen und Kollegen! Wir müssen zusammenrücken. Wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter müssen einmal mehr zeigen, was Solidarität unter den Beschäftigten ausmacht. Ein Angriff auf einen von uns – auf eine Belegschaft, auf eine Branche, auf einen Standard egal wo – ist ein Angriff auf uns alle, auf unsere Rechte und Errungenschaften insgesamt."