16.02.2026 | Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende bekräftigt: "Mit uns wird es keine Werksschließungen geben"
Wolfsburg - Laut einem Medienbericht hat der Vorstand zu Jahresbeginn angeblich ein gigantisches neues Sparprogramm für den gesamten Volkswagen-Konzern aufgesetzt. Demnach sollen bis Ende 2028 - also binnen drei Jahren - über alle Kostenarten hinweg 60 Milliarden Euro Entlastungen freigelegt werden. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Artikel allerdings eher als eine Zustandsbeschreibung der längst laufenden Effizienzprogramme - offenbar angereichert mit dem Dreh, diese würden nun noch einmal verstärkt und angeblich gebe es auch manche Stimmen, die Werksschließungen favorisierten.
Zur Einordnung der großen Zahl: Laut jüngstem Geschäftsbericht (der für 2024, siehe Seite 486) belaufen sich die verschiedenen Kostenarten im Konzern (etwa für Rohmaterial, Beschaffung, Energie, Vertrieb, Verwaltung und vieles mehr) auf ungefähr 300 Milliarden Euro. Demnach wären 60 Milliarden Euro Einsparung, über die der Medienbericht spekuliert, also rund ein Fünftel Verbesserung.
Der Bericht des "Manager Magazins" (Link) erschien Montagmorgen und ist hinter der Bezahlschranke, also nur für Abonnenten lesbar. In dem Bericht wird viel spekuliert, unter anderem fällt dieser Satz einer nicht näher genannten Quelle, die nur mit "Insider" umschrieben wird: “Es muss auch um Werksschließungen gehen.”
Der Konzern reagiert derzeit auf Medienanfragen zu dem "Manager Magazin" -Artikel, indem er hervorhebt, dass schon seit drei Jahren milliardenschwere Effizienzprogramme laufen, die auch schon Erfolge in zweistelliger Milliardenhöhe freigelegt hätten - und natürlich nicht beendet sind, sondern weiterlaufen. Details zu diesen Zwischenständen werde es aber erst bei der Jahrespressekonferenz am 10. März geben. Die komplette Stellungnahme der Vorstands-Kommunikation steht im Infokasten dieses Artikels.
Die Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sagte am Montag: "Ich habe den Artikel im Manager Magazin zur Kenntnis genommen. Uns ist bewusst, dass wir uns mit dem Konzern nach wie vor in einer schwierigen Lage befinden. Deshalb haben wir in der Volkswagen AG bereits Ende 2024 mit dem Dezember-Kompromiss alles in die Wege geleitet, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die Auswirkungen für die Belegschaft sozialverträglich zu gestalten. Mit dieser Einigung haben wir Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ausdrücklich ausgeschlossen. Übrigens: Anders als im Artikel behauptet, ist diese Tarifeinigung völlig unabhängig von den Betriebsratswahlen. Mit uns wird es keine Werksschließungen geben."
Infokasten: Das sagt der Konzern
Die Vorstands-Kommunikation antwortet auf Medienanfragen zu dem "Manager Magazin"-Artikel wie folgt: "Die Volkswagen Group hat bereits vor drei Jahren im Rahmen der Performance Programme in allen Marken und Gesellschaften mit einem operativen Zukunftsprogramm begonnen (Fokus kunden-relevante Aspekte wie Design und Produkte sowie Kosten). Seitdem wurden Einsparungen in zweistelliger Milliarden-Euro-Höhe erreicht. Damit konnte der Konzern die geopolitischen Gegenläufer - wie die Zölle in den USA – abfedern und bleibt auf Kurs. Auf der Jahrespressekonferenz am 10. März wird unser CEO Oliver Blume einen Zwischenstand kommunizieren."
Auch Thorsten Gröger, IG Metall-Verhandlungsführer für den Haustarifvertrag der Volkswagen AG, hat sich am Montag erklärt. Er sagte auf Medienanfragen:
„An uns als Tarifvertragspartei ist in dieser Angelegenheit nicht herangetreten worden. Ich möchte aber in aller Deutlichkeit sagen: Wir verfügen über ein bestehendes, tragfähiges Tarifvertragswerk. Erst im Dezember 2024 haben wir uns nach einem langen und intensiven Ringen auf einen umfassenden Abschluss verständigt. Dem waren harte Warnstreiks der Beschäftigten vorausgegangen. Die Dezember-Vereinbarung beinhaltet unter anderem den klaren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2030. Vor dem Hintergrund dieser verbindlichen Regelungen stellen sich die aktuell aufgeworfenen Fragen für uns nicht.
Die Beschäftigten haben im Rahmen dieses Abschlusses einen erheblichen Beitrag geleistet, der individuell nachvollziehbar als schmerzhaft empfunden wird. Insgesamt geht es um rund 1,5 Milliarden Euro, die die Belegschaft eingebracht hat, um dem Unternehmen wirtschaftlichen Spielraum für notwendige Investitionen und die Sicherung der Zukunftsfähigkeit zu ermöglichen. Für uns ist klar: Vereinbarungen gelten und Verträge sind einzuhalten.“