07.09.2026 | Finanzinvestor Aurelius und Land Niedersachsen wollen VW-Standort Osnabrück übernehmen und weiterentwickeln
Zu den heutigen Nachrichten aus Osnabrück hat der VW-Konzernbetriebsrat die folgende Pressemitteilung veröffentlicht:
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07.09.2026
• Die beiden Partner unterzeichnen mit der Volkswagen AG Eckpunkte des Verkaufs
• Ziel ist ein wachsendes Kompetenzzentrum für Sicherheit und Verteidigung
• Das neue Unternehmen bietet Zukunft für etwa 75 Prozent der VW-Arbeitsplätze
• Zu den Absprachen gehört auch eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029
• Arbeit an Perspektiven für die übrigen Beschäftigten läuft unter Hochdruck weiter
Osnabrück/Wolfsburg/Hannover - Wichtiger Schritt in die Zukunft für Volkswagen Osnabrück: Der Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen wollen die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Volkswagen AG übernehmen. Zukünftig soll der Standort zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen weiterentwickelt werden. Die jetzt angesteuerte Lösung bietet Zukunft für knapp 1400 der derzeit insgesamt 1800 Beschäftigten - und versorgt somit rund drei Viertel der Belegschaft mit einer Anschlussperspektive. Und nicht nur die Tarifbindung im Rahmen der Metall- und Elektroindustrie bleibt bestehen. Die Arbeitnehmerseite konnte erreichen, dass mit dem Meilenstein sämtliche Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Arbeitsverträge und Betriebsratsstrukturen auch zukünftig nach dem Übergang zu den neuen Besitzern wie bisher gelten. Für die übrigen Beschäftigten der Volkswagen Osnabrück GmbH, vor allem aus der Technischen Entwicklung, wird weiter mit Hochdruck an einer Perspektive am Standort gearbeitet.
Abzüglich einer weiteren Reduzierung der Belegschaft in der näheren Zukunft, zum Beispiel über Rente und Altersteilzeit, entsteht eine derzeitige Sollgröße für das neue Kompetenzzentrum von rund 1200 Stellen. Für diese Zahl der 1200 greift auch eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2029. Es handelt sich dabei um die erste Beschäftigungssicherung am Standort seit der Karmann-Insolvenz und der Übernahme durch Volkswagen vor rund 16 Jahren.
Ein erstes Ankerprojekt der neu zu gründenden Gesellschaft ist konkret in Planung: Im Auftrag von Rafael Advanced Defense Systems soll in Osnabrück die Fertigung von Systemen und Komponenten für Luftverteidigungssysteme für Deutschland und Europa realisiert werden.
Eine wichtige Botschaft für die Auszubildenden der Volkswagen Osnabrück GmbH: Auch für sie geht es weiter. Die bereits eingestellten Azubis sollen bis einschließlich 2029 ebenso wie die Stammbelegschaft für die zukünftigen Aufgaben qualifiziert werden. Ab 2030 könnte das Ausbildungsangebot dann ausgeweitet werden.
Die starken Neuigkeiten für den Standort gaben die Beteiligten am Montagvormittag in Osnabrück bekannt, wo die Partner entsprechende Eckpunkte unterzeichneten. Auch eine Info-Veranstaltung für die Belegschaft war natürlich Teil des Termins.
Folgende Aussagen machten die Beteiligten anlässlich des Treffens:
Daniela Cavallo, Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende der Volkswagen AG:
„Wir haben einen wichtigen Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen in Osnabrück erreicht. Mehr als 1.200 Menschen erhalten eine Perspektive an ihrem Standort. Darauf hat die Belegschaft vor Ort in den vergangenen zwei Jahren mit Hochdruck hingearbeitet. Sie hat ihr umfassendes Know-how unter Beweis gestellt und damit überzeugt. Das Ergebnis ist ihr Erfolg. Jetzt zeigt sich, wie wichtig es war, dass wir von Arbeitnehmerseite im Rahmen der Tarifverhandlungen Ende 2024 dafür gesorgt haben, dass der Volkswagen-Vorstand sich vertraglich verpflichtet hat, für Osnabrück eine Zukunft zu schaffen. Über die jetzt vereinbarten Punkte hinaus arbeiten wir weiter an einer Lösung, um am Ende für die gesamte Stammbelegschaft eine Perspektive am Standort sicherzustellen.“
Jürgen Placke, Betriebsratsvorsitzender der Volkswagen Osnabrück GmbH:
„Die Übernahme unseres Werks durch Aurelius und das Land Niedersachsen ist ein erster großer Erfolg. Ich bin stolz auf unsere Belegschaft, die den Kopf nicht in den Sand gesteckt hat, sondern selbst hart für ihre Zukunft gearbeitet hat. Als Arbeitnehmervertreter haben wir erreicht, dass auch in Zukunft die Tarifbindung innerhalb der Metall- und Elektroindustrie für unsere Kolleginnen und Kollegen erhalten bleibt. Darüber hinaus gibt die Beschäftigungssicherung bis einschließlich 2029 ein gutes Stück weit Sicherheit und Planbarkeit. Es ist unsere erste Beschäftigungssicherung seit der Übernahme durch VW vor rund 16 Jahren. Unser Ziel ist es jetzt, weitere Projekte an den Standort zu holen, die allen Beschäftigten Beschäftigung garantieren.“
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall und Stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, sagte:
„Die Belegschaft in Osnabrück hat immer wieder bewiesen, dass sie Wandel kann und Verantwortung für die Zukunft des Standorts übernimmt. Jetzt kommt es darauf an, diesen Übergang gemeinsam mit den Beschäftigten und ihrer Interessenvertretung zu gestalten. Eine neue industrielle Perspektive für Osnabrück und die Region bedeutet vor allem Sicherheit für die Beschäftigten und ihre Familien. Dass sie sich heute eröffnet, ist insbesondere dem beharrlichen Engagement und engen Zusammenspiel von Belegschaft, Landesregierung, Betriebsrat und Gewerkschaft zu verdanken. Der heutige Schritt eröffnet Chancen für den Standort, entbindet Volkswagen jedoch nicht von der Aufgabe, auch für die verbleibenden Beschäftigten verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen.“
Stephan Soldanski, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück:
„Wir sind noch nicht am Ziel. Aber mit der heutigen Entscheidung haben wir den Fuß in der Tür, damit Osnabrück Industriestandort bleibt. Nach der langen Hängepartie der vergangenen Monate ist das zunächst eine wichtige Nachricht für die Kolleginnen und Kollegen. Diese Ungewissheit war eine Zumutung. Umso bemerkenswerter ist, dass die Belegschaft in dieser Zeit ihren Auftrag mit beeindruckender Qualität und Leistung erfüllt hat. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit: Möglichst viele Kolleginnen und Kollegen müssen aus der bisherigen Beschäftigung in neue, gute und verlässliche Arbeit geführt werden. Wir werden diesen Prozess konstruktiv begleiten. Aber wir nehmen den Volkswagen-Vorstand nicht aus der Pflicht, Verantwortung für alle Kolleginnen und Kollegen am Standort zu tragen. Die IG Metall hat in dieser langen und schwierigen Phase Verantwortung für die Belegschaft übernommen – und wir werden das auch weiterhin tun. Entscheidend ist, dass aus den heutigen Eckpunkten konkrete industrielle Perspektiven entstehen und möglichst viele Menschen hier dauerhaft gute Arbeit finden.“
Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group, Oliver Blume:
„Volkswagen steht zu seiner Verantwortung für Osnabrück. Mit der heutigen Vereinbarung gehen wir einen wichtigen Schritt, um dem Standort eine neue industrielle Zukunft zu eröffnen. Die Beschäftigten in Osnabrück haben immer wieder gezeigt, wie viel Kompetenz, Flexibilität und Engagement in diesem Werk stecken. Darauf wird der Standort auch in Zukunft aufbauen.“
Olaf Lies, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen:
„Mit dieser Vereinbarung eröffnen wir Osnabrück eine echte industrielle Chance. Der Standort verfügt über hervorragend qualifizierte Beschäftigte, gewachsene Strukturen und viel Erfahrung bei anspruchsvollen Aufgaben. Zugleich haben sich unsere Sicherheitslage und unser Schutzbedürfnis grundlegend verändert. Deutschland und Europa müssen ihre Fähigkeiten stärken und unabhängiger werden. Niedersachsen will dazu beitragen, dass daraus Wertschöpfung und sichere Beschäftigung entstehen. Osnabrück kann dabei eine wichtige Rolle übernehmen.“
Tomer Jacob, Managing Director Aurelius:
„Osnabrück bringt etwas mit, das man nicht aufbauen kann: langjährige Erfahrung bei anspruchsvollen Produkten, präzise Fertigungsabläufe und hohe Qualität, eingespielte Teams und eine starke Tradition. Gleichzeitig eröffnet sich die Möglichkeit, neue Technologien und neue Geschäftsfelder an den Standort zu holen. Die heutige Vereinbarung ist deshalb ein wichtiger Schritt. Nun wollen wir gemeinsam daran arbeiten, daraus eine tragfähige und langfristige Perspektive zu entwickeln.“
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Kurz-Infos:
Rafael Advanced Defense Systems ist ein israelischer Konzern aus dem Bereich der Verteidigungsindustrie. Das bekannteste Produkt des Unternehmens ist der „Iron Dome“, ein Raketenabwehrsystem. Spekulationen zur Produktion von Komponenten für dieses System am Standort Osnabrück, das zukünftig auch in Deutschland und Europa genutzt werden könnte, waren bereits Teil der medialen Berichterstattung.
Aurelius Capital ist eine internationale Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in Tel Aviv, Israel. Das Unternehmen investiert in innovative Technologieunternehmen mit Fokus auf Verteidigung, Cybersicherheit, Künstliche Intelligenz und kritische Infrastruktur. Mit einem Netzwerk aus erfahrenen Investoren sowie führenden Persönlichkeiten aus Sicherheits- und Verteidigungsorganisationen unterstützt Aurelius Capital seine Beteiligungen aktiv bei ihrer strategischen und operativen Weiterentwicklung.