18.09.2026 | Konzern schrammt laut aktualisierter Prognose nur noch knapp an Verlustzone vorbei
Der VW-Konzern rechnet für 2026 nur noch mit einem Mini-Gewinn und dürfte damit die schlechteste Jahresbilanz seit dem Dieselgate-Verlustjahr 2015 einfahren. Das gab die Volkswagen AG am Freitagabend mit einer sogenannten Gewinnwarnung bekannt. Darin heißt es kurz und knapp: Die Gewinnkraft des Konzerns dürfte 2026 nur noch "bis zu 1 Prozent" erreichen, also in anderen Worten maximal 1 Prozent. Damit blieben von 100 Euro Umsatz höchstens 1 Euro in der Kasse, wovon Steuern und Kapitalkosten noch abgezogen werden müssen.
Als wesentliche Gründe nennt Volkswagen das Folgende:
Finanzielle Details werden nur wenige genannt. Die Belastungen seien aber insgesamt rund 10 Milliarden Euro schwer, wovon nur eine knappe Milliarde bereits im ersten Halbjahr angefallen sei, der Rest der verdüsterten Prognose also sehr frisch ist. 6 Milliarden Euro entfallen auf die Porsche-Buchwertberichtigungen (wobei kein echtes Geld verbrennt, negativ ist die Entwicklung trotzdem). Weitere 2 Milliarden Euro kämen über die drei Posten Vorruhestandsregelungen, Osnabrück-Verkauf und Buchwertkorrekturen zu den konzerneigenen Aktivitäten in China zusammen.
Hier steht der Wortlaut der Pflichtmitteilung an die Finanzwelt.
Hintergrund: Im März dieses Jahres hatte das Unternehmen die Bilanz für 2025 bekanntgegeben und damals bereits das schlechteste Ergebnis seit 2015 vorgelegt. Im vergangenen Jahr kamen nur noch knapp 9 Milliarden Euro zusammen - so wenig wie seit 2016 nicht mehr, als der Konzern in den Nachwehen der Dieselkrise auf rund 7 Milliarden Euro Gewinn gekommen war. Nun dürften diese Tiefststände mit dem laufenden Jahr 2026 noch einmal kräftig unterboten werden.
Die miese Prognose fällt in eine aufgeladene Gemengelage: Derzeit steht die VW-Haustarifrunde bevor, in den nächsten Tagen wird die IG Metall ihre Forderungen für die bald startenden Verhandlungen präsentieren. Ebenfalls kurz bevor steht das von Arbeitnehmerseite eingeforderte Überprüfungsgespräch zur Vertragstreue des Konzernvorstandes in Sachen 2024er Tarifkompromiss. Und traditionell geht im Spätsommer auch immer die Planungsrunde für die künftigen Investitionen des Konzerns in Technologie, Produkte und Standorte in die heiße Phase. Parallel hat die jüngste Aufsichtsratsentscheidung das Ergebnis gebracht, bis Juli nächsten Jahres im gesamten europäischen Produktionsnetzwerk alle Hebel in Bewegung zu setzen, um in einer Gesamtlösung auch für die vier Werke Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau die Folgebelegung auch im nächsten Jahrzehnt zu sichern.
Alles in allem also eine sehr angespannte Gemengelage. Ein Grund mehr für alle Wolfsburger VW-Beschäftigten, im Stammwerk am Montag zur Betriebsversammlung in Halle 11 vorbeizuschauen. Dort startet die Zusammenkunft wie gewohnt ab 9.30 Uhr. Anfangs reden Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo, die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, sowie Stefan Stolzenburg aus der Vertrauenskörperleitung Wolfsburg im Rahmen des bundesweiten Automobil-Aktionstags der IG Metall.
Wichtig: Anders als teilweise gerüchteweise im Umlauf, gilt, dass Beschäftigte in der Fertigung ihren Arbeitsplatz am Tag der Betriebsversammlung bereits um 9 Uhr verlassen dürfen, um in Richtung Halle 11 aufzubrechen.
Für alle Kolleginnen und Kollegen aus der Zuliefererindustrie gibt es vormittags ab 10.00 Uhr eine Aktion vor der IG Metall-Geschäftsstelle:
Beteilige Dich am Automobil-Aktionstag vor der Geschäftsstelle der IG Metall Wolfsburg! :: IG Metall Wolfsburg
Übrigens: Der Konzernvorstand hat für den Montag in einer historisch beispiellosen Entscheidung Pressevertretern den Zugang zum Aktionstag auf dem Werksgelände verwehrt. Mehr dazu hatten wir hier berichtet. Auch das ist ja vielleicht ein Grund mehr, am Montag in Halle 11 selber dabei zu sein.
Und was die Politik aus Sicht des Konzernbetriebsrates jetzt dringend unternehmen müsste, haben wir hier aufgeschrieben.