Rund 300 Beschäftigte demonstrieren vor Gewerkschaftshaus

Wolfsburg steht zusammen für Arbeitsplätze, Industrie und Zukunft

21.09.2026 | Wolfsburg – Die Beschäftigten der Autoindustrie leisten Widerstand gegen die Spar- und Verlagerungsfantasien ihrer Konzernbosse. Beim bundesweiten Automobil-Aktionstag setzten sie ein deutliches Zeichen für sichere Arbeitsplätze, zukunftsfähige Standorte und eine starke industrielle Basis. Ihre eindeutige Botschaft: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Sparen, sondern durch Investitionen.

Überall in Deutschland veranstalteten dafür am Montag Beschäftigte unzähliger Hersteller oder Zuliefererbetriebe verschiedenste Protestaktionen. In Wolfsburg beteiligte sich die VW-Belegschaft mit einem Sternenmarsch zur Betriebsversammlung. Dort kritisierten die IG Metall-Vorsitzende Christiane Benner und VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo auch die mangelnde Unterstützung seitens der Politik und stellten industriepolitische Forderungen auf.

Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ kamen parallel dazu am Montag rund 300 Beschäftigte aus weiteren Betrieben der Branche in ihrer Freizeit vor dem Gewerkschaftshaus zusammen, um für den Erhalt der Industriearbeitsplätze in Wolfsburg und ganz Deutschland zu kämpfen und die Politik zum Handeln aufzurufen. Darunter befanden sich Delegationen von Brose Sitech, Aumovio, IAV, Capgemini, CARIAD, HCL, VW Group Services, Autohaus Wolfsburg, VW Immobilien, Autovision, Wolfsburg AG und aus der Kontraktlogistik. Lautstark und mit großen Bannern machten sie ihrem Ärger Luft.

Unterstützt wurden sie dabei von IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger, der als Hauptredner auf die Bühne vor dem Gewerkschaftshaus trat. Gröger fand klare Worte in Richtung Arbeitgeber und Politik: „Die Zukunft des Automobilstandorts entscheidet sich nicht daran, ob Beschäftigte noch billiger oder flexibler werden. Sie entscheidet sich daran, ob hier auch morgen die Autos, Technologien und Wertschöpfung von morgen entstehen. Wenn Produkte nicht überzeugen, Märkte verloren gehen und Investitionen ausbleiben, lassen sich diese Versäumnisse nicht über Arbeitskosten kompensieren. Deshalb müssen wir über das reden, was wirklich zählt: Investitionen, Innovation, gute Produkte und strategische Verantwortung. Wer industrielle Stärke erhalten will, muss in ihre Zukunft investieren – sonst senken wir zwar Kosten, verlieren aber trotzdem Wertschöpfung. Und damit schwindet noch viel mehr!“

Matthias Disterheft, Geschäftsführer der IG Metall Wolfsburg, unterstrich: „Die IG Metall und die Beschäftigten wissen um die großen Herausforderungen, vor denen die Branche steht. Doch die Kolleginnen und Kollegen haben die Krise nicht verursacht. Es ist deswegen mehr als unanständig, dass die Krise nun scheinbar dafür genutzt werden soll, Arbeitsplätze in großen Stil abzubauen oder zu verlagern und gleichzeitig Arbeitnehmerrechte und gewerkschaftliche Errungenschaften anzugreifen. Das ist kein Plan für die Zukunft, sondern gefährdet die industrielle Basis in unserem Land und damit den Wohlstand ganzer Regionen. Als Metallerinnen und Metaller werden wir uns entschieden dagegenstellen – vereint, entschlossen und solidarisch“.

Die Kritik der Gewerkschafter richtet sich dabei nicht nur gegen die Abbaupläne der Arbeitgeber. Gleichzeitig muss auch die Politik aktiv werden und für verlässliche Rahmenbedingungen und faire Wettbewerbsbedingungen sorgen. So braucht es als Antwort auf die staatlich extrem subventionierten chinesischen Wettbewerber mehr Handelsschutz für den europäischen Markt, zum Beispiel durch Local-Content-Regelungen. Die Energiekosten müssen auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt und Schlüsseltechnologien der Zukunft durch eine aktive Industriepolitik gefördert werden. 

Rund 300 Beschäftigte demonstrieren vor Gewerkschaftshaus

Datum: 21.09.2026

Fotos: Roland Hermstein

Sternenmarsch und Betriebsversammlung

Datum: 21.09.2026

Fotos: Heiko Stumpe

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