Starke Aktion in Berlin

VW-Azubis erinnern an ermordeten Walter Lübcke

05.06.2024 | Zum Todestag des Demokraten ein gemeinsames Zeichen mit dem Internationalen Auschwitz-Komitee

Christoph Heinemann beim Aufhängen des Stoffschildes. Öffentlichen Raum nicht den rechtsextremen Hassern überlassen!

Starkes Zeichen: Christoph Heubner (hinten, Mitte) und VW-Kollege Christoph Heinemann (2.v.l.) mit den Auszubildenden von Volkswagen unter dem Straßenschild, das den Namen des ermordeten Dr. Walter Lübcke trug.

Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke durch einen Rechtsextremisten hatte am 2. Juni 2019 die Bundesrepublik erschüttert. Zu seinem fünften Todestag hatte sich das Internationale Auschwitz Komitee (IAK) gemeinsam mit Auszubildenden von Volkswagen eine besondere Aktion überlegt. Für eine halbe Stunde benannten sie eine Seitenstraße am Kurfürstendamm nach dem verstorbenen Demokraten und Menschenfreund.

Der Nachwuchs aus den VW-Standorten Braunschweig uns Salzgitter wirkt bis Mitte Juni an einem Gedenkstättenprojekt des Internationalen Auschwitz Komitees in der Gedenkstätte Auschwitz mit. Ganz bewusst beteiligten sie sich am Morgen des 2. Juni auf dem Weg nach Auschwitz in Berlin an der Gedenk-Aktion des Internationalen Auschwitz Komitees. 

Dr. Walter Lübcke war 2019 in seinem Heimatort nahe Kassel von einschlägig bekannten Rechtsextremen wegen seiner politischen Haltung regelrecht hingerichtet worden. Damals erschien der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten der Höhepunkt einer Hasskampagne zu sein, die Rechtsextreme, Neonazis und Vertreter der AfD angesichts der Hilfsbereitschaft Deutschlands gegenüber Flüchtlingen inszeniert hatten.

IAK-Vizepräsident Christoph Heubner: "Seit dem Mord an Walter Lübcke haben wir jedoch in den zurückliegenden Jahren lernen müssen, dass Gewalt gegenüber Politikern im öffentlichen Raum immer mehr zunimmt und mit der Radikalisierung und Verwahrlosung der Sprache einhergeht. Die Zahl der Sympathisanten und potentiellen Wähler einer rechtsextremen Partei steigt weiter an, bekennende und bekannte Nazis treten bei Landratswahlen an und werden trotz ihrer Hitler-Verehrung und ihrer Verachtung Europas und der Demokratie an den üblichen Richtlinien vorbei als Wahlkandidaten zugelassen: Die Republik liefert sich vor Ort leichtfertig aus und ist hinter ihrer löchrigen Brandmauer für alte und neue Nazis längst kaum noch als wirklich wehrhaft ernstzunehmen."

Die Idee hinter der Aktion in Berlin war, in den Tagen des 75. Jubiläums des Grundgesetzes ein Zeichen der Erinnerung im umkämpften öffentlichen Diskurs und im öffentlichen Raum zu setzen. 

An der Ecke Kurfürstendamm / Joachim-Friedrich-Straße / Agathe-Lasch-Platz, benannten Azubis und IAK die Joachim-Friedrich-Straße, die an einen Kurfürsten der Mark Brandenburg erinnert, für 30 Minuten in die Walter-Lübcke-Straße um. Dafür zogen sie ein Stoffschild über das eigentliche Straßenschild, so dass kein bleibender Schaden entstand.

Heubner nannte Lübcke einen "Demokraten, deutschen und europäischen Patrioten und Menschenfreund". Und er betonte: Unsere Aktion fordert Städte, Gemeinden, Schulen und Institutionen auf, ähnliche, dauerhafte Aktionen anzugehen und den öffentlichen Raum nicht den rechtsextremen Hassern zu überlassen und demokratisch zu gestalten: Allen alten und neuen Nazis vors Gesicht! Tagtäglich und immer wieder! Wir sind mehr! Und #niewieder ist jetzt! Schon längst!"